Panorama

Mehr Geheilte als Infizierte China erzielt Erfolg in der Epidemie-Abwehr

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Die Coronavirus-Epidemie ist noch nicht überstanden: Der Schwerpunkt der Infektionswelle liegt nach wie vor in Asien.

(Foto: REUTERS)

Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus, besonders in Südkorea steigen die Zahlen sprunghaft an. In der Volksrepublik dagegen gibt es erste Fortschritte. In Deutschland sind mittlerweile zehn Bundesländer betroffen.

Die Zahl der Todesopfer durch die Lungenkrankheit Covid-19 ist weltweit auf über 3000 gestiegen. Zu den bislang von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigten 2980 Virustoten kamen in der Nacht auf Montag 68 weitere Todesopfer hinzu. 42 dieser tödlich verlaufenen Infektionen stammen dabei aus China.

Wie die Pekinger Gesundheitskommission weiter mitteilte, infizierten sich zudem landesweit 202 weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus, womit die Gesamtzahl der nachgewiesenen Erkrankungen allein in China die Schwelle von 80.000 Infizierten übersprang. Aber: In der Volksrepublik, dem Ausgangsort der Infektionskrankheit, zeichnet sich ein bemerkenswerter Wendepunkt ab. Im Inneren des Riesenreichs überstieg die Zahl der Geheilten zum Wochenende erstmals die Zahl der akut Infizierten. Ob diese Entwicklung zugleich tatsächlich auch den Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie in China markiert, ist allerdings noch offen.

Weltweit wurden bislang 88.501 Infektionsfälle erfasst. Insgesamt 44.845 Personen haben die Infektion bereits überstanden und gelten als geheilt.

Am stärksten betroffen nach China ist vor allem Südkorea. Dort stieg die Zahl der nachgewiesenen Covid-19-Infektionen auf mehr als 4000. In den zurückliegenden 24 Stunden kamen 476 neue Fälle hinzu, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Damit wurden in dem Land bisher 4212 Menschen positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, kletterte in Südkorea um vier auf 22.

In Europa ist weiterhin Italien das am stärksten betroffene Land. Die Zahl der Virustoten stieg dort auf 34, teilte Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Sonntag in Rom mit. Inzwischen sind nach seinen Angaben 1694 Menschen mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert. Davon seien 83 bereits wieder genesen. Nun plant die italienische Regierung ein Hilfspaket für die durch den Coronavirus-Ausbruch zusätzlich angeschlagene Wirtschaft in Höhe von 3,6 Milliarden Euro.

In Deutschland sind mittlerweile in 10 der 16 Bundesländer nachgewiesene Fälle des neuartigen Coronavirus bekannt. Genau 131 Infektionen waren es bis zum späten Sonntagabend nach Angaben der Behörden in den Ländern. Davon konnten 16 Coronavirus-Patienten bereits als geheilt entlassen werden.

Aus dem Saarland und den neuen Bundesländern wurden bislang noch keine Coronavirus-Infektionen gemeldet. Am späten Sonntagabend wurde der erste nachgewiesene Fall in Berlin bekannt. Für den Montag werden zudem Ergebnisse von Mitarbeitern des Brandenburger Erlebnisbads "Tropical Islands" erwartet. Dort war ein Mann aus Nordrhein-Westfalen zu Besuch, beim dem der Erreger später nachgewiesen wurde.

Besonders stark betroffenen ist der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Dort gab es 65 bestätigte Fälle. NRW-weit sind deutlich mehr als 70 Fälle nachgewiesen. Erstmals wurde am Sonntag ein Fall bekannt, bei dem es keinen Bezug zum Kreis Heinsberg gibt. Das Virus wurde bei einem 51-jährigen Mann nachgewiesen, der aus dem Iran zurückgekehrt war. In Baden-Württemberg und Bayern sollen Schüler nach dem Ende der Faschingsferien zu Hause bleiben, wenn sie sich in einem der Risikogebiete aufgehalten haben. Im Südwesten betrifft dies ausdrücklich auch viele Beamte und Polizisten.

Kritik am Krisenmanagement

Als Risikogebiete nennt das Landesgesundheitsministerium die norditalienische Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua (Region Venetien) sowie Teile Chinas, des Irans und Südkoreas. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, beklagte eine "zersplitterte Zuständigkeit" bei der Bekämpfung des Coronavirus. Es sei keine Strategie erkennbar, wie Deutschland insgesamt auf die Bedrohung reagiere, sagte er der "Augsburger Allgemeine".

"Appelle an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren, werden nicht ausreichen, denn die Verunsicherung ist vielerorts mit Händen greifbar." Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber, hält das EU-Engagement gegen das Corona-Virus für ineffektiv. Er kritisierte in der "Bild"-Zeitung", "dass wir viel zu wenig Koordinierung zwischen den Mitgliedsstaaten haben. Nach Ausbruch der Krise seien zwei Wochen vergangen, bis sich die Gesundheitsminister Europas erstmals getroffen hätten. Noch immer mache jeder Staat "sein eigenes Ding".

Veranstaltungen werden abgesagt

Mehrere Großveranstaltungen in Deutschland wurden am Wochenende abgesagt oder verschoben. Nach Absage der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin ist unklar, ob Aussteller entschädigt werden. Der Restaurantführer Guide Michelin sagte die für Dienstag geplante Sterneverleihung in Hamburg ab.

Wegen des Coronavirus wird zudem die Düsseldorfer Fachmesse "Pro Wein" verschoben. Wegen der Infektion mit Sars-CoV-2 bei einem Mitarbeiter bleiben alle Tochterunternehmen des Maschinenherstellers DMG Mori in Pfronten im Allgäu am Montag und Dienstag geschlossen. Rund 1600 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Quelle: ntv.de, sgu/dpa