Panorama

Corona-Gefahr bei Urlaubsreisen "Das größte Risiko herrscht an Drehkreuzen"

imago0095089531h.jpg

Vor allem an Flughäfen gibt es ein Risiko, sich zu infizieren, warnt Epidemiologe André Karch.

(Foto: imago images/Aviation-Stock)

Bis Ende August gilt wegen der Corona-Pandemie noch eine weltweite Reisewarnung - doch in 15 Nicht-EU-Länder könnten Deutsche wohl bald wieder in den Urlaub fliegen. Aber wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Flugzeug? Epidemiologe André Karch sagt, worauf geachtet werden sollte.

Die Corona-Pandemie hat in Europa offenbar ihren vorläufigen Höhepunkt überschritten. Und pünktlich zur Urlaubssaison können Deutsche wieder in viele europäische Länder reisen - Mitte Juni hatte die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung für EU-Länder, Schengenstaaten und Großbritannien aufgehoben. Weitere 14 bis 15 Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU) könnten bald folgen. Denn die EU will die Einreisebeschränkungen für eine Reihe von Ländern, die wenig von der Corona-Pandemie betroffen sind, aufheben. Umgekehrt sollen auch Reisende aus der EU, und damit auch aus Deutschland, wieder in die genannten Länder reisen können.

Bereits ab 1. Juli könnten dann Menschen aus Algerien, Australien, Georgien, Japan, Kanada, Marokko, Montenegro, Neuseeland, Ruanda, Serbien, Südkorea, Thailand, Tunesien und Uruguay wieder normal in die EU einreisen. Nicht mit dabei sind jedoch stark von der Corona-Pandemie betroffene Länder - neben den USA auch Indien, Brasilien, Russland und Südafrika. China soll nur dann berücksichtigt werden, wenn das Land im Gegenzug auch Einreisebeschränkungen für Europäer aufhebt.

Doch wie hoch ist die Gefahr der Ansteckung bei Flugreisen zu Urlaubszielen wie Griechenland, Marokko oder Thailand? Schließlich befindet man sich längere Zeit mit anderen Menschen in einem geschlossenen Raum. André Karch, Leiter der klinischen Epidemiologie der Uni Münster, stellt im Gespräch mit ntv klar, dass die reine Zeit, während der man sich im Flugzeug aufhält, nicht die ausschlaggebende Rolle spiele. "Das größte Risiko ist, dass ich mich auf einem der Drehkreuze infiziere, einem der Flughäfen zum Beispiel", so Karch. Reisende sollten daher darauf achten, "wie diese Flughäfen, an denen ich dann ankomme, oder von denen ich losfliege, oder an denen ich vielleicht sogar umsteigen muss, ausgestattet sind, und was in diesen Ländern an Maßnahmen getroffen wird".

Umgang der Staaten mit Pandemie spielt eine Rolle

Mehr zum Thema

Zudem rät Epidemiologe Karch, sich vor einer Reise darüber zu informieren, wie hoch die Infektionslast in dem jeweiligen Land ist. Allerdings ist das für die 14 bis 15 Nicht-EU-Länder, bei denen die Einreisebeschränkungen gelockert werden sollen, bereits der entscheidende Faktor: die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen im Zeitraum der vergangenen 14 Tage. Zudem sollen unter anderem der Trend im gleichen Zeitraum sowie der Umgang des jeweiligen Staates mit der Pandemie eine Rolle spielen.

Die Fluggesellschaften in Deutschland erwarten bereits eine steigende Zahl von Flugreisen ins Ausland. Im Juli werde die Kapazität ab deutschen Flughäfen bei 27 Prozent des Vorjahresmonats liegen nach 14 Prozent im Juni, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft mit. Dabei würden 60 Prozent des Streckennetzes wieder bedient, allerdings mit reduzierter Frequenz. Schwerpunkt sind jedoch vorerst die Urlaubsregionen in Europa - das Langstreckenangebot ist wegen der bis Ende August geltenden Reisewarnung für Nicht-EU-Staaten in der Corona-Pandemie noch geringer.

Quelle: ntv.de, kst