Konvoi wieder Richtung NordseeDer Wal kann das Rettungsschiff jetzt verlassen
Der wochenlang gestrandete Buckelwal könnte jetzt schon in die Freiheit - das Netz auf dem Frachtschiff, auf dem das Tier transportiert wird, ist entfernt. Doch der Wal bewegt sich nur minimal.
Der Schiffskonvoi mit dem mehrfach an deutschen Küsten gestrandeten Buckelwal nähert sich wieder dem Übergang zur Nordsee. Der Schlepper, die Barge mit dem Wal und das Begleitschiff fuhren am Nachmittag stetig Richtung Norden, wie beim Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war. Die Freisetzung des Wals erfolgt deshalb womöglich doch, wie ursprünglich geplant, in der Nordsee.
Am nördlichsten Punkt Dänemarks, nahe der Stadt Skagen, fließen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird. Diesen Punkt hatte der Konvoi am Morgen fast erreicht, musste wegen des hohen Wellengangs zunächst aber abdrehen und war wieder Richtung Süden gefahren. Bei dem hohen Wellengang sei das Verletzungsrisiko für den Wal in der Barge groß, hieß es aus dem Team der Initiative. Das Netz, das dem Wal bis jetzt den Ausgang versperrt hat, ist entfernt und der Weg für den Meeressäuger frei. Freigesetzt wurde der Wal jedoch bislang nicht. Mitglieder der verantwortlichen privaten Initiative hatten am Mittag bekräftigt, dass jeder Kilometer Richtung Nordsee zähle.
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Zuvor hatte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Rettungsinitiative, angekündigt, dass der Wal in den späten Nachmittagsstunden möglicherweise in der Ostsee freigelassen werde, weil der Transport nicht auf seiner geplanten Route in die Nordsee weitergekommen war. Schwark erklärte dem "Focus", dass inzwischen der Peilsender an dem Tier angebracht worden sei.
Am Dienstag war der wochenlang an der Ostseeküste im Flachwasser liegende Wal in den Lastkahn bugsiert worden. In dem mit Wasser gefüllten Stahlbecken, der vom Schlepper "Fortuna B" gezogen wird, war das zwölf Meter lange, geschwächte Tier in Richtung Nordsee geschippert worden.
Dänemark würde keine Walrettung versuchen
Sollte das Tier nach dem Freisetzen abermals stranden, würden ihm zumindest die dänischen Behörden nicht helfen. Das dänische Umweltministerium teilte mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien "ein natürlich vorkommendes Phänomen" und Wale sollten generell "nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört" werden.
Der rund zwölf Meter lange Buckelwal hatte vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar gelegen. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen versuchte die private Initiative seit Mitte April, den Wal zu bergen, um ihn lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen.
