Panorama

Teils jeder zweite Test positiv Corona-Welle wütet in Indiens Dörfern

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In vielen Gegenden kommt man mit dem Einäschern der an Covid-19 Gestorbenen kaum noch hinterher.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Entgegen Berechnungen der Regierung erreichen die Corona-Infektionszahlen in Indien fast täglich neue Höchststände. Auf dem Land trifft das Virus auf eine schlecht informierte Bevölkerung. Viele bleiben lieber mit schweren Symptomen zu Hause, anstatt zum Arzt zu gehen. Eine dritte Welle scheint unausweichlich.

In Indien haben sich Hoffnungen zerschlagen, die zweite Corona-Welle könnte ihren Höhepunkt bereits erreicht haben. Das Land verzeichnete an diesem Donnerstag 412.262 Neuinfektionen - so viele wie nie zuvor an einem Tag. Auch die 3980 gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus sind ein Höchstwert. Modellrechnungen der Regierung hatten dagegen ergeben, dass die Infektionswelle bereits am Mittwoch an ihrem Höhepunkt angekommen sein dürfte. Das stoppe vorübergehend die Spekulationen darüber, dass der Scheitelpunkt erreicht sei, schrieb Rijo M John, Professor am Indian Institute of Management im Bundesstaat Kerala, auf Twitter.

Stattdessen breitet sich das Coronavirus nun von den Städten in ländliche Gebiete aus, wo fast 70 Prozent der mehr als 1,3 Milliarden Einwohner leben. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen ist auf über 21 Millionen gestiegen, das ist der zweithöchste Wert nach den USA. Insgesamt werden 230.168 Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht. Indien verzeichnet derzeit rund 3,45 Millionen aktive Infektionsfälle. Allerdings schätzen Experten, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist - fünf- bis zehnmal so hoch wie die offiziellen Daten. In vielen Krankenhäusern ist die Lage nach wie vor kritisch, unter anderem in der Hauptstadt Neu-Delhi. Es mangelt an Intensivpflegebetten, medizinischem Sauerstoff und Pflegekräften.

Doch auch auf dem Land stehen die Menschen vor enormen Herausforderungen. "Die Situation in den Dörfern ist gefährlich geworden", sagte Suresh Kumar von der Menschenrechtsorganisation Manav Sansadhan Evam Mahila Vikas Sansthan. In einigen Dörfern im Bundesstaat Uttar Pradesh im Norden, wo die Organisation tätig ist und wo rund 200 Millionen Menschen leben, gebe es in fast jedem zweiten Haus Todesfälle. "Die Menschen haben Angst und harren zu Hause mit Fieber und Husten aus. Das sind alles Symptome von Covid-19, aber weil sie keine Informationen haben, denken viele Menschen, es handele sich um eine saisonale Grippe."

"Sollten uns auf neue Welle vorbereiten"

Der dicht besiedelte Bundesstaat Goa, der bei Touristen sehr beliebt ist, weist die höchste Infektionsrate im Land auf. In den vergangenen Wochen sei nahezu jeder zweite Corona-Test positiv ausgefallen, teilte die örtliche Regierung mit. Angesichts der Entwicklung warnte der führende wissenschaftliche Berater der Regierung, K. Vijay Raghavan, bereits vor einer dritten Welle. "Phase 3 ist wegen des hohen Anteils an zirkulierenden Viren unausweichlich", sagte er am Mittwoch. Es sei unklar, wann sie kommen werde. "Wir sollten uns auf neue Wellen vorbereiten."

Die Bundeswehr schickt unterdessen weitere Unterstützung in das Land. Der Airbus mit Teilen einer Anlage zur Produktion von Sauerstoff an Bord ist an diesem Donnerstag nach Indien gestartet. Die Maschine vom Typ A400 flog nach Angaben der Luftwaffe am Vormittag vom niedersächsischen Wunstorf aus nach Neu Delhi, wo sie nach rund neunstündiger Reisezeit mit Zwischenstopp in Abu Dhabi landen soll. Eine erste A400-Maschine mit Teilen der Anlage war am Mittwochabend in Indien gelandet. Die Lieferungen sind Teil eines deutschen Hilfspakets für das massiv unter der Corona-Pandemie leidende Indien. Die Sauerstoffanlage wird von 13 Kräften des Sanitätsdienstes der Bundeswehr bereits erwartet.

Sie waren am Samstag aus Köln/Bonn mit einer Luftwaffenmaschine geflogen, die 120 Beatmungsgeräte sowie Medikamente nach Neu-Delhi brachte. Die Sanitätskräfte sollen die komplexe Sauerstoffanlage aufbauen und Kräfte vor Ort in den Umgang mit ihr einweisen.

Quelle: ntv.de, jhe/rts/AFP

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