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Deutscher Astrazeneca-Vize "Die Wahrnehmung ist verzerrt"

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Neue Studie: Der Impfstoff schützt "ebenfalls zu mehr als 90 Prozent vor schweren Verläufen der Krankheit".

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Impfstoff von Astrazeneca hat hierzulande einen schweren Stand. Im Interview mit ntv wirbt das Unternehmen für das Vakzin und verweist auf aktuelle Studien: Demnach stehe das Mittel dem anderer Hersteller in nichts nach. Und auch die Anpassung an Mutationen sei nur eine Frage von Wochen.

Der schwedisch-britische Pharmakonzern Astrazeneca weist Kritik an der vermeintlich geringeren Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffs zurück. Daten aus der klinischen Forschung des Präparats belegten eine hohe Wirksamkeit. "Dort hat er zum Beispiel zu fast 100 Prozent vor schweren Verläufen der Erkrankung geschützt", sagte der Vizepräsident von Astrazeneca Deutschland, Klaus Hinterding, ntv. Zugleich verwies er auf eine neue Studie aus Schottland, "wonach der Impfstoff ebenfalls zu mehr als 90 Prozent vor schweren Verläufen der Krankheit geschützt hat".

Zudem habe sich die angeblich geringere Wirksamkeit des Impfstoffs im Vergleich zum Biontech/Pfizer-Vakzin in der Anwendung nicht belegen lassen. Die Daten aus England und Schottland zeigten, dass sich die Unterschiede verwischten und beide Impfstoffe "in dieser jetzt publizierten Analyse komplett gleich wirksam" seien.

Als Gründe für vielfache Ablehnung des Impfstoffs gibt es für Hinterding zwei wesentliche Faktoren: "Die Wahrnehmung der Nebenwirkungen ist tatsächlich etwas verzerrt. Das liegt vor allem daran, dass in Deutschland der Astrazeneca-Impfstoff vor allem bei jungen Menschen verimpft wird. Junge Menschen haben naturgemäß eine stärkere Immunantwort, das heißt, sie reagieren stärker auf den Impfstoff, das soll ja auch so sein, und dann melden sie auch häufiger diese Nebenwirkungen." Hinzu komme, "dass der Astrazeneca-Impfstoff seine Impfreaktion vor allem nach der ersten Dosis zeigt, nach der zweiten weniger und das könnte bei den mRNA-Impfstoffen anders sein".

Das Präparat von Astrazeneca wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen. Ob eine Anpassung dieser Empfehlung nötig sei, wollte Hinterding nicht kommentieren. Daten, die nun aus England und Schottland vorliegen, belegten jedoch, dass der Impfstoff auch ältere Menschen vor schweren Krankheitsverläufen schütze. Laut Klaus Hinterding dürften diese Erkenntnisse bald zu einer neuen Einschätzung der Stiko hierzulande führen.

Impfstoff kann in wenigen Wochen angepasst werden

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Mit Blick auf die britische Mutation sagte Hinterding weiter, dass der Astrazeneca-Impfstoff auch gegen diese "sehr deutlich" wirke. Dies zeigten die Daten aus Schottland und England. Er räumt allerdings ein, dass die bisherige Datenlage eine Wirksamkeit gegen schwere Verläufe der südafrikanischen Variante noch nicht belegen könne. "Nun ist es so, dass die Population, die wir in Südafrika getestet haben, sehr gesund war. Junge Menschen, die keine Komorbiditäten (Vorerkrankungen, die Redaktion) haben, und damit traten gar keine schweren Verläufe auf, sodass wir nicht sagen können, ob der Impfstoff vor den schweren Verläufen schützt." Man müsse dazu "definitiv weitere Daten erheben".

Zugleich wies er Vermutungen zurück, der Vektor-Impfstoff von Astrazeneca könne weniger flexibel auf etwaige Mutationen angepasst werden als die mRNA-Impfstoffe. "Die Anpassung auch eines Vektor-Impfstoffs im Labor läuft innerhalb von wenigen Wochen. Das ist ähnlich wie bei der mRNA, tatsächlich."

Quelle: ntv.de, jwu