Panorama

Heidelberg: Triage möglich Charité reduziert auf "Notfallprogramm"

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Notfälle werden nach Angaben der Charité weiterhin behandelt und Tumoroperationen durchgeführt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Immer mehr Kliniken stoßen wegen der zunehmenden Zahl an Corona-Patienten an ihre Grenzen. Die Berliner Charité stellt daher alle planbaren Eingriffe ein. Die Uniklinik Heidelberg schließt gar eine Triage, also eine Priorisierung von Patienten, nicht mehr aus.

Seit Tagen mehren sich die Berichte von deutschen Krankenhäusern an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Mit der Berliner Charité und dem Uniklinikum Heidelberg melden nun zwei renommierte große deutsche Spitäler, angesichts der Corona-Pandemie die Grenze erreicht zu haben. So schließt die die Uniklinik Heidelberg wegen der stark ansteigenden Zahlen von Covid-19-Patienten und vollen Intensivstationen eine Triage nicht mehr aus. In Berlin sagte der Vorstand Krankenversorgung der Charité, Ulrich Frei: "Während wir bislang mit eher mäßigen Einschränkungen der klinischen Versorgung ausgekommen sind, [...] müssen wir nun zunächst in den kommenden 14 Tagen unsere Aktivitäten auf ein reines Notfall-Programm reduzieren."

"Wir befinden uns nach wie vor in einer ungewöhnlich schweren Krise, wie wir sie noch nicht erlebt haben. Wir haben noch schwere Wochen vor uns", sagte Frei weiter. Das Zurückfahren des Betriebs auf ein Notfall-Programm über Weihnachten und den Jahreswechsel bedeutet nach Freis Worten, dass es zunächst keine planbaren Eingriffe mehr geben wird und dass die Bettenbelegung um mindestens weitere 300 Betten reduziert wird.

Notfälle werden nach Klinikangaben weiterhin behandelt und Tumoroperationen durchgeführt. Es gebe keine Einschränkungen für die Rettungsstellen. Die Charité mit ihren drei Standorten in der Hauptstadt übernimmt vor allem die schweren Covid-19-Fälle, versorgt aber auch Betroffene auf Normalstationen. Sie ist Europas größte Uniklinik.

Auch die Uniklinik Heidelberg sieht ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Der Leitende Ärztliche Direktor der Uniklinik, Ingo Autenrieth, sagte Radio Regenbogen: "Eine Triage hatten wir noch nicht, das kann aber auch auf uns zukommen. Wir sind darauf eingestellt." Er betonte: "So eine Situation haben wir in den letzten 50, 60 Jahren weder in Heidelberg noch sonst wo in Deutschland erlebt." Der Begriff Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

Nach dem Tagesreport der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) vom Donnerstag geht die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen in Deutschland weiter nach oben. Inzwischen werden dort 4856 Menschen nach Corona-Infektionen behandelt - 20 mehr als am Vortag, wie aus dem hervorgeht. 57 Prozent von ihnen werden demnach invasiv beatmet. Vor einer Woche hatte die Zahl der Covid-19-Fälle, die auf Intensivstationen behandelt werden, noch bei 4339 gelegen, am 1. Dezember bei 3921. Die Zahl freier Intensivbetten für Erwachsene wird im Divi-Tagesreport mit 3722 beziffert. Als 7-Tage-Notfallreserve werden knapp 10.800 Betten für Erwachsene angegeben.

Am Mittwoch hatte die Divi und die Fachgruppe Intensivmedizin, Infektiologie und Notfallmedizin beim Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, dass man derzeit nicht an dem Punkt stehe, Priorisierungen von Patienten vornehmen zu müssen. Auch für den Fall einer möglichen regionalen Überlastung von Kliniken sei bereits seit einiger Zeit geregelt, dass Patienten innerhalb Deutschlands verlegt werden können.

In Sachsen hatten Aussagen aus Zittau für Aufregung gesorgt. Ein Mediziner des Klinikums Oberlausitzer Bergland hatte davon gesprochen, dass in der angespannten Lage in den Kliniken bereits mehrfach eine Triage angewendet werden musste. Die Politik bemühte sich anschließend um Entwarnung. Die Ärzte dort hätten mit Menschen diskutiert, die in der gleichen Region leben, aber nicht akzeptieren, wie die Situation in den Krankenhäusern ist, sagte Ministerpräsident Mchael Kretschmer. Da sei in der Wortwahl "zu heftig" argumentiert worden: "In Zittau, in Sachsen, in Deutschland wird in dieser Zeit nach klaren ethischen und medizinrechtlichen Standards gearbeitet. Es gibt keine Sonderkriterien für Covid-19."

Laut Kretschmer hat die Regierung aber inzwischen auf den "Weckruf" aus Zittau reagiert und Hilfe organisiert. So würden Soldaten der Bundeswehr auch über den Jahreswechsel in Zittau helfen und Gesundheitsministerin Petra Köpping sei es gelungen, weitere Bettenkapazitäten in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen zu organisieren.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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