Panorama

Ex-Häftling in Frankfurt Doppelmörder Söring landet in Deutschland

Nach mehr als drei Jahrzehnten in US-Haft landet der verurteilte Doppelmörder Jens Söring auf dem Frankfurter Flughafen. Er ist nun auf Bewährung frei und bittet bei seiner Ankunft um etwas Ruhe. Er müsse "psychologisch und emotional in Deutschland ankommen".

Der in den USA wegen Doppelmordes verurteilte Ex-Häftling Jens Söring ist zurück in Deutschland. Eine Linienmaschine aus Washington mit dem 53-Jährigen an Bord landete am Vormittag nach rund sieben Stunden Flug auf dem Frankfurter Flughafen. Freunde und Unterstützer nahmen ihn dort in Empfang. Söring wurde bei seiner Ankunft von zahlreichen Fotografen und Fernsehteams umringt.

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Söring ist frei, darf aber nie wieder in die Vereinigten Staaten einreisen. Seine Verurteilung in den USA ist immer noch rechtens.

(Foto: dpa)

"Ich muss psychologisch und emotional in Deutschland ankommen und ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis. Bitte geben Sie mir etwas Ruhe, um mit meinen Freunden zu sein und in Deutschland anzukommen", bat er die Journalisten. Zuvor bedankte er sich bei seinen deutschen Unterstützern, die im Raum waren und ihn umarmten. "Das ist der schönste Tag meines Lebens. Das hätte ich nie geschafft, ohne diese Menschen, die mich unterstützt haben. Ich bin so froh und so dankbar", sagt der Mann, der mit 19 Jahren für einen Doppelmord verurteilt wurde.

Das zuständige Gremium im US-Bundesstaat Virginia hatte im November entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. Wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 war der deutsche Diplomatensohn zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Er beteuert bis heute seine Unschuld. Für die Zeit nach seiner jahrzehntelangen Haft in den Vereinigten Staaten haben seine Unterstützer bereits Vorbereitungen getroffen. Sie haben ihm unter anderem eine Wohnung, Kleidung und ein Handy organisiert.

"Das ist nun ein neues zweites Leben"

Carina L. ist eine der Söring-Unterstützerinnen und extra zum Flughafen gefahren, um Söring in Empfang zu nehmen: "Er hat so lange darauf gewartet, man kann sich das kaum vorstellten", sagte sie in Frankfurt am Main der Mediengruppe RTL. Sie habe extra ein Nutella-Glas dabei, das sie ihm als Willkommensgeschenk überreichen möchte. Eine andere Frau, die in Deutschland als Anwältin arbeitet, sagte im Interview, dass sie die Nacht vor Aufregung kaum schlafen konnte.

Nach mehr als 33 Jahren im Gefängnis muss Jens Söring nach Ansicht eines Kriminologen mit dem Leben in der Freiheit erst einmal zurechtkommen. "Im Prinzip war er in einem üblen amerikanischen Gefängnis. In Deutschland muss er sich nun neu zurechtfinden: Er muss den Umgang mit Handys, Internet und öffentlichen Verkehrsmitteln lernen - das war vor 33 Jahren anders und das ist nun ein neues zweites Leben für einen Mann mit 53 Jahren", erklärte Bernd Maelicke schon im November bei RTL.

Söring werde in Deutschland wohl ein neues Buch schreiben und auch in den Medien sein, schätzt Maelicke ein. "Materiell wird er aufgrund von Honoraren gut versorgt sein, allerdings stecken die 33 Jahre Gefängnis in ihm". In der Freiheit müsse er nun neue Fähigkeiten entwickeln, erklärte der Kriminologe.

Quelle: ntv.de, sgu/dpa/AFP

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