Panorama

Mord an Rucksack-Touristinnen Dschihadisten in Marokko zum Tod verurteilt

122453700.jpg

Gut bewacht: Das Anti-Terror-Gericht in Rabat am letzten Prozesstag.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach der Enthauptung von zwei skandinavischen Touristinnen im Atlas-Gebirge verurteilt ein Anti-Terror-Gericht die Hauptbeschuldigten zum Tode. Weitere angeklagte Dschihadisten bekommen hohe Haftstrafen. Die Morde sorgten in Marokko für Entsetzen.

Im Prozess um die islamistisch motivierte Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen in Marokko sind drei Angeklagte zum Tode verurteilt worden. Das entschied ein Gericht im marokkanischen Salé. Die drei Hauptverdächtigen hatten den Mord an den jungen Frauen aus Dänemark und Norwegen im Dezember gestanden. Der vierte Hauptverdächtige sei zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Insgesamt standen in dem Mordfall 24 Angeklagte vor Gericht. Ihnen wurde vorsätzlicher Mord, illegaler Waffenbesitz und die Gründung einer Terrorgruppe vorgeworfen. Die anderen Angeklagten bekamen Freiheitsstrafen zwischen fünf und 30 Jahren.

"Es gibt keinen Gott neben Gott", sagte der Hauptverdächtige Abdessamad Ejjoud, der in traditioneller salafistischer Kleidung vor Gericht erschien, während der letzten Anhörung. "Lass ihn mir vergeben", fügte er an. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Dezember die Todesstrafe für Ejjoud und zwei seiner Mittäter, den 33-jährigen Rachid Afatti und den 27-jährigen Younes Ouaziyad, gefordert. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass Ejjoud der Anführer des für die Morde verantwortlichen Dschihadistennetzwerks war.

Angehörige forderten harte Strafen

Auch Helle Petersen, die Mutter des dänischen Mordopfers, hatte die Todesstrafe für die Täter gefordert. "Am gerechtesten wäre es, gegen diese Bestien die Todesstrafe zu verhängen, die sie verdienen", hatte die Dänin vergangene Woche in einem von ihrem Anwalt vor Gericht verlesenen Brief erklärt. Der Anwalt der dänischen Opferfamilie, Khaled El Fataoui, sagte der Nachrichtenagentur AFP vor der Urteilsverkündung: "Wir erwarten Strafen, die der Grausamkeit der Tat entsprechen." Die Todesstrafe wird in Marokko zwar verhängt, in der Regel aber nicht ausgeführt.

AP_18356730893130.jpg

Trauermarsch in Rabat für die beiden getöteten Touristinnen.

(Foto: AP)

Die 24-jährige dänische Studentin Luisa Vesterager Jespersen und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin Maren Ueland waren im Dezember beim Zelten im Atlas-Gebirge ermordet worden. Nach Polizeiangaben wurden sie in ihrem Zelt überfallen und geköpft. In einem nach der Tat verbreiteten Video hatten die mutmaßlichen Täter dem Anführer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der Opfer. Der Fall hatte in ganz Marokko für Entsetzen gesorgt. Viele Marokkaner hielten Mahnwachen ab.

Alle außer den drei Hauptangeklagten hatten sich während des Prozesses als IS-Anhänger bezeichnet. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 15 Jahren. Für Abderrahim Khayali plädierte sie auf lebenslange Haft. Der 33-Jährige hatte die drei Hauptverdächtigen begleitet, den Tatort aber kurz vor den Morden verlassen. Für Kevin Zoller Guervos forderte die Staatsanwaltschaft 20 Jahre Haft. Zoller Guervos hat die spanische und die schweizerische Staatsangehörigkeit inne und ist zum Islam konvertiert. Er soll den Haupttätern beigebracht haben, wie sie verschlüsselte Nachrichten verschicken und Waffen benutzen. Nach Auffassung der Ermittler waren die Verdächtigen von der IS-Ideologie inspiriert, hatten aber keinen Kontakt zu den Dschihadisten in Syrien oder dem Irak. Der IS selbst reklamierte die Tat nie für sich.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

Mehr zum Thema