Panorama

Schnelles Geld mit Koks-Taxis Dealer für Kokainlieferservice angeklagt

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Sogenannte Koks-Taxis bringen ihren Kunden die Drogen bis vor die Haustür.

(Foto: picture alliance/dpa)

15 bis 30 Minuten müssen Kunden im Schnitt auf die Bestellung warten. Am Wochenende auch mal länger. Genau wie bei Essens-Lieferdiensten. Nur, dass man statt Pizza eben Kokain bestellt. Einer der Lieferanten steht nun in Berlin vor Gericht.

Vor dem Landgericht Berlin hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der einen "Kokainlieferdienst" betrieben haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-jährigen Ibrahim O. vor, zwischen März und Mai täglich Kunden in seinem Auto mit der Droge beliefert zu haben. Mitangeklagt ist der 37-jährige Sebastian B., der für O. als Fahrer gearbeitet haben soll.

O. wird vorgeworfen, größere Mengen Kokain zunächst in kleinere Mengen aufgeteilt und später an seine Kunden weiterverkauft zu haben. Dafür belieferte er sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nach vorheriger telefonischer Absprache selbst mit seinem Auto oder beauftragte Dritte mit der Lieferung. Stammkunden verkaufte er eine Menge von 0,5 Gramm für einen Preis zwischen 30 und 35 Euro. Bei Neukunden verlangte er bis zu 50 Euro. Bei seiner Festnahme wurde zudem ein Messer im Auto gefunden.

Der aus dem Libanon stammende Familienvater O. äußerte sich über seinen Anwalt und gab zum Auftakt des Prozesses den Handel als Kokainlieferdienst zu, wie sein Verteidiger Philipp Albers vor Gericht aussagte. Er habe das Telefon, über das Kunden das Kokain bestellten, aus Geldnot von einem Mann übernommen. Die von der Staatsanwaltschaft angenommene verkaufte Menge sei allerdings zu hoch. Die Anklage geht von 1580 verkauften Konsumeinheiten bis zu seiner Verhaftung im Mai 2019 aus. O. habe zudem nicht immer Kokain, sondern auch Potenztabletten verkauft, die in Deutschland nicht zulässig seien. Von dem Messer, das in seinem Wagen gefunden wurde, habe er nicht gewusst.

Komplize war selbst Kunde

Sein Komplize B. soll als Fahrer zusammen mit O. nach Bremen gefahren sein, um neues Kokain zu kaufen. Über seinen Anwalt lässt der aus Polen stammende B. bei der Verhandlung aussagen, nichts von einem Drogenlieferdienst gewusst zu haben. Er sei selbst Kunde von O. gewesen und habe ihn nach einem Job als Pizzalieferant gefragt. Als ihm O. aber den wahren Grund für die Fahrt nach Bremen verriet, habe B. aus Geldnot trotzdem zugesagt, weil er für die Fahrt 500 Euro bekam.

Beide Angeklagte ließen über ihre Anwälte aussagen, dass sie die Taten zutiefst bereuen. Seit ihrer Festnahme am 21. Mai 2019 sitzen sie in Untersuchungshaft. Es ist für beide Angeklagte die erste Haft. Die Verhandlungen sind bis zum 8. Januar 2020 angesetzt.

Die Berliner Polizei hat die sogenannten Koks-Taxis seit einiger Zeit verstärkt im Blick. Seit Mai wird eine Extra-Statistik zu "Btm-Lieferservice" bei illegalem Handel mit Kokain geführt. "Btm" steht für Betäubungsmittel. Allein bis zum 1. Oktober seien 35 Ermittlungsverfahren zum Kokain-Lieferservice eingeleitet worden, teilte die Polizei mit.

Quelle: n-tv.de, vmi