Panorama

Rückkehr nach Deutschland Coronavirus-Patienten reisten symptomfrei ein

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Die Bundeswehr hat mehr als 120 Menschen aus Wuhan ausgeflogen. An Bord trugen die Menschen Schutzkleidung.

(Foto: dpa)

Die Bundeswehr holt 124 Menschen aus dem chinesischen Wuhan zurück nach Deutschland. Bei zwei von ihnen stellen Ärzte das Coronavirus fest. Gesundheitsminister Spahn sagt nun, wie es ihnen geht. Derweil finden chinesische Ärzte Hinweise auf einen weiteren Übertragungsweg der Viren.

Die beiden mit einem Bundeswehrflugzeug aus China zurückgekehrten Passagiere, die mit dem Coronavirus infiziert sind, waren nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Ankunft in Deutschland symptomfrei. "Sowohl beim Abflug in China als auch bei der Ankunft in Frankfurt waren diese beiden Patienten symptomfrei", betonte der CDU-Politiker. Es gehe ihnen zur Stunde gut, sie würden in der Uniklinik in Frankfurt untersucht. Dies zeige auch, dass es richtig gewesen sei, dass man sich für eine zentrale Unterbringung der Rückkehrer entschieden habe. Die beiden Patienten sind auf der Isolierstation des Uniklinikums. Währenddessen berichteten Forscher aus China, dass sich das Virus auch über das Verdauungssystem verbreiten könnte.

Spahn sagte, sollte sich in der Inkubationszeit von 14 Tagen herausstellen, dass sich weitere Rückkehrer infiziert hätten, würden diese auch sofort in eine Klinik gebracht. Die Gesundheitsbehörden erwarten jedoch keine weiteren Infektionsfälle unter den Rückkehrern. Die 124 von der Luftwaffe nach Frankfurt ausgeflogenen Menschen hätten sich bis auf eine Ausnahme alle auf freiwilliger Basis auf den Virus testen lassen, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk. Eine Rückkehrerin habe sich noch nicht testen lassen, dies werde aber "nachgeholt". Bei zwei Rückkehrern wurde eine Infektion mit dem Virus festgestellt. Beide sind deutsche Staatsbürger.

Am Samstagabend waren die Passagiere nach ihrer Rückkehr aus Wuhan zunächst in die Südpfalz-Kaserne nach Germersheim gebracht worden, wo die Rückkehrer 14 Tage lang unter Quarantäne stehen sollen. Dass die infizierten Rückkehrer den Virus weitergegeben hätten, "kann ich ausschließen", sagte Gottschalk. "Ich habe vor der Grippe deutlich mehr Angst als vor diesen Viren", sagte er. Der Verlauf der Coronainfektionen sei in Europa "sehr milde".

Weiter kündigte Spahn eine grenzübergreifende Zusammenarbeit an, um die Ausbreitung der Epidemie zu stoppen. Demnach wollen die G7-Staaten über ein einheitliches Vorgehen beraten. Spahn sagte, er habe deshalb bereits mit dem US-Gesundheitsminister telefoniert. Sie hätten vereinbart, dass es eine Telefonkonferenz der G7-Gesundheitsminister geben solle. "Es bringt ja nichts, wenn ein Land alleine Maßnahmen ergreift, schon gar nicht in Europa." Zu den G7 gehören neben Deutschland und den USA noch Frankreich, Italien, Japan, Kanada und Großbritannien. Spahn sagte außerdem, man sei im Austausch mit den europäischen Partnern.

Virus könnte über Verdauungssystem verbreitet werden

Nach neuesten Erkenntnissen chinesischer Forscher könnte sich das Coronavirus nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über das Verdauungssystem verbreiten. Die Mediziner haben das Virus 2019-nCoV auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen hatten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. An der Forschung waren die Universität Wuhan und das Virus-Institut der chinesischen Akademie der Wissenschaften in der schwer betroffenen Provinzhauptstadt von Hubei beteiligt.

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Einen Erfolg melden auch italienische Forscher. Sie haben laut Medienberichten das Coronavirus isoliert. "Das ist international eine wichtige Nachricht. Sie bedeutet, dass es mehr Möglichkeiten gibt, es zu verstehen und zu studieren, um es eindämmen zu können", sagte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza. Die Ergebnisse der Wissenschaftler vom nationalen Institut für Infektionskrankheiten Lazzaro Spallanzani in Rom würden der internationalen Gemeinschaft für weitere Forschungen zur Verfügung gestellt.

In Italien gibt es bisher zwei bestätigte Fälle von Coronavirus: zwei chinesische Touristen sind damit infiziert. Die Forscher sagten nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa, sie hätten das Virus weniger als 48 Stunden nach der Diagnose für die beiden Patienten isolieren können. Australische Forscher hatten bereits vor einigen Tagen im Labor das Coronavirus nachgezüchtet.

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In Thailand soll eine Coronavirus-Behandlung mit einem Medikamentencocktails aus Grippe- und HIV-Medikamenten weiter untersucht werden. Das Gesundheitsministerium in Bangkok teilte mit, der Zustand einer mit dem Virus infizierten Frau aus China habe sich nach der Gabe enorm verbessert. Binnen 48 Stunden nach dem Beginn der Behandlung sei das Virus bei der Patientin nicht mehr nachweisbar gewesen, sagte der Mediziner Kriengsak Attipornwanich. Die Ärzte gaben der Frau eine Kombination aus dem Grippe-Medikament Oseltamivir und den zur Behandlung von HIV eingesetzten antiviralen Wirkstoffen Lopinavir und Ritonavir. Nun solle der Medikamentencocktail im Labor weiter getestet werden, erklärte das Ministerium.

In Thailand wurden bislang 19 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen, dies ist nach Japan die zweithöchste Zahl von Fällen außerhalb Chinas. Acht der Patienten sind inzwischen geheilt, elf werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP