Panorama

Streit über Maskenpflicht Busfahrer-Angreifer des Totschlags bezichtigt

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Die Maskenpflicht besteht auch in französischen Bussen.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Mehrere Männer, die im Bus keine Maske tragen wollen, geraten in Südfrankreich in Streit mit dem Busfahrer. Die Männer greifen ihn an, prügeln so lange auf ihn ein, dass er für hirntot erklärt werden muss. Nun sitzen zwei von ihnen in Untersuchungshaft, ihnen wird Totschlag vorgeworfen.

Nach einem Streit über die Maskenpflicht haben Gewalttäter einen Busfahrer in Frankreich so heftig geschlagen und getreten, dass er für hirntot erklärt werden musste - nun hat die Justiz zwei junge Männer wegen Totschlags beschuldigt. Ein Richter in Bayonne im Südwesten des Landes ordnete Untersuchungshaft für die 22 und 23 Jahre alten Verdächtigen an. Zwei weiteren Männern wird Beihilfe und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Die beiden mutmaßlichen Angreifer sind der Polizei durch frühere Vergehen bekannt. Die Staatsanwaltschaft betonte, nichts erkläre ihre "extreme Gewalt". Demnach eskalierte die Lage am Sonntagabend, als der 59-jährige Busfahrer Philippe Monguillot die Fahrkarte eines Zusteigenden kontrollieren wollte und drei weitere Männer im Bus aufrief, wie vorgeschrieben Masken aufzusetzen.

Daraufhin sei es zu Beleidigungen und einem Handgemenge gekommen, legte die Staatsanwaltschaft dar. Die Verdächtigen hätten den Fahrer aus dem Bus gestoßen, und die beiden jungen Männer hätten ihn mit Tritten und Schlägen gegen den Kopf und den Oberkörper traktiert. Die vier Männer seien dann zusammen in die Wohnung eines der Beschuldigten geflohen und hätten den Busfahrer bewusstlos auf dem Bürgersteig zurückgelassen. Im Krankenhaus wurde sein Hirntod festgestellt.

"Nicht mein Vater atmet, sondern die Maschinen"

Die Familie des Busfahrers zeigte sich erschüttert über die Gewalt. Seine 18-jährige Tochter Marie Monguillot sagte der Zeitung "Sud France": "Wir wissen, dass es zu Ende ist. Nicht mein Vater atmet, sondern die Maschinen." Philippe Monguillot hat drei Töchter, die beiden älteren sind 21 und 24 Jahre alt.

Der französische Verkehrs-Staatssekretär Jean-Baptiste Djebbari sagte bei einem Treffen mit den Busfahrern in Bayonne, in der Corona-Krise gebe es "Unhöflichkeiten bis hin zu Aggressionen". Die Gewaltbereitschaft habe nach dem Ende der Ausgangssperre am 11. Mai offenbar zugenommen.

Die Stadt hat für 19.30 Uhr einen Trauermarsch angekündigt. Die Busfahrer von Bayonne wollen dann mit einer Schweigeminute an ihren hirntoten Kollegen erinnern. Sie hatten nach der Gewalttat spontan die Arbeit niedergelegt. Auch in ganz Frankreich sollen die öffentlichen Verkehrsmittel nach einem Aufruf der Gewerkschaften für kurze Zeit still stehen.

Quelle: ntv.de, ara/AFP

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