Panorama

Eisig bis mild - und glattDeutschland gerät zwischen die Wetter-Fronten

29.01.2026, 14:51 Uhr
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Deutschland ist diesen Januar zweigeteilt: Während der Norden und der Osten so fest eingefroren sind wie schon lange nicht mehr, ist es im Süden und Westen mild. Der Februar beginnt ähnlich. Zwischen knackigen Minusgraden und fast frühlingshaften Temperaturen ist alles drin.

ntv.de: Wie außergewöhnlich ist der Winter und vor allem der Januar in Deutschland bisher?

Björn Alexander: Der Januar 2026 ist einer der kältesten der vergangenen 15 Jahre - und zeigt enorme Gegensätze zwischen Südwest und Nordost. Verglichen mit den letzten 15 Jahren war tatsächlich nur der Januar 2017 vergleichbar kalt. Ansonsten kochte der Winter meistens auf kleinerer Flamme oder musste sogar schon den ersten Frühlingsgefühlen weichen.

Was bedeutet das in Gradzahlen?

Bis zum heutigen Tag beträgt die mittlere Januartemperatur im deutschlandweiten Durchschnitt minus 0,8 Grad. Das entspricht im Vergleich zu den letzten 30 Jahren einer negativen Abweichung von fast 2 Grad. Die wärmsten Januarmonate brachten uns indes eine Mitteltemperatur von über 3,5 Grad.

Und im Vergleich zum Januar 2017?

Im Januar 2017 lag die durchschnittliche Temperatur bei minus 2 Grad und damit war der Gesamtmonat fast 3 Grad zu kalt. Frosttage, also mit einem Tiefstwert unter 0 Grad, gab es im Januar 2017 im Schnitt 26,2. Der Januar 2026 hat uns bisher 24 Frosttage gebracht. Allerdings gab es große regionale Unterschiede.

Das bedeutet konkret?

Dass die gesamte Osthälfte sowie weite Teile Norddeutschlands deutlich zu kalt verlaufen sind, während der Westen und der Südwesten unseres Landes einen eher durchschnittlichen bis nur leicht unterdurchschnittlichen Verlauf erlebt haben. Das spiegelt sich auch bei den konkreten Messwerten wider. Eistage, also Tage mit Dauerfrost, gab es beispielsweise in den östlichen Bundesländern durchaus mal 10 bis 14.

Wo am meisten?

Vorweg rangieren Berlin und Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen. Dem gegenüber steht NRW mit durchschnittlich gut vier Dauerfrost-Tagen. Am wärmsten war es dabei übrigens entlang der kompletten Rheinschiene, wo die höchsten Temperaturen zwischenzeitlich 13 bis 16 Grad erreicht haben. Und auch bei der aktuellen Temperaturverteilung zeigen sich große Kontraste zwischen Nordost und Südwest.

Wie ist die Lage?

Wir liegen zwischen zwei großen Wettersystemen. Auf der einen Seite ist es Skandinavien-Hoch "Daniel", an dessen Flanke trockenkalte bis eisige Luft in den Norden und den Osten unseres Landes weht. Ein bitterkaltes Szenario mit gefühlten Temperaturen im zweistelligen Frostbereich.

Und auf der anderen Seite?

Müssen die Tiefdruckgebiete von Westen einen weiten Bogen um das Hoch machen. Damit gibt es vor allem über West- und Südeuropa immer wieder Unwetter, kombiniert mit teilweise enormen Niederschlagsmengen. Und ein Teil der Tiefausläufer kommen - zum Glück sehr abgeschwächt - auch bei uns an. Einerseits mit milder Luft, so dass dem Dauerfrost im Nordosten am Wochenende im Südwesten 10 Grad plus gegenüberstehen. Andererseits ist etwas Schnee oder Regen drin.

Mit Glättegefahr?

Im Übergangsbereich zwischen der milden und der kalten Luft, entlang der sogenannten Luftmassengrenze, die diagonal vom Nordwesten bis in den Südosten verläuft, kann es wiederholt glatt werden. Und nachts, wenn es verbreitet frostiger wird und sich gebietsweise Nebel ausbreiten kann, müssen wir sowieso wieder vorsichtig unterwegs sein. Kurzum: Die Situation bleibt durchaus anspruchsvoll, und wir sollten Niederschlagsradar und die Wetterwarnungen im Blick behalten.

Auf welche Details müssen wir uns einstellen?

Nach einer meist frostigen, teils nebligen und dementsprechend glatten Nacht fällt am Freitag tagsüber im Norden und Osten bei dichten Wolken zunächst noch etwas Schnee. Ansonsten ist es teils stark bewölkt oder neblig-trüb, teils aber auch sonnig, bevor im Tagesverlauf von Westen erneut Schnee oder Regen aufkommen. Unkritisch ist die Lage dabei beispielsweise am Oberrhein bei bis zu 8 Grad, während im Norden und Osten der Dauerfrost und ein unangenehmer Ostwind dagegen halten.

Wie sind die gefühlten Temperaturen?

Zur Mittagszeit bewegt sich der Windchill zwischen Berlin, Hamburg und Bremen und dann herauf bis an die Küsten bei minus 6 bis minus 10 Grad. Im Westen und Süden sind es hingegen um die 0 bis plus 3 Grad.

Was bringt uns das Wochenende?

Die Temperaturunterschiede werden immer größer. Am Samstag liegen die gemessenen Werte zwischen minus 4 und plus 9 Grad, der Sonntag bringt zwischen minus 6 Grad in der Uckermark mit einem eiskalten Wind und bis zu 10 Grad am Oberrhein. Zwischendrin sind leichte Niederschläge möglich, die als Schnee oder Glatteisregen niedergehen können. Das größte Glätte-Risiko besteht wahrscheinlich vom Nordwesten bis in den Bereich der zentralen Mittelgebirge.

Bei so vielen Wolken und dem übrigen Ungemach: Gibt es am Wochenende eigentlich auch Sonne?

Zwischenzeitlich lässt das wechselhafte Wetter ebenfalls Wolkenlücken zu. Die Sonnensieger wohnen aber von den Alpen bis herauf in den Südosten - zumindest abseits vom mitunter zähen Nebel oder Hochnebel.

Wohin schwingt das Wetterpendel nächste Woche?

Am Montag bleiben die Kontraste sowie die allgemeine Verteilung zwischen dem wechselhaften Westen und Nordwesten sowie dem tendenziell freundlicheren Südosten und Osten bestehen. Dazu gibt es zwischen minus 7 und 10 Grad. Anschließend könnten die Wolken samt Schnee und Regen dann schrittweise weiter ostwärts und somit gegen die Frostluft vorankommen. Eine Entwicklung, die die Winterdienste sicherlich mit Argusaugen beobachten und die regional erneut für spiegelglatte Straßen und Schneeglätte sorgen könnten.

Quelle: ntv.de

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