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Künstler dieses Gemäldes: min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))].
Künstler dieses Gemäldes: min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))].(Foto: picture alliance/dpa)
Donnerstag, 25. Oktober 2018

Für 432.500 Dollar versteigert: Dieses Gemälde hat ein Algorithmus erzeugt

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch auf die künstlerische Finesse kommt es bei dem Porträt "Edmond de Belamy" gar nicht an. Schließlich ist es durch Künstliche Intelligenz erzeugt worden - und die hat ihren Preis.

Beim Auktionshaus Christie's in New York ist erstmals ein Kunstwerk unter den Hammer gekommen, das nicht von einem Menschen, sondern mittels eines Algorithmus gemalt wurde. Das Porträt "Edmond de Belamy" erzielte mit 432.500 Dollar (380.500 Euro) einen unerwartet hohen Preis. Das goldumrahmte Bild zeigt einen schwarzgekleideten Mann und könnte auf den ersten Blick aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen.

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Doch beim näheren Hinsehen zeigt sich, dass die Gesichtszüge des Porträtierten verwischt sind und große Stellen an den Rändern des Gemäldes nicht ausgemalt wurden. Anstelle einer Künstlersignatur findet sich unten rechts eine mathematische Formel: "min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))]". Gemeint ist der Algorithmus, der das Werk produzierte.

"Edmond Belamy" ist die Idee des französischen Künstlerkollektivs Obvious, das die Kunst mittels Künstlicher Intelligenz (KI) demokratisieren will. Der Künstler Pierre Fautrel speiste zunächst 15.000 klassische Porträts in ein Computersystem ein. Daraus generierte der Computer mit Hilfe eines Algorithmus selbsttätig eine Reihe neuer Bilder. Aus ihnen wählte das Kollektiv elf aus, die sogenannte "Belamy Familie", zu der auch das jetzt versteigerte Bild gehört. Der Name der artifiziellen Gemeinschaft entspricht lautmalerisch der französischen Übersetzung von "Goodfellow" (guter Freund) und ist angelehnt an den KI-Forscher Ian Goodfellow.

Christie's hatte dessen Wert ursprünglich auf 7000 bis 10.000 Dollar geschätzt. Nicht alle halten das Gemälde für Kunst. Doch für den 25-jährigen Fautrel besteht daran kein Zweifel: "Selbst wenn der Algorithmus das Bild schafft, wir sind diejenigen, die das entschieden, die entschieden, es auf Leinwand zu drucken, es mit einer mathematischen Formel zu signieren und ihm einen goldenen Rahmen zu verpassen."

Quelle: n-tv.de