Panorama

"Dieses Verfahren sprengt alles"Mann gesteht 900-fachen Missbrauch seiner Stieftochter

08.04.2026, 15:20 Uhr
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Dem Angeklagten wird unter anderem sexueller Kindesmissbrauch in Hunderten Fällen vorgeworfen. (Foto: picture alliance/dpa)

Aufs Schlimmste vergeht sich ein Mann an seinen Stiefkindern und suggeriert ihnen, mit dem Verkauf der Aufnahmen der Taten die Familienfinanzen zu verbessern. Vor Gericht ist er geständig. Doch es gibt noch mehr Vorwürfe.

Der Fall macht sprachlos: Hunderte Male missbraucht ein Mann seine Stieftochter sexuell, bringt sie und ihren Halbbruder dazu, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen und filmt die Taten zum Großteil. Alles unter dem Vorwand, mit dem Verkauf der Aufnahmen Geldprobleme der Familie zu lösen.

Diese und weitere Vorwürfe hat der heute 46-Jährige aus Ilmenau zum Beginn des Prozesses gegen ihn vor dem Landgericht Erfurt eingeräumt. Zunächst hatte seine Verteidigerin erklärt, ihr Mandant werde sich nicht äußern. Diese Haltung änderte er, nachdem ihm der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer Holger Pröbstel deutlich gemacht hatte, dass er aufgrund der "erdrückenden" Beweislage von Hunderten Videos nur durch ein Geständnis mit einer Strafmilderung bei einer Verurteilung rechnen könne.

"Dieses Verfahren sprengt alles"

"Dieses Verfahren sprengt alles, was die Kammer je erlebt hat", verdeutlichte Pröbstel das Ausmaß. "Wenn Sie den Kindern noch irgendeinen Gefallen tun wollen, dann ersparen sie denen ihre Vernehmung", appellierte er an den Angeklagten. Nach einer Unterbrechung zur Besprechung mit seiner Verteidigerin erklärte diese, dass ihr Mandant die Vorwürfe einräume.

Die Stieftochter und der Stiefsohn sind Nebenkläger im Prozess. Sie verfolgten, begleitet von ihrer Mutter, die Verlesung der Anklage, teils sichtlich mitgenommen. Staatsanwältin Anne Hartmann listete mehr als 900 Fälle auf, in denen der Mann von Ende 2017 bis ins Jahr 2024 die bei ihm damals im Haushalt lebende Stieftochter missbraucht, gefilmt und fotografiert hat. Auch Gegenstände, Werkzeuge etwa, soll der Mann dabei genutzt haben. Zudem soll er sich an der 2007 geborenen Stieftochter in einer Schule vergangen haben, wo der Mann als Putzkraft arbeitete.

Zudem soll der Mann später auch den zwei Jahre jüngeren Halbbruder der Stieftochter dazu gebracht haben, sexuelle Handlungen mit der Halbschwester vorzunehmen. Auch hier soll er vorgegeben haben, Aufnahmen davon im Darknet zu verkaufen und die Familie so finanziell besserzustellen.

Mehr als 160 Stunden an Videomaterial

Dem Angeklagten wird auch zur Last gelegt, einer Freundin der Stieftochter über einen Fake-Account bei Instagram geschrieben und vorgegeben zu haben, ein 21-Jähriger zu sein, der ihr Geld gegen Nacktaufnahmen bot.

Angeklagt ist er außerdem, weil auf bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellten Festplatten und anderen Speichermedien Tausende missbräuchliche Darstellungen von Kindern und Jugendlichen gefunden worden sind. Das Videomaterial habe eine Gesamtdauer von mehr als 160 Stunden, hieß es in der Anklage. Darin beschrieben sind auch Inhalte dieser Videos. Der Mann hörte den Vorwürfen regungslos zu. Am 14. April soll die Verhandlung fortgeführt werden.

Aufmerksam wurden die Ermittler auf den Mann nach einem Hinweis aus den USA, nachdem dort Daten einer einschlägigen Online-Plattform ausgewertet worden waren. Daraufhin sei das Zuhause der Familie im Dezember 2024 durchsucht worden und im Zuge dessen Hinweise auf den Missbrauch der Stiefkinder entdeckt worden.

Quelle: ntv.de, apr/dpa

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