Panorama
Norbert K. auf dem Weg in den Gerichtssaal.
Norbert K. auf dem Weg in den Gerichtssaal.(Foto: imago/xcitepress)
Montag, 30. Mai 2016

Annelis Entführung und Ermordung: Ein Angeklagter gesteht Tatbeteiligung

Die Eltern der 17-jährigen Anneli hoffen auf eine gerechte Strafe für die Täter, doch die wollen vor allem ihren eigenen Anteil an der Tat kleinreden. So gesteht zwar einer der beiden ein wenig, vom Mordplan will er aber nichts geahnt haben.

Im Prozess um die Entführung und Ermordung der 17-jährigen Anneli-Marie aus Sachsen hat einer der beiden Angeklagten seine Tatbeteiligung teilweise eingeräumt. Der 62-Jährige ließ zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Dresden über seinen Verteidiger erklären, er habe das Tatfahrzeug gefahren und sich damit der Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub schuldig gemacht. Der zweite Angeklagte verweigerte zunächst eine Aussage.

Die Anklage wirft dem 62-jährigen Norbert K. und dem 40-jährigen Markus B. vor, Anneli im vergangenen August bei einem Spaziergang nahe ihrem Elternhaus bei Meißen entführt und von der Familie des Mädchens 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert zu haben. B. soll die Gymnasiastin zwei Tage nach ihrer Verschleppung erstickt haben.

Nach Auffassung der Anklage hatte der verschuldete B. die Tat lange vorher geplant. Bereits Anfang 2015 habe es den Plan gegeben, jemanden "zu entführen und Lösegeld zu fordern", sagte Oberstaatsanwältin Karin Dietze. B. habe im Internet nach "potenziellen Opfern" recherchiert und ein Mittel zur Betäubung bestellt.

"Gemeinsamer Tatbeschluss"

Schließlich habe er den Wohnort von Annelis Familie ausgekundschaftet und mitbekommen, dass das Mädchen mit ihrem Hund regelmäßig über Feldwege spazieren ging. Am 13. August vergangenen Jahres hätten die Angeklagten Anneli dann abgepasst und verschleppt. Aus Angst, dass sie die unmaskierten Entführer später wiedererkennen könnte, fasste B. nach Auffassung der Staatsanwaltschaft "den Entschluss, Anneli zu töten".

Dietze geht von einem "gemeinsamen Tatbeschluss" aus. "Norbert K. wusste sehr wohl von dem Vorhaben, Anneli zu töten", sagte sie. "Er hielt B. aber von der Tötungsabsicht nicht ab." Die Anklage wirft den beiden mutmaßlichen Tätern, die dem Prozess meist mit gesenken Köpfen verfolgten, erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge und dem 40-jährigen B. zudem Mord vor.

K.s Anwalt Andrej Klein erklärte hingegen, in die Pläne zur Tötung von Anneli sei dieser nicht eingeweiht gewesen. Der 62-jährige K., der in Berlin aufwuchs und seit mehr als zehn Jahren in Dresden lebt, machte vor Gericht keine weiteren Angaben zu den Geschehnissen, sondern lediglich zu seinem Lebenslauf. Auch er hatte Schulden.

Ein "komplett verändertes" Leben

In einer teils sehr emotionalen Zeugenaussage schilderte Annelis Vater, der wie ihre Mutter und Schwester als Nebenkläger auftritt, die Geschehnisse vom vergangenen August, die Kontakte mit den Entführern und die Versuche, eine Geldübergabe zu organisieren. Die Entführer gingen demnach eher planlos vor und nannten keine konkreten Modalitäten. Unter anderem forderten sie eine Überweisung auf ein malaysisches Konto.

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Birgit Wiegand nach dem Leben der Familie neun Monate nach der Tat sagte der Bauunternehmer mit teils stockender Stimme: "Unser Leben hat sich komplett verändert." Das eigene Kind "durch diese entsetzlichen Umstände zu verlieren", stelle die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Nach seiner Aussage wandte sich der Vater direkt an die beiden Angeklagten und forderte sie auf: "Reden Sie endlich." Das Urteil soll voraussichtlich im August fallen.

Quelle: n-tv.de