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Streit mit empörtem Kunden DHL-Mitarbeiter rastet bei Twitter aus

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Nicht nur die Kuriere von DHL haben alle Hände voll zu tun.

(Foto: picture alliance / Malte Christi)

Wer für ein Unternehmen in Kontakt mit den Kunden tritt, zeigt oft eine Engelsgeduld. Nicht so ein DHL-Mitarbeiter auf Twitter. Er keilt verbal gegen einen Fragesteller aus und erlangt bundesweite Aufmerksamkeit.

Ist das noch normale Netz-Gereiztheit oder schon vorweihnachtlicher Superstress? Auf Twitter haben sich ein DHL-Mitarbeiter und ein Kunde derartig gezofft, dass "Bild"-Zeitung und Satiriker Jan Böhmermann darauf aufmerksam geworden sind. Die Hauptrolle spielt dabei der DHL-Mann, der mit deftiger Sprache gegen den Kunden austeilt.

*Datenschutz

"Die einzige Scheiße hier, ist ihr Rumgeheule", wirft er da seinem Gesprächspartner an den Kopf. Offenbar geht es um eine verpasste Lieferung. Vom DHL-Account heißt es: "'Voraussichtlich' (wie es nachweislich von uns angegeben und im Standardversand üblich ist) als 'feste Daten' wahrzunehmen, grenzt schon sehr an Realitätsverlust. Und jetzt zurück zu Mami an die Brust!"

Das Echo auf den ungewöhnlich harschen Tonfall war wie üblich geteilt - die einen feiern das Unternehmen dafür, dass es so ungefilterte Worte wählt, andere kritisieren scharf den Duktus der Rückmeldung. Zu letzteren gehören auch die Vorgesetzten des Unternehmens. Via "Bild"-Zeitung und auch direkt beim Nutzer entschuldigte sich DHL bereits. "Da ist richtig was schief gelaufen und darf so einfach nicht passieren." Es seien Konsequenzen gezogen worden, hieß es in einem Tweet. Bei Bild.de wird ein Sprecher zitiert, demzufolge der betreffende Mitarbeiter nicht mehr direkten Kontakt mit Kunden haben soll.

Jeder Online-Besteller versteht das Problem

"Urheber" der ganzen Aufregung ist der Nutzer @ShortByteYT, der DHL offenbar mit wütenden Worten zur Rede gestellt hatte, weil eine Lieferung nicht eingetroffen war. Den entsprechenden Tweet hat er mittlerweile gelöscht. Er hat allerdings auf die große Aufmerksamkeit reagiert und für den Abend eine Erklärung angekündigt. Er wolle das Unternehmen dabei nicht "haten" schrieb er, also mit Hassbotschaften überziehen. Auch Satiriker Jan Böhmermann kündigte an, sich des Themas in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" anzunehmen. Ob er sich auf eine Seite stellt, ließ er noch nicht durchblicken.

Dass das Thema eine derartige Aufmerksamkeit erfährt, dürfte damit zu tun haben, dass in Zeiten wachsenden Online-Handels immer mehr Menschen das Problem des Nutzers nachvollziehen können. Immer wieder kommt es vor, dass Pakete bei Nachbarn abgegeben werden, obwohl man zuhause auf die Lieferung wartet. Zustelldienste wie DHL, DPD und andere klagen derweil darüber, dass sie kaum genug Leute finden, um die immense Nachfrage zu bedienen. Laut einer Studie des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik sei die Zahl der ausgelieferten Pakete in den vergangenen fünf Jahren von 2,66 Milliarden auf 3,53 Milliarden angewachsen. Die "Bild"-Zeitung errechnete, dass die Boten mitunter 20 Pakete pro Stunde ausliefern müssen. Das sei oft nicht zu schaffen.

Gleichzeitig dürften manche auch mit dem DHL-Mitarbeiter mitfühlen, der sich den aggressiv wirkenden Tweet des Kunden nicht bieten lassen wollte. Im Netz wird seit langem eine Verrohung der Sprache beobachtet. In Kommentarspalten auf Facebook und anderen Sozialen Netzwerken lassen manche Nutzer alle Regeln der Höflichkeit fallen und lassen kaum eine Beleidigung aus. Dass ein Mitarbeiter eines Unternehmens aber derart aus der Haut fährt, kommt dennoch kaum vor.

Quelle: n-tv.de, vpe

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