Panorama

Nach Anschlag auf Satiremagazin "Charlie Hebdo" sucht händeringend Zeichner

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Die "Charlie Hebdo"-Ausgabe, die nach dem Anschlag entstand, wurde millionenfach verkauft.

(Foto: dpa)

Im Januar stürmen islamistische Fundamentalisten die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" und ermorden zwölf Journalisten. Die Folgen sind noch immer zu spüren: Die Redaktion hat es mittlerweile schwer, gute Karikaturisten zu finden.

Das französische Satieremagazin "Charlie Hebdo" hat sich insbesondere durch seine kritischen Karikaturen einen Namen gemacht. Doch gute Zeichner zu finden, wird für das Magazin immer schwieriger. Die Zeichnungen seien die DNA und das Herz des Blattes, sagte Chefredakteur Gérard Biard. Es würden unglaublich viele Zeichnungen angeboten, die aber nicht gut genug seien. "Wir können das Niveau nicht senken."

Bei einem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" wurden im Januar zwölf Menschen ermordet. Darunter waren die Zeichner Charb, Wolinski, Cabu, Tignous und Honoré, die zu den besten Karikaturisten Frankreichs gehörten. An diesem Donnerstag wird die Zeitschrift in Potsdam mit dem M100 Media Award ausgezeichnet. Mit dem Preis wird das Recht der freien Meinungsäußerung gewürdigt.

Es gibt nur wenig gute Zeichner

Biard wird den Preis auf der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium entgegennehmen. Es gebe ziemlich wenige gute Pressezeichner, so Biard. Künstlerisches Talent alleine reiche nicht. Man müsse auch einen pointierten Blick auf die Aktualität, eine politische Kultur und einen Sinn für Humor haben. "Die Latte liegt sehr hoch." Neue, gute Zeichner zu etablieren, sei sehr langwierig, sagte der Chefredakteur. Seit dem Anschlag arbeitet das Team in Paris im Haus der Tageszeitung "Libération". Demnächst sollen die Mitarbeiter in neue eigene Räumlichkeiten umziehen, wie Biard sagte. Ein neues Konzept für das Blatt gebe es nicht. "Wir setzen das fort, was wir bisher gemacht haben."

Die Zahl der Abonnenten liegt laut Biard momentan bei etwa 180.000. Zudem gingen um die 100.000 Exemplare im freien Verkauf über den Ladentisch. "Uns ist sehr bewusst, dass das immer noch enorm ist", sagte er. Vor dem Attentat wurden 60.000 Hefte gedruckt. Die Auflage der ersten Ausgabe nach dem Anschlag lag bei fast acht Millionen Exemplaren. Weltweit solidarisierten sich damals Menschen mit der Zeitung und ihren Mitarbeitern - unter anderem mit dem Slogan "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie").

"Heute bekommen wir dieselbe Kritik und dieselben Vorwürfe, die ich 'Ja, aber ...' nenne : 'Ja, der Terrorismus ist nicht gut, aber ... ihr seid vielleicht zu weit gegangen.' Das haben wir immer gehört, und das haben wir sehr schnell wieder gehört", sagte Biard. Es habe also kein tiefgehendes Nachdenken stattgefunden, kritisierte der Chefredakteur, der eine "Konfusion von Politik und Religion" beklagt. "Das, was passiert ist, ist aus politischen Gründen passiert", sagte Biard.

Quelle: ntv.de, kpi/dpa