Panorama

Im Epizentrum der Pandemie Deutsche bleiben New York trotz Corona treu

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Der Times Square ist nun fast menschenleer.

(Foto: dpa)

Rebecca, Stephanie und Timo sind drei Deutsche, die seit Jahren in New York leben. In der Corona-Pandemie ist ihre Wahlheimat zum Epizentrum geworden. Sie wollen trotzdem an keinem anderen Ort der Welt sein.

Rebecca Marwege hat ihren ganz eigenen Weg gefunden, mit dieser Krise umzugehen. Die 25-Jährige tanzt Hip-Hop, macht Breakdance und verarbeitet auf diese Weise ihre Erlebnisse in dieser Krise. "Das Tanzen ist vor allem eine Ablenkung, weil man sich eben auf die Musik konzentrieren kann", sagt Marwege. "Und es gibt mir ein Gefühl der Sicherheit, weil man etwas weiterführen kann, was man schon vor Corona gemacht hat."

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Rebecca Marwege nutzt den ungewohnten Platz in der Stadt.

(Foto: Oliver Beckmeier)

New York hat sich verändert. Die Münchnerin lebt seit zwei Jahren in der Stadt, und arbeitet an der Columbia Universität an ihrem Doktor in Politikwissenschaften. Sie ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei erlebt sie die sonst so lebendige Metropole nun nahezu stillgelegt. "Das ist ein komisches Gefühl. Vor allem, weil man nicht weiß, wie lange das noch so bleibt", sagt die 25-Jährige. "Ich bekomme dann manchmal so einen Druck auf der Brust und finde alles deprimierend."

Soziales Engagement

"Ich bin gesund, ich bin jung, und deswegen kann ich etwas zurückgeben", dachte sich die Münchnerin. Sie recherchierte und fand eine Hilfsorganisation, die Freiwillige mit Menschen verknüpft, die zu sogenannten Risikogruppen gehören - also etwa ältere oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem. "Man liest in den Nachrichten", erklärt Marwege, "dass die Supermärkte die Orte sind, wo sich die Leute am häufigsten anstecken."

Also wird Einkaufen ihre Hilfe. Die Einkäufe bringt sie bis zur Haustür. Dann wird der Besteller angerufen und kann die Lebensmittel in die Wohnung holen. Es gibt also keinen direkten Kontakt, durch den das Virus übertragen werden könnte.

"Ich hatte Todesangst!"

Stephanie Heintzeler ist mittlerweile wieder gesund. Sie hatte Corona. Vier lange Wochen hat die Deutsche gegen das Virus gekämpft - auch seelisch war das eine enorme Belastung. "Ich hatte Todesangst", erinnert sich die 44-Jährige. "Dieses Gefühl, es könnte jetzt vorbei sein." Doch sie wurde wieder gesund. Mittlerweile geht es ihr wieder richtig gut.

Heintzeler lebt seit rund 17 Jahren in New York. Die überstandene Krankheit hat sie verändert. Jede Kleinigkeit, für die sie dankbar ist, schreibt sie nun in ein Buch. So kommen täglich bis zu drei neue Seiten zusammen. Und wenn die New Yorker abends für das medizinische Personal applaudieren, ist die Deutsche mit dabei - aus Liebe zu ihrer Stadt. "Diese Dinge helfen sehr, sagt sie, die positive Stimmung der Stadt zu erhalten und ein Gefühl dafür zu bekommen, dass wir das gemeinsam schaffen."

"Ich wollte nur noch raus aus dem Flieger"

Eigentlich wollte Timo Vollbrecht den März auf Europa-Tournee verbringen. Der Saxofonist saß schon im Flugzeug, als sein Handy klingelte. Ein Freund war dran und sagte ihm, dass die USA gerade einen Einreisestopp für Europäer verhängt haben. "Ich wollte nur noch raus aus dem Flieger, aber sie haben mich nicht mehr gelassen."

Der 35-Jährige, der seit rund zehn Jahren in New York lebt, flog nach Frankfurt - und direkt am nächsten Tag, noch bevor der Einreisestopp in Kraft trat, wieder zurück. Seine Konzerte sind abgesagt - der Verdienstausfall ist enorm. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten - da ist sich der Deutsche sicher. "Da habe ich ein Grundvertrauen in New York. Da ist viel Energie in dieser Stadt. Und ich glaube, dass man da auf dieser Welle auch so ein bisschen mitschwimmen kann."

Quelle: ntv.de

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