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Kühl, mild und dann eisig Deutschland fröstelt im "Sandwich-Winter"

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So idyllisch hat sich der Winter bisher nur selten gezeigt.

(Foto: dpa)

Mit eisigen Temperaturen herrscht der Winter derzeit über Deutschland, obwohl er offiziell schon fast vorbei ist. Denn zumindest für die Meteorologen beginnt am 1. März der Frühling. Im Interview zieht n-tv Meteorologe Björn Alexander eine erste Bilanz der kalten Monate.

n-tv.de: Welche Besonderheiten zeichnen den Winter 2017/2018 aus?

Björn Alexander: Vom Verlauf her erinnert der Winter ein bisschen an ein Sandwich. Erst hat er im Dezember eigentlich ganz gut losgelegt, sogar im Flachland mehrfach mit einer geschlossenen Schneedecke. Allerdings folgte rasch Tauwetter mit einem deutlich zu warmen Januar mit teils sehr stürmischen Zeiten und anschließend ein kalter Februar mit einem eisigen Ende. Und während der Schnee im Flachland somit ein eher seltener Gast war, bekamen die Berge einen enorm schneereichen Winter. Denn anders als in den letzten Jahren legte der Winter dort von Beginn richtig los und hielt auch durch. Viel Schnee bedeutet aber natürlich auch gleichzeitig, dass es relativ viele Phasen mit einer angespannten Lawinenlage gab.

Dann schauen wir doch mal ins Detail. Wie war der Dezember 2017?

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Björn Alexander

Im Dezember zogen immer wieder Tiefdruckgebiete durch. Die haben mal etwas mildere, mal etwas kühlere Luft angezapft. Somit fiel im Bergland schon mal einiges an Schnee und auch in den tieferen Lagen gab es die eine oder andere weiße Überraschung - vornehmlich in Richtung der Wochenenden. Außerdem nährte das die Hoffnung auf eine "Weiße Weihnacht", die aber durch mildere Temperaturen zum Fest kaum jemand hatte. Einzig in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen hielt sich der Schnee bis Weihnachten.

Wie sah es denn unterm Strich mit den Temperaturen und der Sonnenausbeute aus?

Im Vergleich mit dem langjährigen Mittelwert war der Dezember 2017 gut 1,5 Grad zu warm und außerdem etwas zu niederschlagsreich mit knapp 120 Prozent der normalen Niederschlagssumme. Besonders auffällig war aber der akute Sonnenmangel in einigen Landesteilen - vor allem im Westen. Von der Nordeifel über das Rheinland und das Bergische Land bis rauf an den Niederrhein/Münsterland sind kaum zehn Sonnenstunden zusammengekommen.

Das ist wirklich nicht viel.

Und es wäre vielleicht gar nicht so schlimm gewesen, wenn der Januar nicht in eine ähnliche Kerbe geschlagen hätte: Auch das neue Jahr hat verbreitet viel zu wolkig begonnen. Im deutschlandweiten Mittel sind nur gut 75 Prozent der normalen Sonnenausbeute zusammengekommen. Das sind etwa 35 Sonnenstunden an 31 Tagen oder pro Tag nur etwas mehr als eine Stunde Licht.

Stürmisch war es außerdem, oder?

Auf jeden Fall. Der Atlantik hat uns von Westen her einige Tiefdruckgebiete geschickt, die reichlich Wind, Regen und relativ milde Temperaturen im Gepäck hatten.

Wie viel zu warm war es denn?

Der Januar war mehr als 4 Grad zu warm, durchschnittlich fielen etwa 100 Liter Regen pro Quadratmeter, der in den Alpen natürlich in Schnee überging. Binnen weniger Tage sind im Hochgebirge schon mal meterweise Neuschnee dazu gekommen und die Lawinengefahr war teilweise sehr groß. Mit Abstand den größten Wärmeüberschuss lieferten derweil die ersten 10 bis 15 Januartage. Damit hatte uns - meteorologisch und vor allem hydrologisch gesehen - auch die Hochwasserlage im Griff. Denn zum Regen gesellte sich auch noch Tauwetter bis in die Lagen von um die 1000 bis 1500 Meter. Eine überaus facettenreiche und spannende Wettersituation, die zudem leider auch noch sehr gefährlich wurde.

Wieso?

Weil die eingangs bereits erwähnten Sturmereignisse hinzukamen mit Orkan "Friederike" als Höhepunkt. Am 18. Januar, dem Jahrestag von Orkan "Kyrill", der elf Jahre früher in Deutschland gewütet hatte, hinterließ "Friederike" eine Schneise der Verwüstung. Das Hauptsturmfeld war zwar deutlich kleiner als bei "Kyrill" 2007, aber nicht minder heftig. Von NRW und dem Emsland entlang der Nordränder der Mittelgebirge bis herüber nach Sachsen und Brandenburg gab es die heftigsten Windspitzen - im Flachland stellenweise mit Orkanböen von mehr als 130 Kilometer pro Stunde.

Wo hat es im Flachland am schlimmsten gestürmt?

Zum Beispiel in Kabelsketal in Sachsen-Anhalt, im nordrhein-westfälischen Beverungen-Drenk, in Altenburg in Thüringen oder im sächsischen Torgau - dort waren die Orkanböen jeweils mehr als 140 Kilometer pro Stunde stark. Noch heftiger blies der Sturm natürlich auf den Bergen. Als Indikator für die Wucht des Sturms lässt sich beispielsweise der Brocken zu Rate ziehen. Bei "Kyrill" lag die höchste Windgeschwindigkeit bei 198 Kilometer pro Stunde, bei "Friederike" waren es sogar 204 Kilometer pro Stunde.

Und dann kamen die winterlichen Temperaturen wieder zurück?

Nicht ganz, aber auf dem Rücken von "Friederike" - da werden sich vor allem Nordlichter dran erinnern - schneite es. Auch in den Alpen hat sich die Lawinensituation rund um das Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz nochmals zugespitzt. Der Flachlandwinter hatte es aber insgesamt weiter schwer, bevor sich das Blatt im Februar wendete.

Denn dann rückte uns die Kälte auf den Pelz?

Genau, aber nicht nur die. Denn die trocken-kalte Luft, die sich zunehmend breitgemacht hat, ließ endlich auch wieder der Sonne Platz. Bei nur wenigen Niederschlägen (kaum 50 Prozent des Solls) brachten es bereits die ersten drei Februarwochen durchschnittlich auf fast 100 Sonnenstunden. Ein großartiger Wert. Besonders nach den tristen Zeiten davor. Die Kehrseite sind aber natürlich die niedrigen Temperaturen, die mit der sibirischen Kälte zum Monatsende ihren Höhepunkt erreichen. Damit ist der Februar am Ende vielerorts um die 1,5 bis 3 Grad zu kalt.

Und der Winter insgesamt?

Der dürfte am Ende - verglichen mit dem Zeitraum 1961 bis 1990 - immer noch zu warm ausfallen. Denn auch das extrem kalte Ende wiegt den deutlichen Temperaturüberschuss des Januars nicht auf. Außerdem war ja auch der Dezember zu warm. Die Niederschläge und die Sonnenstunden dürften sich hingegen alles in allem ausgleichen und somit für eine durchschnittliche Bilanz sorgen.

Quelle: n-tv.de

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