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Nach Flut-Drama in New York Das schützt Städte vor Hochwasser

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New York nach Sturmtief "Ida": Wassermassen überwältigen den Nordosten der USA.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Starke Regenfälle können Berlin oder Frankfurt am Main ebenso stark treffen wie zuletzt New York. Auch in Deutschland sind Großstädte nicht ausreichend gegen extreme Niederschläge geschützt. Konzepte für mehr Sicherheit gibt es schon. Die Umsetzung wäre jedoch eine Generationenaufgabe.

New York versinkt im Hochwasser. Sturmtief "Ida" brachte die heftigsten Regenfälle, die der Nordosten der USA jemals gesehen hat. Im Großraum New York starben mehr als 40 Menschen. Bilder von der Katastrophe zeigen überflutete Straßen, schwimmende Autos und vollgelaufene U-Bahnen. Innerhalb von kürzester Zeit verwandelten die Wassermassen New Yorks Souterrain-Apartments, Keller und U-Bahn-Schächte in lebensgefährliche Fallen.

"Großstädte sind derzeit nicht für solche extremen Niederschläge ausgelegt", erklärt Professor Christian Kuhlicke ntv.de. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe "Umweltrisiken und Extremereignisse" am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Die Ursache für das Hochwasser in Städten sei oft die überlastete Kanalisation. Wie auch im aktuellen Fall von New York handle es sich dabei also nicht um ein Flusshochwasser. Stattdessen schaffe es die Kanalisation nicht, das Wasser aus der Stadt zu schaffen.

Das Szenario einer überlasteten Kanalisation könnte deutsche Städte ebenso treffen wie New York. Natürlich komme es immer auf die spezielle Topografie der jeweiligen Stadt an, betont Kuhlicke, aber die Gefahren für Menschen blieben gleich. Wie man in den vergangenen Tagen gesehen hat, seien vor allem aufschwemmende Kanaldeckel, U-Bahnen, Keller, Tiefgaragen und Unterführungen von Brücken gefährlich.

Wie können Städte ihre Bürger am besten vor solchen Katastrophen schützen? Kuhlicke hat darauf eine eindeutige Antwort: "Früh warnen." Das sei das Wichtigste. So könne man erreichen, dass sich Menschen nicht in Kellern oder Tiefgaragen aufhalten.

So funktioniert das Konzept der "Schwammstadt"

Neben einem Warnsystem empfiehlt Kuhlicke auch das Konzept der "Schwammstadt". Dabei geht es darum, die sogenannte Schwammfähigkeit einer Stadt zu erhöhen. Oder einfacher erklärt: Das Ziel ist, mehr Wasser auf Flächen zurückzuhalten, sodass es gar nicht erst in die Kanalisation und in die Straßen reinfließt. Niederschlagswasser soll also dort zwischengespeichert werden, wo es fällt. Ein Großteil kann über "grüne Elemente" wie Mulden, Gründächer und -fassaden verdunstet und vor Ort versickert werden, was wiederum den Abfluss stark reduziert. So sind die Baum-Rigolen beispielsweise eine Kombination aus Bäumen und Versickerung. In ihren "Fünf Prinzipien für klimasichere Kommunen und Städte" beschreibt das UFZ die Idee so: "Gerade für extreme Niederschläge sind zusätzliche Speicherräume und grüne Infrastrukturen so zu konzipieren, dass diese auch als Notwasserwege im Fall der Fälle vorbereitet sind."

Das Problem dabei ist: Langfristige Ansätze wie das der Schwammstadt gibt es zwar, doch die Umsetzung ist alles andere als leicht. "Das ist eine Generationenaufgabe", so Kuhlicke. Es werde noch lange dauern, bis man diese Schwammfähigkeit erreicht habe. Und es bleibe die Frage, ob das für solche Groß-Ereignisse wie in New York überhaupt jemals ausreichend wäre.

Eine weitere Herausforderung: Städte sollten bei der Umsetzung mehr Grünflächen nutzen und mehr Speicher schaffen. Viele dieser speicherfähigen Flächen seien jedoch in privater Hand, sagt Kuhlicke. Oder es handle sich um öffentliche Parks. Man könne private Besitzer aber nicht einfach dazu verdonnern, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen. "In solchen dicht besiedelten Städten wie New York oder Berlin, da stößt man einfach an Grenzen. Hier gilt es, mit den Gefahren leben zu lernen."

Quelle: ntv.de

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