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Anhörung per Video-Übertragung Christchurch-Attentäter schweigt vor Gericht

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Polizeibeamter vor dem Gerichtsgebäude in Christchurch.

(Foto: picture alliance/dpa)

Drei Wochen nach dem Terror von Christchurch erscheint der mutmaßliche Täter vor Gericht – und zwar per Live-Schaltung aus dem Hochsicherheitsgefängnis. Bevor der Prozess jedoch beginnen kann, ordnet der Richter eine Untersuchung des Rechtsextremisten an.

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch soll psychiatrisch untersucht werden. Das ordnete ein Gericht in der neuseeländischen Großstadt bei einer Anhörung drei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern an. Mit der Untersuchung soll geklärt werden, ob dem 28 Jahre alten Rechtsextremisten aus Australien der Prozess gemacht werden kann. Dem ehemaligen Fitness-Trainer droht wegen 50-fachen Mordes lebenslang Gefängnis.

Zu der Anhörung erschien der mutmaßliche Täter nicht, wie eigentlich üblich, persönlich im Gerichtssaal, sondern wurde per Video-Übertragung zugeschaltet. Er sitzt derzeit im etwa 1000 Kilometer entfernten Auckland im einzigen Hochsicherheitsgefängnis des Landes in Untersuchungshaft. Er trug während der Schalte graue Anstaltskleidung und Handschellen. Die etwa 30 Minuten dauernde Anhörung verfolgte er schweigend. Er zeigte auch keine Emotionen. Der 28-Jährige wurde von seinen beiden Anwälten vertreten. Zunächst hatte es geheißen, der mutmaßliche Täter wolle sich selbst verteidigen. Auf die Unterstützung eines ersten Pflichtverteidigers hatte er kurz nach seiner Festnahme verzichtet.

Im Gerichtssaal saßen auch zahlreiche Angehörige von Todesopfern. Rund um das Gebäude war die Polizei stark präsent. Zwischenfälle gab es keine. Richter Cameron Mander ordnete eine psychiatrische Untersuchung an. In Neuseeland ist dies in solchen Fällen ein gängiges Verfahren. "Das ist ein völlig normaler Schritt. Man sollte da nichts hineinlesen", sagte er. Der Richter trat damit Befürchtungen entgegen, dass der Mann wegen Zweifeln an seinem Geisteszustand um einen Prozess herumkommen könnte. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest. Der Attentäter soll erneut am 14. Juni vor Gericht erscheinen.

Waffengesetze verschärft

Bei der Sitzung wurden auch die Anklagepunkte verlesen. Der Vorwurf lautet auf 50-fachen Mord und versuchten Mord in 39 Fällen. Immer noch müssen 16 Verletzte wegen ihrer Schusswunden in Krankenhäusern behandelt werden. Eine Person ist nach Klinik-Angaben weiterhin in kritischem Zustand.

Der Attentäter hatte große Teile der Tat mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Auszüge aus dem etwa 17-minütigen Video kursieren immer noch. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Anschläge einen terroristischen Hintergrund hatten. Inzwischen hat Neuseeland seine Waffengesetze verschärft. Der Besitz von halbautomatischen Waffen ist dort nun verboten. Im Nachbarland Australien – dem Heimatland des mutmaßlichen Täters – beschloss das Parlament, dass Internet-Unternehmen, die Videos von Terrorangriffen verbreiten, mit hohen Geldstrafen und deren Manager sogar mit Haft bestraft werden können.

Quelle: n-tv.de

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