Panorama

Mitbewohner unter MordverdachtDoktorandenpaar getötet: Verdächtiger fragte ChatGPT nach Tipps

27.04.2026, 13:03 Uhr
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Polizei USA Florida Doppelmord
Nach dem Verschwinden des Paares durchsuchten Taucher die Tampa Bay. (Foto: Hillsborough County Sheriff’s Office)

Zwei Doktoranden der Universität South Florida verschwinden vom Campus, wenig später wird eine Leiche entdeckt. Schnell rückt der Mitbewohner des Getöteten in den Fokus der Ermittler: Gleich mehrere Indizien sprechen für einen grausamen Doppelmord des 26-Jährigen.

Zwei Doktoranden im US-Bundesstaat Florida sollen Opfer eines grausamen Doppelmordes geworden sein. Davon gehen die Behörden dem aktuellen Ermittlungsstand zufolge aus, wie lokale Medien berichten. Hisham A. soll sowohl seine Mitbewohner, Zamil L., als auch dessen Freundin Nahida B. getötet und ihre Leichen entsorgt haben, heißt es in einer Polizeimeldung. Der 26-jährige Verdächtige wurde demnach wegen zweifachen Mordes ersten Grades unter Einsatz einer Waffe angeklagt und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Zu seinen möglichen Motiven ist bisher nichts bekannt.

Die beiden 27-jährigen Doktoranden an der University of South Florida, Zamil L. und Nahida B. aus Bangladesh, wurden zuletzt am 16. April an verschiedenen Orten im Raum Tampa gesehen. Als ein Freund des Paares weder L. noch B. erreichen konnte, kontaktierte er einen Tag später die Polizei. Laut ABC News wurde der Status der beiden Doktoranden schnell von "vermisst" auf "in Gefahr" geändert, Details zu den Gründen dafür sind jedoch nicht bekannt.

Rund eine Woche nach dem Verschwinden entdeckten Ermittler die Leiche von L. in einem Müllsack am Rand einer Brücke in Tampa. Der 27-Jährige starb der Autopsie zufolge aufgrund "mehrerer Stichverletzungen", wie die Behörden mitteilen. Laut Gerichtsunterlagen, über die NBC News berichtet, sehen die Ermittler "keine Hinweise darauf, dass B. noch am Leben ist". Ihre Leiche wurde offiziellen Angaben zufolge jedoch noch nicht gefunden. Menschliche Überreste, die jüngst aus Gewässern in der Gegend geborgen wurden, seien noch nicht eindeutig identifiziert, heißt es von der Polizei. Sie befinden sich derzeit in der Obduktion.

Einkäufe, DNA-Spuren, ChatGPT-Verlauf

Für die Ermittler wurde A., der sich eine Wohnung mit dem getöteten L. außerhalb des Campus teilt, schnell zum Hauptverdächtigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Opfer in der Wohnung von A. und L. getötet wurden, berichtet NBC News. "A.s Mobiltelefon weist ihn sowohl in den Bereichen der Mobiltelefone der Opfer als auch in der Gegend aus, in der L.s Leiche entsorgt wurde. Auf demselben Mobiltelefon finden sich Suchverläufe und Käufe von Gegenständen, die mit dem Tod der Opfer in Verbindung stehen, und zwar bereits vor dem Datum ihrer Morde", zitiert der Sender aus den Gerichtsunterlagen.

So soll A. kurz vor dem Verschwinden der Doktoranden Müllsäcke, Lysol-Tücher und Raumerfrischer gekauft haben. Zudem seien Blutspuren in seiner Wohnung gefunden worden. Ein weiterer Mitbewohner von L. und A. sagte dem Bericht zufolge aus, er habe beobachtet, wie A. am 17. April Kartons aus seinem Zimmer zu einem Müllcontainer der Wohnanlage gebracht habe. "Eine Durchsuchung des Müllcontainers ergab Gegenstände, die L. gehörten, darunter einen Studentenausweis und Kreditkarten mit seinem Namen", heißt es in den Gerichtsunterlagen. Auch soll die rosa Handyhülle von B. unter den entsorgten Gegenständen gewesen sein.

An einem grauen T-Shirt, das in den Containern gefunden wurde, sei die DNA von L. gefunden worden, auf einer Küchenmatte in der Wohnung Genspuren von B. Auch mehrere Schnittwunden an einem Finger von A. sowie an seinen Beinen belasten den Verdächtigen den Unterlagen zufolge stark. Demnach verwickelte er sich in seiner Aussage bei der Polizei in Widersprüche. Zunächst erklärte er, die beiden Opfer seien nie in seinem Auto gewesen. Später revidierte er dies und behauptete, L. und B. in einer nahegelegenen Stadt abgesetzt zu haben.

Die Handyauswertung des Verdächtigen ergab laut den Unterlagen, dass A. wenige Tage vor der Tat ChatGPT befragte, was passiere, "wenn man einen Menschen in einen schwarzen Müllsack steckt und in einen Müllcontainer wirft?"

Die Festnahme

Der Verdächtige wurde im Haus seiner Familie festgenommen. Als die Beamten anrückten, verbarrikadierte er sich zunächst im Gebäude. Erst als ein spezielles Team, eine Drohne und Krisenvermittler geordert wurden, kam er mit erhobenen Händen und lediglich einem Handtuch um die Hüften heraus.

Den Berichten zufolge studierte der 26-jährige A. selbst kurzzeitig an der University of South Florida, brach das Studium jedoch ohne Abschluss ab. Er soll bereits mehrfach vorbestraft sein, unter anderem wegen Körperverletzung und Einbruchs. Auch soll es Meldungen wegen häuslicher Gewalt gegeben haben.

A sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft, seine Inhaftierung wurde ohne Kaution angeordnet. Keine Auflage könne die öffentliche Sicherheit gewährleisten und ein Erscheinen vor Gericht garantieren, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Auf Nachfrage von US-Medien äußerten sich die Verteidiger des Verdächtigen bisher nicht. Im Falle einer Verurteilung droht A. die Todesstrafe.

In einer Erklärung teilte die University of South Florida mit, sie "trauere um den tragischen Verlust der Studenten Nahida B. und Zamil L.". Während L. Geografie, Umweltwissenschaften und Politik studierte, forschte L. zu Chemieingenieurwesen. Verwandte der Getöteten berichteten ABC News, dass sie vorhatten, zu heiraten. In einer Stellungnahme erklärten die Familien auch, ihr Wunsch sei es, dass "die Leichen von L. und B. gemäß islamischen Ritualen und Bestattungsvorschriften behandelt werden". Sie hofften, dass die Universität eine Gedenkstätte im Namen des Paares einrichten werde.

Quelle: ntv.de, spl

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