Panorama

Tatverdächtiger im Fall Maddie Christian B. schweigt zu Vorwürfen

Ermittler werfen Christian B. vor, die 2007 verschwundene Madeleine McCann entführt und getötet zu haben. Der 43-Jährige äußert sich dazu jedoch nicht, wie sein Anwalt erklärt. Stattdessen kündigt er an, selbst juristische Schritte zu prüfen.

Christian B., der Tatverdächtige im Fall der 2007 in Portugal verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann, äußert sich nicht zu den Vorwürfen, er habe das damals dreijährige britische Mädchen entführt und umgebracht. Wie sein Rechtsanwalt Friedrich Fülscher bei RTL/ntv erklärte, mache der 43-Jährige "momentan keine Angaben zur Sache". B. sitzt derzeit wegen eines Drogendeliktes in Kiel im Gefängnis. Da sich sein Mandant nicht zu den Vorwürfen äußere, bat der Verteidiger um Verständnis, dass er auch vorerst nicht darüber sprechen wolle. Fülscher verteidigt B. gemeinsam mit dem Hamburger Rechtsanwalt Johann Schwenn. Die Anwälte Jan-Christian Hochmann und David Volke legten dagegen ihr Mandat nieder.

Zu möglichen falschen Verdächtigungen oder öffentlichen Äußerungen über den 43-Jährigen erklärte Fülscher nach einem Besuch in der Justizvollzugsanstalt Kiel, man werde "all diese Äußerungen genauestens prüfen und im Einzelfall abwägen, ob es Sinn macht, straf- oder zivilrechtlich dagegen vorzugehen." Wie Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen mitteilte, sei B. aus Sicherheitsgründen in eine Einzelzelle verlegt worden. Dabei gehe es um die Sicherheit des Häftlings und den Schutz vor möglichen Attacken durch Mitgefangene.

Freilassung ließ sich nicht vermeiden

Zudem erklärte die Flensburger Staatsanwaltschaft, dass sie nie in den Fall Maddie eingebunden war. Das betonten die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt und Minister Claussen. "Mit den Ermittlungen im Fall Maddie haben wir nichts zu tun", sagte Stahlmann-Liebelt. Der mehrfach vorbestrafte Mann war nach dem vollständigen Absitzen einer Haftstrafe von 14 Monaten in Braunschweig wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Besitzes kinderpornografischer Schriften 2018 für einige Wochen auf freiem Fuß - das ließ sich laut Stahlmann-Liebelt juristisch nicht vermeiden. In Kiel endet die Haft wegen der Drogendelikte im Frühjahr 2021. B. hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt und Anträge auf Haftverschonung gestellt. Über diese ist noch nicht entschieden.

Die Ermittler vermuten, dass B. am 3. Mai 2007 die drei Jahre alte Madeleine McCann während des Urlaubs ihrer Familie aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Ferienort Praia da Luz entführt habe. Seit ihrem Verschwinden vor mehr als 13 Jahren gab es kein Lebenszeichen von Maddie. Die deutschen Behörden sind laut dem Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters davon überzeugt, dass Maddie tot und B. der Täter sei, wie Wolters dem britischen Sender Sky News erklärte. Es fehlten allerdings die "harten Beweise", die jedoch unerlässlich seien, um den 43-Jährigen für die Tat vor Gericht zu stellen.

Derzeit geht das Bundeskriminalamt mehreren Hundert neuen Hinweisen nach, was allerdings Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern könnte. Die Ermittler bemühen sich darum, die verschiedenen Wohnorte des Deutschen in Portugal nachzuverfolgen. Diese sollen anschließend überprüft und gezielt nach den sterblichen Überresten des bei seinem Verschwinden drei Jahre alten Mädchens abgesucht werden. Auch deshalb hatten sie jüngst den Namen des Verdächtigen öffentlich gemacht, woraufhin sich zahlreiche neue Ansätze ergeben hatten. Die britische Ermittlungsbehörde Scotland Yard geht im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen weiter von einem Vermisstenfall aus, da es einem Sprecher zufolge "keinen endgültigen Beweis" gebe, dass die Vermisste nicht mehr lebe.

Am heutigen Mittwoch sendet RTL um 20.15 Uhr ein Spezial "Die Wahrheit im Fall Maddie - Insider packen aus". Bereits jetzt gibt es die Doku "Der Fall Maddie - Haben sie jetzt endlich den Richtigen?" auf TVNOW.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa

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