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Medizin-Professor warnt Droht bereits die dritte Corona-Welle?

Medizinische Mitarbeiter der am Uniklinikum behandeln einen Patienten auf der intrinsischen Intensivstation. Foto: Unbekannt/SALK/APA/dpa/Archiv

Um einen weiteren Anstieg der Infiziertenzahlen zu verhindern und damit die intensivmedizinische Versorgung in den Krankenhäusern zu gewährleisten, sind wohl noch weitere Bemühungen nötig.

(Foto: Unbekannt/SALK/APA/dpa/Archiv)

Der Bundesgesundheitsminister bewertet den derzeitigen Teil-Lockdown als Erfolg im Kampf gegen Corona - Virologen und Mediziner widersprechen prompt. Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf stimmt schon mal auf eine weitere Welle ein.

Seit Beginn des Monats November gelten in Deutschland wieder strengere Corona-Regeln. Um einen weiteren exponentiellen Anstieg der Infiziertenzahlen zu verhindern und damit die intensivmedizinische Versorgung in den Krankenhäusern zum Erliegen zu bringen, sind Restaurants und Kneipen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt und die Menschen sollen möglichst wenig Kontakte machen.

Auch wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine positive Zwischenbilanz der derzeitigen "Wellenbrecher"-Strategie zieht, sinken trotz des Teil-Lockdowns seit Anfang November die Corona-Infektionszahlen nicht wesentlich, sondern bleiben auf einem hohen Niveau. Für die Mitarbeiter in deutschen Krankenhäusern bedeutet das weiterhin höchste Belastung. Virologen und Mediziner fordern deswegen jetzt schon härtere Maßnahmen. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Politik sie noch vor Weihnachten beschließen wird.

Kontakte weiter einschränken

Wie schätzt Professor Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), die derzeitige Lage ein? "Ich bin etwas enttäuscht von den Infektionszahlen heute und in den letzten Tagen", sagt er im RTL-Interview. "Ich hätte mir mehr erhofft. Aber man sieht an den Kontaktdaten, da gibt es gute Analysen, dass dieser Lockdown light bei der Bevölkerung doch nicht zu dieser massiven Kontaktbeschränkung führt wie im Frühjahr. Und das ist ein bisschen das Problem."

Kluge befürchtet, dass die Politik nächste Woche härtere Maßnahmen beschließen wird, wenn die Zahlen weiter so hoch bleiben. Es sei von einer weiteren Zunahme an Intensivpatienten auszugehen. In Hamburg sei die Lage aber noch nicht ganz so prekär wie in anderen Großstädten.

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Wie schaut Direktor Kluge auf das kommende Jahr? Erwartet uns nach Weihnachten eine dritte Welle? Dem Hamburger Abendblatt sagte der Mediziner: "Im Winter halten sich die Menschen angesichts der Temperaturen viel mehr drinnen auf. Ich habe die Sorge, dass dann die dritte Welle kommt - davon müssen wir eigentlich ausgehen." Der einzige Weg, dies zu verhindern sei, dass die Menschen ihre Kontakte weiter einschränken. Die Bewegungsprofile zeigten, dass dies in der zweiten Welle nicht ausreichend der Fall sei.

"Wir müssen einfach umdenken, wir müssen unsere Kontakte beschränken", forderte er auch im Interview mit RTL. "Und das fällt uns unheimlich schwer, das sehen wir immer wieder, jeden Tag, und das müssen wir die nächsten Monate durchhalten, damit wir wirklich die Schulen offenhalten können, die Kindergärten und vielleicht auch ein bisschen liberalisieren können. Stichwort Gastronomie. Aber dafür ist es wirklich entscheidend, dass wir uns jetzt disziplinieren über Monate."

Quelle: ntv.de, awi