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Hilflos blicken Menschen in der Stadt Pedernales auf die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes.
Hilflos blicken Menschen in der Stadt Pedernales auf die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes.(Foto: AP)
Montag, 18. April 2016

350 Tote nach Erdbeben: Ecuador meldet immer mehr Opfer

Langsam wird in Ecuador das Ausmaß des Erdbebens vom Samstag deutlich: Präsident Correa bereitet sein Land auf deutlich mehr Tote als die bereits erfassten 350 Opfer vor. Besonders die Touristenregionen sind schwer getroffen.

Nach dem schweren Erdbeben in Ecuador steigt die Zahl der Toten weiter an. Sicherheitsminister César Navas sprach von inzwischen 350 Menschen, die ums Leben gekommen seien. Mehr als 2060 Personen wurden verletzt. Die Zahl der Todesopfer werde "vermutlich noch bedeutsam" ansteigen, sagte der Staatschef im Katastrophengebiet.

Correa, der sich während des Erdbebens im Vatikan aufhielt und von dort direkt ins Unglücksgebiet reiste, sprach von einer "enormen Tragödie". Nach Angaben der kanadischen Behörden sind zwei Kanadier unter den Todesopfern.

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Am Samstag war die Pazifikküste von Erdstößen der Stärke 7,8 erschüttert worden. Das Beben war in dem gesamten Staat zu spüren. Das Land sei extrem hart getroffen worden, sagte Correa in einer Fernsehansprache an die 16 Millionen Ecuadorianer. Höchste Priorität habe nun die Suche nach Überlebenden in den Trümmern.

Viele Tote in Touristenregionen

Vor allem die Küstenregionen mit ihren Touristen-Stränden sowie die Hafenmetropole Guayaquil waren betroffen. Gebäude stürzten ein, Straßen wurden zerstört. Die Behörden riefen die Bewohner der Küstengebiete dazu auf, diese zu verlassen. Viele übernachteten im Freien oder in provisorischen Zeltunterkünften.

Der Bürgermeister des im Epizentrum gelegenen Urlaubsortes Pedernales am Pazifik rechnete mit bis zu 400 Toten allein in seiner Stadt - viele von ihnen könnten in den Trümmern der rund 40 eingestürzten Hotels liegen. "Pedernales ist verwüstet", sagte Bürgermeister Gabriel Alcívar. "Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Medikamente, Wasser und Lebenmittel, um den Menschen zu helfen."

Die Regierung mobilisierte 13.500 Soldaten und Polizisten, um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. In Portoviejo, rund 180 Kilometer südlich von Pedernales, konnten Behördenangaben zufolge trotzdem rund 130 Insassen aus einem Gefängnis fliehen, dessen Wände eingestürzt waren. Rund 35 von ihnen wurden bereits wieder gefasst.

"Es war, als ginge die Welt unter"

Berichte von Überlebenden gaben eine Ahnung von der Wucht der Erschütterungen. "Es war, als ginge die Welt unter. Häuser krachten zusammen, Lichter gingen aus, die Menschen sind total verzweifelt, unter den Trümmern liegen Verschüttete", schilderte die 40-jährige Hausfrau Miriam Santana aus der Stadt Manta ihre Erlebnisse.

Die 60-jährige María Torres erlebte das Beben in Quito, wo Lichtmasten und Kabel hin- und herschwankten. "Mein Gott! Das war das schlimmste Erdbeben in meinem ganzen Leben. Es dauerte eine ganze Weile. Mir war schwindlig, ich wollte auf die Straße rennen, aber ich konnte nicht - zu sehr drehte sich mir der Kopf", sagte sie. Alle öffentlichen Veranstaltungen in Quito wurden abgesagt. Das Beben dauerte etwa eine Minute. Dem Hauptbeben schlossen sich rund 55 Nachbeben an.

Internationale Hilfe läuft an

Ecuador ist das kleinste Opec-Mitglied und leidet bereits stark unter dem massiv gefallenen Ölpreis. Die Ölproduktion ist von dem Beben aber offenbar nicht betroffen. Es wird erwartet, dass die Wirtschaft in diesem Jahr kaum wächst.

Zahlreiche Gläubiger haben laut der Regierung bereits Notfallhilfen im Umfang von 600 Millionen Dollar aktiviert. Venezuela, Chile und Mexiko haben darüber hinaus Hilfskräfte und -materialien entsandt. US-Außenminister John Kerry bot Unterstützung an. Ärzte ohne Grenzen schickte ein Team aus Kolumbien nach Ecuador. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini stellte rasche finanzielle und technische Hilfe Europas in Aussicht.

Quelle: n-tv.de