Panorama

Vorbilder für Stefan R.? Deutschlands bekannteste Kannibalen

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Fritz Haarmann (Mitte) soll seine Opfer mit einem Biss in den Hals getötet haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn kannibalistische Taten bekannt werden, scheinen sie einzigartig - in ihrer Grausamkeit und Monstrosität. Doch so selten sind Kannibalen dann doch nicht.

Wenn sich die bisherigen Ermittlungen bestätigen, beschäftigt sich die Berliner Polizei mit einem Fall von Kannibalismus. Am Mittwoch wurde der 41-jährige Stefan R. festgenommen. In ihm vermuten die Ermittler den Mörder des 44-jährigen Stefan T. Sie gehen von Kannibalismus aus sexuellen Motiven aus.

Kannibalistische Taten sind eher selten, aber nicht so selten, wie viele meinen. Immer wieder wird von solchen Fällen berichtet, schon Fritz Haarmann, der vor allem als Serienmörder in die Geschichte einging, zeigte in seinen Taten kannibalistische Motive. Deshalb wurde er auch der Vampir, der Schlächter, der Kannibale und der Werwolf von Hannover genannt. Anfang der 1920er Jahre tötete er in Hannover mindestens 24 junge Männer, während oder nachdem er Sex mit ihnen hatte. Er trank ihr Blut und verkaufte oder verarbeitete ihr Fleisch.

Karl Denke ermordete zwischen 1903 und 1924 im niederschlesischen Münsterberg mindestens 42 Menschen. Bei ihm wurden Behälter mit gepökeltem und bereits zubereitetem Menschenfleisch gefunden. Vermutlich verkaufte er das Fleisch auch. Nach seiner Festnahme erhängte er sich.

Motiv "Verfressenheit"

1948 tötete Bernhard Oehme, der Kannibale vom Chemnitzer Sonnenberg, seine Schwester Ida und verspeiste Teile von ihr. Oehme handelt zeitgenössischen Medienberichten zufolge nicht aus sexuellen Motiven, sondern aus "Verfressenheit". Noch im Gefängnis soll er nach dem Fleisch verlangt haben. In den 1970er Jahren ermordet Georg Kroll von Duisburg aus zwischen acht und vierzehn Menschen und verzehrte sie teilweise.

Im Januar 2002 wird in Niederlützing bei Koblenz die 22-jährige Sabine L. getötet. Die Polizei kann den Täter schnell ermitteln, es ist ihr Cousin und Mitbewohner Thomas S. Vermutlich erwürgte der arbeitslose Elektriker die junge Frau. In der Wohnung und in einem nahegelegenen Steinbruch finden die Ermittler in Säcke verpackte Leichenteile. Auch im Backofen der Wohnung werden sie fündig, dort gibt es menschliches Fleisch, zubereitet mit Reis. Der Kannibalismus kann S. nicht nachgewiesen werden, doch einige Leichenteile werden nie gefunden.

Während dieser Fall lediglich regional bekannt wird, bringt es der sogenannte Kannibale von Rotenburg zu weltweiter Berühmtheit. Sein Fall wird im Juli 2002 bekannt. Auf den Computertechniker wird ein User in einem Chatroom aufmerksam, in dem Armin Meiwes jemanden zum "Schlachten" sucht. Mehr noch, Meiwes deutet an, dass er so etwas nicht zum ersten Mal tun würde.

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Armin Meiwes wurde als Kannibalen von Rotenburg bekannt.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Tat, von der Meiwes spricht, liegt zu diesem Zeitpunkt schon mehr als ein Jahr zurück. Im März 2001 hatte er dem 43-jährigen Bernd Jürgen Brandes in seinem Haus zunächst nach einvernehmlichem Sex den Penis abgeschnitten und davon gegessen. Später tötete er Brandes mit Stichen in den Hals und zerlegte ihn. Das Fleisch lagert er in seiner Kühltruhe und bereitet daraus immer wieder Mahlzeiten zu, die er auch verzehrt. Bei den Ermittlungen werden Videoaufnahmen gefunden, die belegen, dass Brandes den Wusch hatte, sich bei lebendigem Leib verspeisen zu lassen. Meiwes sitzt noch immer in Haft.

Sexuelle Erregung und Tod

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Detlef Günzel lernte sein Opfer in einem Kannibalenchat kennen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Jahr 2012 gibt es einen Kannibalismusfall in Berlin. Der 45-jährige Michael S. tötet den Banker Carsten S. bei sadomasochistischem Sex. Das 37-jährige Opfer führt nach außen hin ein bürgerliches Leben, verfolgt Heiratspläne mit seinem Lebenspartner. Doch nachts arbeitet er als Barkeeper in einer Männer-Sauna, wird von Todessehnsucht beherrscht. Michael S. lebt von Hartz IV und ist nachts in Uniform und mit schwerer Fesselkette unterwegs, das bringt ihm den Beinamen "Ketten-Cop" ein. Täter und Opfer lernen sich auf einer Internetplattform kennen. Im Januar 2012 treffen sie sich zu einvernehmlichem Sex, bei Fesselspielen erstickt das Opfer. Anschließend kocht der Täter den Kopf und weitere Körperteile. Weil die Tötung nicht beabsichtigt war, wird er schließlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

2013 ereignet sich ein weiterer Kannibalenfall in Sachsen. Der LKA-Beamte Detlev Günzel tötet in einer Pension im Gimmlitztal den Geschäftsmann Wojcech S. und zerstückelt ihn anschließend. Der 59-jährige S. ist eigens aus Hannover angereist, die beiden hatten sich im Internetforum "Zambian Meat" kennengelernt, in dem Kannibalismusinteressierte ihre Fantasien austauschen. Im Prozess wird berichtet, dass die Männer mehr als 400 Mitteilungen und mehr als 100 E-Mails ausgetauscht hatten. Ein fast einstündiges Video zeigt den Todeskampf von S. und die sexuelle Befriedigung von Günzel. Auch hier kann der Kannibalismus nicht nachgewiesen werden, einige Körperteile werden jedoch nie gefunden. Wegen des Todeswunsches von S. wird Günzel nicht zu lebenslanger Haft verurteilt.

Quelle: ntv.de, sba