Panorama

Zu wenig Hilfe für Jugendliche Corona verschärft psychische Probleme drastisch

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Während der Pandemie war eins von sieben Kindern von landesweiten Lockdowns betroffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein UNICEF-Bericht zeigt, dass viele Jugendliche psychische Probleme haben: Weltweit nimmt sich alle elf Minuten ein junger Mensch das Leben. Die Pandemie habe die Probleme zwar "gravierend" verstärkt, aber nicht verursacht. Bei Hilfsangeboten werde häufig gespart.

Angststörungen, Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten: Jeder siebte junge Mensch im Alter zwischen zehn und 19 Jahren leidet nach Angaben der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF unter einer diagnostizierten psychischen Störung. Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie kommen nun noch Auswirkungen hinzu, die "gravierend" seien und "über viele Jahre" spürbar, warnte UNICEF in einem neuen Bericht. Die Corona-Folgen für die Psyche von Kindern und Jugendlichen seien aber "nur die Spitze des Eisbergs, denn bereits vor der Pandemie litten viel zu viele Kinder an psychischen Belastungen", mahnte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

UNICEF verwies darauf, dass es weltweit eine große Lücke zwischen dem Bedarf an Hilfsangeboten und den verfügbaren Geldern für die Behandlung psychischer Auffälligkeiten und Störungen bei jungen Leuten gebe. Die Regierungen würden weniger als zwei Prozent ihres Gesundheitsbudgets dafür ausgeben, heißt es in dem neuen "Bericht zur Situation der Kinder in der Welt", der erstmals den Schwerpunkt auf mentale Gesundheit legt.

Nach Angaben von UNICEF nehmen sich weltweit jedes Jahr rund 46.000 junge Menschen im Alter zwischen 10 und 19 Jahren das Leben - ein junger Mensch alle elf Minuten. In der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ist demnach Suizid die vierthäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen, Tuberkulose und Gewalttaten - wie viele der Selbsttötungen von psychischen Erkrankungen herrühren, geht aus den UN-Angaben nicht hervor.

"Müssen Thema aus der Tabuecke holen"

"Die Förderung der psychischen Gesundheit junger Menschen ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Beitrag für ihr Wohlbefinden, ihre Entwicklung und ihre Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft", erklärte Christian Schneider, der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. "Wir müssen das Thema aus der Tabuecke holen und Kindern und jungen Menschen die Unterstützung geben, die sie brauchen."

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen
  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33

  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der Deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Während der Corona-Pandemie war laut UNICEF mindestens eines von sieben Kindern von landesweiten Lockdowns betroffen. 1,6 Milliarden Kinder haben Schulunterricht verpasst und Lernstoff versäumt. Durch die Corona-Einschränkungen in Schule und Familie würden viele unter Angstgefühlen leiden, seien wütend oder machten sich Sorgen.

Den Ergebnissen einer internationalen Umfrage von UNICEF und Gallup im Sommer 2021 zufolge gab unter Heranwachsenden und Erwachsenen in 21 Ländern jeder fünfte befragte junge Mensch (19 Prozent) zwischen 15 und 24 Jahren an, sich häufig deprimiert zu fühlen oder wenig Interesse an Dingen zu haben oder daran, etwas zu unternehmen. In Deutschland sagte dies einer von vier der befragten jungen Menschen (24 Prozent).

UNICEF forderte die Regierungen, die Privatwirtschaft und die Öffentlichkeit auf, die mentale Gesundheit von Kindern und jungen Menschen besser zu schützen. Nötig seien dringend mehr Investitionen, nicht nur im Gesundheitswesen. "Das Schweigen über psychische Erkrankungen muss gebrochen" werden, forderte UNICEF. Exekutivdirektorin Fore betonte: "Eine gute psychische Gesundheit ist entscheidend dafür, dass Kinder ihre Potenziale verwirklichen können."

Quelle: ntv.de, ses/AFP/dpa

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