Club mitten im Hamburger Hafen"Duckdalben" bietet Seeleuten aus aller Welt Hilfe und Ruhe

Durch die moderne Container-Schifffahrt läuft auch die Arbeit der Besatzungen immer rationalisierter ab. Für deren Wohlergehen in den kurzen Landzeiten sorgt seit 1986 ein christlicher Seemannsclub.
Menschlichkeit, Abwechslung und Telefonate nach oft einsamen, monatelangen Fahrten über die Weltmeere: Mehr als eine Million Seeleute aus 187 Nationen haben in den vergangenen 40 Jahren den Hamburger Seemannsclub "Duckdalben" besucht. Ob Matrose, Kapitän, Offizier, Schiffskoch, Steward, Mechaniker oder Decksmann - sie alle finden mitten im Containerhafen während der Liegezeiten ihrer Schiffe Erholung von Motorengeräuschen und Wellengang.
In dem schlichten Zweckbau mit kleinem Garten können sie Tischtennis spielen, Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen, ärztlichen Rat einholen, dank des Internets mit Familie und Freunden in aller Welt telefonieren oder sogar mit einem Geistlichen über seelische Nöte sprechen. Seit vier Jahrzehnten ist der Seemannsclub "Duckdalben - International Seamen's Club" der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Harburg eine wichtige Anlaufstelle für internationale Seeleute. Am 15. August wird das groß gefeiert. Es werden auch Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard sowie Vertreter der Deutschen Seemannsmission und der Kirche erwartet.
"Der Club ist extrem wichtig für Seeleute, weil sie heute so gut wie keine Möglichkeit mehr haben, an Land zu gehen", sagt dessen Leiterin Eliane Lafendt. "Die Landgänge sind sehr kurz, oft haben sie nur drei Stunden Zeit. Daher ist es für die Seeleute gut, einen Ort zu haben, an dem sie einfach sein können."
Anders als früher, als sich die Mannschaften etwa noch nächtelang auf St. Pauli amüsieren konnten, laufen die hoch technisierten Arbeiten auf den riesigen Containerschiffen ungleich schneller ab - ebenso das Laden und Löschen ihrer Fracht. Man wolle daher, sagt Lafendt, "a safe haven for seafearers" (ein sicherer Hafen für Seefahrer) sein. So lautet auch das Leitbild der Deutschen Seemannsmission. Auf Anruf holen Shuttlebusse die Seeleute fix von ihren Terminals ab - und der viel zu weite Weg in die Stadt erübrigt sich.
Dabei betont die Chefin die menschliche Offenheit ihres Clubs. "Wir sind ganz klar evangelisch-lutherisch, das ist unsere Herkunft. Und wir gehören zum Diakonischen Werk der Nordkirche. Aber wir missionieren nicht", sagt die 62-Jährige. "Unser Leitbild beruht auf dem christlichen Menschenbild. Doch wir sind für alle Religionen und auch für Atheisten offen." Zum Beispiel feiere man das muslimische Zuckerfest und das hinduistische Lichterfest. Und es gibt einen interreligiösen Raum der Stille.
Hamburg ist oft der letzte Landgang vor Asien
Die Würde der Seefahrer zu unterstützen, darum ginge es bei der Arbeit, an der auch viele Ehrenamtliche mitwirken. "In Hamburg ist es besonders wichtig, weil wir für viele Seeleute der letzte Hafen sind, an dem sie an Land gehen können, bevor sie zum Beispiel in Richtung Asien fahren", sagt Lafendt. In anderen Häfen seien die Infrastruktur und damit der Weg in die Innenstadt oft so weitläufig, dass dies in der kurzen Zeit kaum machbar ist.
Die Deutsche Seemannsmission hat in 14 deutschen sowie 8 weiteren europäischen Städten Anlaufstationen für die Seeleute. In Afrika und Amerika gibt es jeweils drei Standorte, in Asien zwei.
Filipinos, Inder, Russen und Ukrainer machen längst den größten Teil der Seeleute aus. Deutsche gibt es eher wenig. "Im Club erleben wir keine Auseinandersetzungen, hier läuft alles sehr friedlich ab, auch unter den verschiedenen Nationen", berichtet die Clubleiterin auch in Hinblick auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Auf den Schiffen könne das aber auch mal anders aussehen.
Fahrt durch Straße von Hormus belastet Seeleute
Direkt präsent ist dagegen in Hamburg das Kriegsgebiet der Straße von Hormus im Nahen Osten. "Deutsche Reedereien umfahren dieses Gewässer, andere, auch europäische, fahren aber hindurch, meist mit militärischer Begleitung. Das ist dann für die Seeleute eine sehr belastende Situation, die zu Schlafmangel, Angst und Sorgen führt, wie sie uns erzählen."
Immer wieder hört man von den Schattenseiten an Bord - wie Einsamkeit, überlangen Arbeitszeiten und schlechter Bezahlung. Kann der Seemannsclub auch da helfen? "Wir stehen natürlich für die Seeleute, geben aber keine politischen Statements ab", sagt Lafendt, die zugleich Geschäftsführerin der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Harburg ist. "Natürlich gibt es oft sehr prekäre Verhältnisse auf Schiffen, es gibt aber auch supertolle Beispiele. Ich würde die Seeleute ungern in eine Opferrolle bringen wollen. Sie arbeiten dort freiwillig und sind oft sehr stolz auf ihre Berufe, mit denen sie in der Heimat ihre ganze Familie ernähren."
Mehr Sichtbarkeit und finanzielle Beteiligung erwünscht
Hat die Chefin anlässlich des runden Geburtstags besondere Wünsche? "Ich wünsche mir, dass die Deutsche Seemannsmission weiterhin diesen Ort im Hafen ermöglichen kann, dass wir unsere Arbeit für die Seeleute weiterhin ausüben können - und ich wünsche mir auch ein wenig mehr Sichtbarkeit in der maritimen Welt des Hamburger Hafens, dass unsere Arbeit dort noch ein wenig mehr gewürdigt wird", sagt Lafendt.
Das lenkt den Blick auf die finanzielle Seite. Ermöglicht wird der "Duckdalben" von mehreren Stellen, unter anderem von der Hamburg Port Authority (HPA), der Wirtschaftsbehörde und der Nordkirche. "Wir leben von Zuwendungen und Spenden", sagt die Clubleiterin, "und wir selbst tragen 30 Prozent bei, was für eine diakonische Einrichtung sehr viel ist".
Weitere Zuwendungen hält Lafendt durchaus für wünschenswert - "schließlich machen wir sehr viel Arbeit, die eigentlich zum Arbeitgeber gehört - Mitarbeiterfürsorge für die Reedereien und Schiffseigner. Und damit sorgen wir letztlich ja auch dafür, dass die Seeleute ihre Aufgaben an Bord gut erfüllen können."