Panorama

Volle Stationen, wenig Personal Charité-Personalrat schlägt Alarm

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Die vergangenen Pandemie-Monate verlangten dem Personal in der Charité bereits einiges ab.

(Foto: picture alliance/dpa/DOCDAYS Productions/rbb)

Immer mehr Menschen landen aufgrund einer schweren Covid-19-Erkrankung auf deutschen Intensivstationen. Weil es weniger Personal gibt und auch andere Patienten dringend behandelt werden müssen, spitzt sich die Lage vielerorts zu. Auch in der Berliner Charité wird es langsam eng.

Die Charité in Berlin kann ihre 3000 Betten nach Angaben des Klinikpersonalrats nicht voll auslasten. "Derzeit sind 2500 Betten belegt, wobei wir aktuell eher weniger Pflegepersonal haben als noch vor einem Jahr", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Jörg Pawlowski, dem "Tagesspiegel". "Hintergrund sind erschöpfte Kolleginnen und Kollegen, die wegen des Dauerstresses krank wurden oder den Job gewechselt haben." Planbare Operationen müssten erneut verschoben werden, damit schwerstkranke Corona-Patienten behandelt werden könnten.

"Unsere Intensivstationen füllen sich in beängstigender Geschwindigkeit mit Covid-19-Patienten", sagte Pawlowski. Derzeit seien es 50 Männer und Frauen, auf dem Höhepunkt der Pandemie im vergangenen Winter seien es fast 160 gewesen. Es gebe aber auf einigen Stationen mehr Nicht-Covid-19-Fälle als üblich, etwa Herzklappen-Operationen, die bislang wegen der Pandemie verschoben worden seien. Pawlowski forderte klare Aussagen des Senats zur Verschiebung planbarer Operationen an dem landeseigenen Uni-Klinikum. Außerdem werde vom Bund Geld für bewusst nicht belegte Intensivbetten benötigt, sogenannte Freihaltepauschalen.

Nach aktuellem Datenstand des DIVI-Intensivregisters werden 2449 Covid-19-Erkrankte auf deutschen Intensivstationen behandelt. Das sind 29 mehr als noch am Freitag. Von den Betroffenen müssen 1254 invasiv beatmet werden. Deutschlandweit gibt es den Angaben zufolge noch 3368 freie Intensivbetten. Das entspricht einem Anteil von 13,6 Prozent.

Impfung soll laut Ärztegewerkschaft Vorschrift werden

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund fordert derweil eine Corona-Impfpflicht für das Personal im Medizinbereich, in Heimen und in Erziehungseinrichtungen. "Das Votum für eine berufsbezogene Pflicht zur Schutzimpfung gegen das Coronavirus erging nach mehrstündiger, intensiver Diskussion der Delegierten" auf der Hauptversammlung des Marburger Bundes in Berlin, teilte die Organisation mit.

Eine Corona-Schutzimpfung soll demnach Vorschrift werden unter anderem für Mitarbeitende von Krankenhäusern, Vorsorge- und Reha-Einrichtungen, Arztpraxen, Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Rettungsdiensten, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. Abgedeckt werden sollen auch Kitas, Horte, Schulen, Kinderheime und Ferienlager. Schließlich sollen sich auch Mitarbeitende von Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften sowie von Einrichtungen für Behinderte impfen lassen müssen.

In einem weiteren Beschluss forderten die Delegierten des Marburger Bundes den Angaben zufolge die politischen Entscheidungsträger auf, "alle Möglichkeiten der Aufklärung, positiver Motivation und einfacher Zugänglichkeit zu Impfungen auszuschöpfen, um eine allgemeine Impfpflicht der Bevölkerung als mögliche, aber angesichts des erheblichen Grundrechtseingriffs immer nur letztrangige Maßnahme zu verhindern".

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Susanne Johna, sagte im Radiosender Bayern 2, es sei eine Verpflichtung des Personals, "die Patienten, die Betreuten zu schützen. Und dazu gehört auch, gegen Covid-19 geimpft zu sein". Das müssten dann die Arbeitgeber überprüfen. Johna sprach sich außerdem dafür aus, die sogenannte 2G-Regelung auszuweiten, die nur Geimpften und Genesenen Zutritt zu bestimmten Räumlichkeiten gewährt. "Im öffentlichen Raum, ich sag mal in Kinos, in Museen, in Restaurants, wird uns die 2G-Regelung etwas bringen." Deswegen wäre es gut, die Regelung auch flächendeckend umzusetzen. "Und dann könnten ja immer noch Länder mit wirklich niedrigen Infektionszahlen Ausnahmen machen."

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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