Ein Wunsch, der selten wahr wirdDie Deutschen sterben nicht zu Hause

Trauriges Lebensende: Der Wunsch, die letzten Stunden des Lebens zu Hause zu verbringen, wird in Deutschland nur selten erfüllt. Drei von vier Menschen sterben im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Die meisten davon allein.
Wo möchte ein alter oder todkranker Mensch sterben? Die meisten Menschen hierzulande wünschen sich, das zu Hause zu tun. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen Welten, wie aus dem aktuellen Pflegereport der DAK-Gesundheit hervorgeht. Demnach verbringen zwei von drei Deutschen die letzten Stunden ihres Lebens nicht an dem Ort, den sie sich wünschen.
Nur sechs Prozent der Deutschen wollen demnach im Krankenhaus oder Pflegeheim sterben. In der Realität scheiden jedoch drei Viertel aller Menschen in solchen Institutionen aus dem Leben. Laut Pflegereport stirbt im Krankenhaus jeder fünfte Patient allein. Außerdem sind demnach viele Krankenhausaufenthalte kurz vor dem Tod vermeidbar. Das verursacht unnötige Kosten und steht im Widerspruch zu den Wünschen der Betroffenen.
Gefühl von Würde
Insgesamt 60 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie zu Hause sterben möchten. 16 Prozent sind unentschlossen. Nur vier Prozent nennen das Krankenhaus, zwei Prozent das Pflegeheim. Die Tendenz ist noch deutlicher bei Menschen, die bereits Pflegeerfahrung haben. So sagen pflegende Angehörige zu 76 Prozent, dass sie zu Hause sterben möchten. Zu den Gründen sagen die meisten, dass die gewohnte Umgebung das Sterben erträglicher mache und dass es mehr Würde mit sich bringe.
Dennoch sterben gut 75 Prozent aller Menschen in Deutschland im Krankenhaus oder Pflegeheim. Vergleicht man diese Zahl mit den Wünschen, sterben 69 Prozent nicht dort, wo sie möchten.
Im Krankenhaus stirbt jeder Fünfte allein
Gut jeder Fünfte hätte Angehörigen oder Freunden gewünscht, an einem anderen Ort zu sterben. Vor allem das Zuhause wurde als Wunschort angegeben. Als Begründung wird meist die Erfahrung im Krankenhaus genannt: Sterbende seien dort an Maschinen angeschlossen und zum Zeitpunkt des Todes allein.
Tatsächlich starb im Krankenhaus jeder fünfte, im Pflegeheim sogar jeder Dritte allein. Zu Hause waren es nur sieben Prozent, die zum Zeitpunkt des Todes niemanden bei sich hatten.
Viele würden Pflege bis zuletzt übernehmen
Mehr als jeder Dritte würde sich zutrauen, jemanden bis zu dessen Tod zu pflegen. Vor allem Frauen geben das an. Allerdings ist die Antwort von der Berufstätigkeit abhängig: Von den in Vollzeit beschäftigten Frauen traut sich jede dritte die Aufgabe zu, von den Teilzeit arbeitenden Frauen ist es schon jede zweite.
Viele Befragte nennen Unterstützung von Angehörigen, Ehrenamtlichen und Professionellen als Bedingung. Der Pflegeexperte Thomas Klie, der den Report wissenschaftlich konzipiert, durchgeführt und ausgewertet hat, sagt: "Der DAK-Pflegereport zeigt eine große Bereitschaft, Pflege auch bis zum Tod zu übernehmen. Doch dafür bedarf es verlässlicher Strukturen vor Ort."
Kostentreiber Krankenhaus
Nicht nur widerspricht das Sterben im Krankenhaus den Wünschen der meisten Menschen. Es belastet auch das Solidarsystem. Für den DAK-Pflegereport wurden Daten von gut 60.000 verstorbenen Versicherten ausgewertet, die vor ihrem Tod pflegebedürftig waren. 64 Prozent dieser Personen waren im letzten Quartal vor ihrem Tod im Krankenhaus. Gerade Klinikaufenthalte sind teuer: ihr Anteil an den Gesamtkosten in den letzten drei Monaten des Lebens beträgt 83 Prozent. Ein solcher Aufenthalt kostet im Schnitt knapp 9000 Euro.
Qualitative Interviews mit Menschen, die Sterbende gepflegt und betreut haben, zeigen, dass Klinikaufenthalte oft die Folge mangelhafter Versorgung zu Hause sind. "Konstellationen, in denen die Anzahl der Beteiligten begrenzt war, provozierten Belastungssituationen", sagt Klie. "Der Abbau von Krankenhaus-Einweisungen geht nur mit einem Ausbau und der Re-Organisation ambulanter Versorgung." Es gelte, auch mit Blick auf die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Beratung und Entlastungsmöglichkeiten systematisch zu etablieren.
Zur besseren Organisation häuslicher Pflege entwickelt die DAKGesundheit jetzt eine spezielle App. Der DAK-Pflegeguide richtet sich an pflegende Angehörige. Er bietet Antworten auf wichtige Fragen und hilft bei der Berechnung der Ansprüche auf Pflegeleistungen. Außerdem hilft die App bei der Vernetzung mit Pflegeorganisationen und Gruppen pflegender Angehöriger in der Region.