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Die wichtigsten Antworten Corona-Impfstoff - wie geht es jetzt weiter?

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In Deutschland gehen die ersten Corona-Impfzentren bereits in den Testbetrieb.

(Foto: imago images/Rainer Unkel)

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer hat grünes Licht für eine Zulassung erhalten. Kurz nach Weihnachten sollen die ersten Menschen in Deutschland geimpft werden. Zunächst vor allem besonders gefährdete Gruppen. Doch es gibt noch viele Fragen rund um den Impfstart - hier eine Übersicht über die wichtigsten.

Der erste Impfstoff gegen das Coronavirus steht unmittelbar vor der Zulassung in Europa - die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) hat dafür grünes Licht gegeben. Die EU-Kommission will bald über die Marktzulassung des Corona-Impfstoffs der Unternehmen Biontech und Pfizer entscheiden.

Aber wie geht es dann weiter? Wie gelangt man an einen Termin fürs Impfen? Was ist mit Nebenwirkungen? Und wann könnten die Corona-Maßnahmen wieder gelockert werden? Hier eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Impfstart in Deutschland:

Ab wann kann es losgehen mit den Impfungen?
Nach grünem Licht der Ema für den Impfstoff von Biontech/Pfizer und der Zulassung der EU-Kommission will Deutschland ab dem 27. Dezember mit Impfungen starten. Zuvor hatte das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Impfchargen geprüfen und freigegeben.

Was ist mit der Zulassung von anderen Impfstoffen?
Über das Präparat von Moderna will die Ema bis zum 6. Januar entscheiden.

Wer wird zuerst geimpft?
Nach der Impfverordnung des Bundes sollen anfangs Ältere über 80 Jahre und Pflegeheimbewohner zum Zuge kommen können, zudem Personal etwa in Notaufnahmen oder Corona-Stationen sowie in der Altenpflege. Insgesamt umfasst diese Gruppe der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI) zufolge rund 8,6 Millionen Menschen. Zu denen, die am wenigsten dringlich zu impfen sind, gehören im Allgemeinen Menschen unter 60 Jahren, die weder Vorerkrankungen haben noch mit Risikopatienten in Kontakt kommen oder berufsbedingt viele Menschen treffen. Das entspricht etwa 45 Millionen Menschen.

Wie weist man nach, dass man zu einer priorisierten Gruppe zählt?
Beim Impfzentrum oder mobilen Impfteam reichen folgende Nachweise:

  • Personalausweis, um das Alter nachzuweisen.
  • Bescheinigung der Einrichtung oder des Unternehmens für Menschen in Alten- und Pflegeheimen und Pflegekräfte.
  • Ärztliches Attest bei Vorerkrankungen.
  • Für enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren reicht deren Bestätigung oder eine des jeweiligen gesetzlichen Vertreters.
  • Auch postalisch zugewiesene QR-Codes oder Kennnummern sind laut einem Medienbericht als Nachweis im Gespräch.

Wie erfährt man, ob man impfberechtigt ist?
Noch wurde kein Verfahren zur Benachrichtigung von Impfberechtigten offiziell vorgestellt. Laut einem Medienbericht sollen direkt nach der Zulassung eines Impfstoffs bevorzugt Impfberechtigte von den Bundesländern dazu eingeladen werden, einen Termin in einem Impfzentrum zu vereinbaren - in Niedersachsen, Hamburg, Bayern, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sollen Betroffene teils per Post informiert werden.

Wie vereinbart man einen Termin in einem Impfzentrum?
Der genaue Ablauf der Terminvergabe ist noch nicht offiziell bekannt gegeben worden. Da es noch keine Zulassung für einen Impfstoff gibt, werden auch noch keine Termine vergeben. Sobald der Impfstart feststeht, sollen Termine telefonisch oder online vereinbart werden können, allerdings gibt es in Deutschland einen Flickenteppich. Denn die Terminvergabe regeln die Bundesländer. In NRW etwa ist geplant, die bereits existierende Patienten-Hotline 116 117 dafür zu nutzen. In Baden-Württemberg könnte eine Anmeldung zudem auch direkt in größeren Impfzentren erfolgen. Niedersachsen wiederum hat eine landeseigene Hotline. Andere Bundesländer wollen entsprechende Nummern noch bekannt geben.

Wo wird geimpft?
Zu Beginn der Impfungen soll in regionalen Impfzentren der Impfstoff verabreicht werden - deutschlandweit sollen bis zu 442 Impfzentren entstehen. Zehntausende Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Helfer haben sich für Einsätze gemeldet. Dafür werden in vielen Bundesländern bestehende Gebäude umfunktioniert: darunter Baumärkte, Tennishallen, in Hessen ein früheres Flughafengelände und in Düsseldorf die Fußball-Arena. Darüber hinaus sind zum Impfstart mobile Teams geplant, die insbesondere für Impfungen von Risikogruppen in stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen und Krankenhäusern eingesetzt werden sollen.

Was ist der Sinn von Impfzentren?
Impfzentren werden vor allem aus drei Gründen eingerichtet:

  • Logistik und Organisation sollen dadurch erleichtert und die Impfungen schneller vorangetrieben werden. Würden sich alle Menschen in ihrer Hausarztpraxis impfen lassen, würde das erheblich länger dauern.
  • Impfstoffe, die stark gekühlt werden müssen, können in Impfzentren besser gelagert werden. Zudem hofft man, dass in großen Mengen gelieferte Impfstoffe aufgebraucht werden, bevor sie verfallen. Dies ist insbesondere in Anbetracht der anfänglichen Impfstoffknappheit von Bedeutung.
  • Impfzentren erleichtern außerdem die Verteilung des Impfstoffs an priorisierte Personen, also die, die die Impfung zuerst erhalten sollen.

Wie läuft die Impfung im Impfzentrum ab?
Vor der Impfung wird mit Impfwilligen ein Termin vereinbart, um Wartezeiten zu vermeiden. Vor Ort haben Experten zu sogenannten "Impfstraßen" geraten. Impfkandidaten werden in diesen über eine Reihe von Stationen geleitet: Anmeldung, Vorgespräch mit einem Arzt (falls gewünscht), eigentlicher Impfvorgang und Ruhezone.

Wer bezahlt die Impfungen?
Für alle Bürger soll die Impfung gratis sein, egal ob und wie jemand versichert ist. Die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund. Dafür stehen im Etat 2021 zunächst 2,7 Milliarden Euro bereit. Die Kosten rund um die Impfungen insgesamt taxiert Spahn auf bis zu 6 Milliarden Euro. Die Länder übernehmen zusammen mit der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung die Kosten für den Betrieb der Impfzentren.

Wie viele Impfdosen bekommt jeder verabreicht?
Bei den am weitesten fortgeschrittenen Impfstoff-Kandidaten ist davon auszugehen, dass zwei Impfdosen im Abstand von wenigen Wochen für den Aufbau eines Immunschutzes nötig sind. So ist es etwa auch bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Werde ich nach der Impfung tatsächlich immun sein?
Eine erste Impfung bringt dem PEI-Präsidenten Klaus Cichutek zufolge eine Grundimmunisierung. Nach drei bis vier Wochen erfolgt eine zweite Impfung. Voraussichtlich zwei bis drei Wochen danach sei voller Schutz aufgebaut. Den bisherigen Analysen und Tests zufolge schützt das Biontech-Serum wohl mit 95-prozentiger Wirkung vor einer Covid-19-Erkrankung.

Was für Impfstoffe werden eingesetzt?
Als erste werden wohl die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zur Anwendung kommen. Sie sind bislang die einzigen Unternehmen, die bei der Ema einen Antrag auf bedingte Marktzulassung für ihre Impfstoffe gestellt haben. Insgesamt hat die EU bislang mit sechs Unternehmen Liefervereinbarungen geschlossen:

  • Biontech/Pfizer
  • Moderna
  • Astrazeneca/Oxford University
  • Sanofi/GSK
  • Janssen
  • Curevac

Wie viele Impfdosen bekommt Deutschland geliefert?
Anfänglich soll es rund 400.000 Dosen des Mittels BNT162b2 von Biontech/Pfizer geben. Im Januar könnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums drei bis vier Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal rechnet Gesundheitsminister Spahn mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher rund 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern.

Neben den Biontech-Dosen hat sich die EU auch 160 Millionen von Moderna gesichert. Bei Astrazeneca (400 Millionen Dosen) und Janssen Pharmaceutica (Dosen für 400 Millionen Menschen) hat die Ema ihre Prüfungen begonnen. Daneben hat die EU-Kommission Verträge mit Sanofi-GSK (300 Millionen Dosen) und Curevac (405 Millionen); mit Novavax (200 Millionen) ist Brüssel in Gesprächen. Die Impfstoffe werden unter den Mitgliedsstaaten nach Bevölkerungsanteil verteilt.

Wie wird der Impfstoff deutschlandweit verteilt?
Der Bund lässt das Präparat je nach Bevölkerungsanteil an insgesamt 27 feste Standorte in den Bundesländern liefern. Ab dann sind die Länder für Lagerung und Verteilung sowie die Beschaffung von Impfzubehör wie Lösungsmittel, Spritzen und Kanülen zuständig.

Was ist mit der Logistik?
Das Mainzer Unternehmen Biontech setzt da auf den US-Partner Pfizer. Dieser kann nach Biontech-Angaben die Impfstoffdosen in seinen weltweiten Vertriebszentren bis zu sechs Monate lagern. Das muss bei minus 70 Grad geschehen. In speziell entwickelten Versandboxen kann das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage transportiert werden. Im Kühlschrank ist eine Lagerung bis zu fünf Tage möglich.

Wo wird der Biontech-Impfstoff produziert?
Biontech will mit seinem US-Partner noch in diesem Jahr weltweit 50 Millionen Dosen liefern. 2021 sollen dann bis zu 1,3 Milliarden hergestellt werden - etwa in Mainz, Idar-Oberstein und Marburg. Aus der Produktionsanlage in Marburg sollen im ersten Halbjahr bis zu 250 Millionen Dosen kommen. Die Herstellung des Impfstoffs dauere eine Woche, heißt es vom Unternehmen. Qualitätskontrolle und Freigabe benötigten dann weitere drei Wochen. Zudem haben Biontech wie auch andere Hersteller schon vor einer Zulassung auf Halde produziert.

Welche Daten werden im Impfzentrum erhoben?
Einige Daten zur geimpften Person sollen zentral an das RKI gemeldet werden. Darunter Geburtsjahr und -monat, Geschlecht und Postleitzahl des Wohnorts. Der Name des Geimpften wird jedoch durch ein Pseudonym ersetzt. Auch das Datum der Impfung und der Name des verwendeten Impfstoffs sollen übermittelt werden.

Wann und wo wird der Rest der Bevölkerung geimpft?
Gesundheitsminister Spahn rechnet mit genug Impfstoff für Massenimpfungen im kommenden Sommer. Impfungen sollen dann auch von Impfzentren an normale Praxen in der Fläche übergehen.

Wirkt der Impfstoff bei der neu aufgetauchten Virusvariante schlechter?
Vermutlich nicht. "Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm", sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien hält die derzeitige Entwicklung nicht für "wahnsinnig alarmierend". Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich. Derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend beeinflussen.

Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?
Laut PEI und RKI gibt es bei den neuen Impfungen nur die etwa auch bei Grippe-Impfungen möglichen kurzfristigen Nebenwirkungen: vorübergehende Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Injektionsstelle, leichtes Fieber, Muskelschmerzen. Langzeiterfahrungen gibt es zwar nicht, aber auf spätere schwerere Nebenwirkungen deutet laut PEI auch nach intensiven Überlegungen und auf Basis von Studien nichts hin.

Aus den USA und aus Großbritannien wurden bisher insgesamt drei Fälle gemeldet, bei denen es nach der Impfung zu allergischen Reaktionen gekommen war. Britische Behörden hatten daraufhin Menschen mit einer "signifikanten" medizinischen Vorgeschichte vor einer Impfung gewarnt: etwa sogenannte seltene anaphylaktische Schocks als Reaktion auf Medikamente, Lebensmittel oder Impfstoffe. Aber auch Menschen, die eine Adrenalin-Fertigspritze - einen Autoinjektor - bei sich tragen müssen, könnten betroffen sein.

Wie werden etwaige Nebenwirkungen überwacht?
Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird auch nach der Zulassung weiter überprüft. Dafür setzt das zuständige PEI auf Meldungen von Herstellern, Ärzten, aber auch von Patienten. Der einfachste Weg führt über die Plattform nebenwirkungen.bund.de. Über eine Melde-App soll es zudem eine Beobachtungsstudie geben. Wer mitmacht, werde "mehrfach kontaktiert und um Angaben zu möglichen Reaktionen gebeten", teilte eine PEI-Sprecherin der dpa mit.

Können Geimpfte andere mit dem Coronavirus anstecken?
Möglich, aber weniger wahrscheinlich. PEI-Präsident Cichutek zufolge kann man sich auch nach einer Impfung noch anstecken - das Risiko sei aber deutlich reduziert. Das gilt auch für die Weitergabe von Viren. Zu einem letzten Urteil ist die Forschung hier noch nicht gekommen. Experten gehen davon aus, dass es noch leichte Corona-Symptome geben könne, aber keine schweren Krankheitsverläufe mehr. Auf jeden Fall wird dazu geraten, auch nach der Impfung weiter Abstand zu halten, Hände zu waschen und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen.

Wie schnell werden die Impfungen voranschreiten?
Die Kapazitäten sollen so ausgelegt werden, dass in den Ländern jeweils mehrere Tausend Impfungen am Tag möglich sind. In Bayern und Hessen etwa sollen landesweit etwa 30.000 Impfungen am Tag durchgeführt werden können, in Berlin 20.000, in Hamburg und Rheinland-Pfalz bis zu 7000 täglich. Ein Rechenbeispiel mit deutschlandweit täglich 150.000 Impfungen: Weil jeder mit dem Biontech-Serum zweimal gepikst werden muss, dauerte es etwa zwei Monate, bis 4,3 Millionen Menschen vollständig gegen Sars-CoV-2 geimpft wären. Das entspräche etwa der Hälfte derjenigen, die laut Impfverordnung zuerst an der Reihe sind.

Wann werden sich Impfungen spürbar auf die Pandemie auswirken?
Mit einer schnellen Entspannung der Lage rechnet die Bundesregierung nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte zuletzt, Januar und Februar würden nochmals richtig harte pandemische Monate werden. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet damit, dass Einschränkungen noch über Monate notwendig sein werden. "Auch wenn die Impfungen jetzt früher beginnen als erwartet, wird der Effekt nur allmählich zu einer Verbesserung der Lage beitragen. Wir werden mindestens noch bis Ostern mit verschiedenen Lockdown-Maßnahmen leben müssen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wann werden wir wieder normal leben können?
Laut Experten ist eine Impfrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie nötig. Bundesgesundheitsminister Spahn geht davon aus, dass bis Ende des nächsten Sommers rund 60 Prozent der Bürger in Deutschland geimpft sein könnten. Professor Fred Zepp von der Stiko sagte der ARD, er gehe davon aus, dass die Durchimpfung der Bevölkerung in Deutschland "mindestens ein Jahr" in Anspruch nehmen werde. Laut Gesundheitsministerium sind für die zwei Präparate von Biontech und Moderna 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Damit ließen sich rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen. Ob man sich auch nach einer überstandenen Corona-Infektion später zusätzlich impfen lassen sollte, wird noch wissenschaftlich erforscht.

Wollen sich auch ausreichend Menschen in Deutschland impfen lassen?
Das ist noch unklar. Laut einem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer wollen sich 47 Prozent der Befragten gegen Covid-19 impfen lassen, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. 40 Prozent wollen jedoch lieber erst einmal abwarten, 11 Prozent möchten sich gar nicht impfen lassen. Einer Umfrage des Projekts "Covid-19 Snapshot Monitoring" (Cosmo) der Universität Erfurt zufolge waren Anfang Dezember nur etwa die Hälfte der Befragten bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die Tendenz sei fallend: Mitte April hatten sich noch 79 Prozent der Befragten (eher) bereit gezeigt, sich quasi unmittelbar impfen zu lassen, sobald die Möglichkeit besteht.

Was ist mit einer Impfpflicht - könnte diese noch eingeführt werden?
Eine formelle Impfpflicht hat die Bundesregierung ausgeschlossen. "Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung", betonte Bundeskanzlerin Merkel. Der Gießener Jura-Professor Steffen Augsberg, Mitglied im Deutschen Ethikrat, wollte ein solches Vorgehen in einem Interview des SWR aber nicht ausschließen: Wenn sich mit anderen Maßnahmen das Infektionsgeschehen zum Beispiel auf Intensivstationen nicht in den Griff bekommen lasse, "dann kann man darüber nachdenken, ob es insoweit eine bereichsbezogene Impfpflicht geben kann". Eine solche Option liege aber in weiter Ferne.

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Und was ist mit einer Impfpflicht durch die Hintertür?
Manche befürchten, dass sie ohne eine Corona-Impfung nicht mehr vollständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, weil etwa Geschäfte oder Restaurants den Zutritt ohne Nachweis einer Immunität verwehren. Mit Blick auf private Besitzer und Veranstalter sagte Andrea Kießling, Expertin für Infektionsschutzrecht an der Ruhr-Uni Bochum, dem SWR: "Wir können die nicht zwingen, dass sie auch mit Ungeimpften Geschäfte machen." Umstritten bleibt zunächst, ob und wie etwa Restaurantbetreiber eine Immunität kontrollieren könnten. Jurist Augsberg hält "die bloße Variante, dass ich vorzeige, dass ich zum Beispiel geimpft bin, ohne dass das in weiterer Form überprüft oder mir zugeordnet wird", für unproblematisch.

Die australische Fluggesellschaft Qantas hatte angekündigt, nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs nur noch geimpfte Passagiere an Bord ihrer internationalen Flüge zu lassen - die Deutsche Lufthansa plant bisher jedoch keine Impfnachweis-Pflicht. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, plädiert dafür, die Corona-Schutzmaßnahmen aufzuheben, wenn alle impfbereiten Menschen eine Impfung erhalten haben. Wer sich nicht impfen lassen möchte, müsse dann mit dem Risiko leben, an Covid-19 zu erkranken oder gar daran zu sterben, so Gassen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/rts