Panorama

"Funktioniert doch" Spahn sieht Erfolg in Teil-Lockdown

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Bislang wurden laut Jens Spahn mit vergleichsweise milden Maßnahmen gute Ergebnisse erzielt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gut drei Wochen nach Beginn des Teil-Lockdowns zieht Bundesgesundheitsminister Spahn eine positive Zwischenbilanz. Die "Wellenbrecher"-Strategie schütze Kliniken vor Überlastung. FDP-Chef Lindner sieht das anders. Er wirft der Bundesregierung vor, gar keine Strategie zu haben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bewertet den Teil-Lockdown diesen Monat als einen Erfolg im Kampf gegen die Corona-Pandemie. "Der Wellenbrecher funktioniert doch", sagte Spahn im Streitgespräch mit FDP-Chef Christian Lindner der Zeitung "Die Welt". "Das exponentielle Wachstum ist gebrochen", fügte Spahn mit Blick auf die Infektionszahlen hinzu. "Wir sind uns einig, dass das nicht reicht. Aber es ist gelungen - einmal mehr."

Spahn rechtfertigte, dass die Bundesregierung die Priorität auf die Senkung der Infektionszahlen lege. "Wir sind das Land mit einer der ältesten Bevölkerungen weltweit", hob der Minister hervor. "Wenn die Infektionszahlen steigen, steigt früher oder später auch der Behandlungsbedarf auf den Intensivstationen." Belgien, die Niederlande und Frankreich hätten Deutschland bereits erneut gebeten, Patienten aufzunehmen, weil ihre Intensivkapazitäten ausgeschöpft seien. "Ich will, dass wir die Welle brechen, bevor unnötig viel Leid in den Krankenhäusern entsteht", sagte Spahn. Bislang habe die Bundesregierung dabei mit vergleichsweise milden Maßnahmen gute Ergebnisse erreicht.

Der FDP-Vorsitzende Lindner warf der Regierung hingegen Strategielosigkeit vor. "Meine Befürchtung ist: Wir finden aus dem aktuellen November-Lockdown in diesem Jahr nicht wieder raus", sagte er. "Und falls wir ihn beenden, dann ist wenige Wochen später der nächste da. Das wäre eine Stop-and-Go-Politik, die enormen sozialen und wirtschaftlichen Schaden verursacht."

*Datenschutz

Lindner kritisierte, mit einem besseren Schutz der Risikogruppen wäre die Schließung von Gastronomie, Kultur, Freizeit und Sport unnötig gewesen. Es sei "möglich, auch öffentliches, kulturelles und wirtschaftliches Leben zu ermöglichen, sofern Abstand und Hygiene eingehalten werden".

Wegen deutlich steigender Corona-Fallzahlen war in Deutschland am 2. November ein Teil-Lockdown in Kraft getreten. Erlaubt ist diesen Monat in der Öffentlichkeit nur noch der gemeinsame Aufenthalt von zwei Hausständen mit insgesamt maximal zehn Menschen. Restaurants, Bars, Kneipen, Klubs und Diskotheken sowie Theater, Schwimmbäder und Fitnessstudios mussten schließen.

Bund und Länder beraten am Mittwoch

Die Regierungschefs von Bund und Ländern wollen am Mittwoch eine Zwischenbilanz ziehen und über künftige Corona-Maßnahmen beraten, nachdem sie bei der vorangegangenen Video-Konferenz am Montag keine Einigung darüber erzielt hatten. Im Gespräch ist nun, den Teil-Lockdown bis kurz vor Weihnachten fortzuführen.

In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) 22.964 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Im Vergleich zum Wert vor einer Woche wurden gut 500 Fälle mehr gemeldet. Am vergangenen Samstag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 22.461 gelegen. Der Höchststand war am Freitag mit 23.648 gemeldeten Fällen erreicht worden

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

Quelle: ntv.de, chf/AFP