Panorama

"Täglich bis zu 700 Proben" Ein Labor-Team bewältigt den Corona-Alltag

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Das Mikrobiologie-Team im Klinikum Dortmund.

Medizinisch-technische Laborassistenten (MTLA) haben täglich mit Hunderten Coronavirus-Proben zu tun. Das Mikrobiologie-Labor im Klinikum Dortmund bearbeitet jeden Tag bis zu 700 Coronavirus-Tests. Die 16 MTLAs haben in der Krise extra ein neues Schichtdienstsystem entwickelt, um den Ansturm zu bewältigen. Wie gehen die Mitarbeiter mit ihrem Corona-Alltag um? ntv.de hat mit den Mitarbeiterinnen Zina Dahri, Anna Krumrei und Jasmin Dürdoth darüber gesprochen.

ntv.de: Wie sieht der Corona-Alltag in Ihrem Labor aus?

Zina Dahri: Es dreht sich seit mehr als vier Wochen im Prinzip nur noch um das Thema Corona, weil wir entsprechend mehr Proben erhalten und mehr Anrufe von Praxen, Gesundheitsämtern und Krankenhäusern bekommen. Derzeit ist es so geregelt, dass sich fünf bis sechs MTLA unter der Woche um die Corona-Diagnostik kümmern und zwei an den Wochenenden. Der Rest kümmert sich dann um die weiteren Routineuntersuchungen - zum Beispiel die Auswertungen von Proben, die im Krankenhaus auf den Stationen anfallen.

Wie viele Tests sind das dann pro Tag?

Anna Krumrei: Wir bearbeiten unsere Tests mit drei verschiedenen PCR-Systemen von drei Firmen, um das große Aufkommen bewältigen zu können. Wir messen aktuell täglich bis zu 700 Proben. Denn wir testen nicht nur unsere eigenen Patienten aus unseren drei Klinikhäusern, sondern auch welche aus externen Kliniken und Gesundheitsämtern. Wir versorgen insgesamt 14 Standorte.

Wie haben Sie in Ihrem Labor die Kapazitäten hochgefahren?

Dahri: Wir haben hier ein neues Schichtdienstmodell erstellt, damit wir kontinuierlich die Diagnostik gewährleisten können. Wir beginnen um 7 Uhr morgens und bearbeiten dann teilweise bis spät in die Nacht die Coronavirus-Abstriche, weil wir eben 14 Standorte mitversorgen. Und dadurch, dass wir die drei Testsysteme haben, können wir auch mögliche Probleme abfangen. Damit ist beispielsweise ein Geräteausfall oder ein Reagenzmangel gemeint. Wir sorgen dafür, dass wir zeitnah valide Ergebnisse liefern. Gut eingearbeitete MTA-Lehrkräfte sind ebenfalls zeitweise zur Unterstützung in der Routinediagnostik eingesetzt, da unsere eigene MTA-Schule jetzt in der Corona-Situation geschlossen wurde.

Was ist für Sie neu an der Situation?

Das Prinzip ist immer dasselbe, allerdings hat jedes PCR-Testsystem je nach Hersteller Unterschiede - zum Beispiel bei der Probenmenge oder der Dauer der Inkubation, das muss man dann auch auseinanderhalten können.

Wie funktionieren die PCR-Tests?

Krumrei: Zuerst müssen wir die Virus-RNA reinigen, dabei entstehen sogenannte Eluate. Dieses Gemisch aus der Probe und einem Lösungsmittel wird zusammen mit dem PCR-Mastermix in ein Probengefäß pipettiert. Dann kann die PCR, also die Polymerase-Kettenreaktion, gestartet werden. Der Zyklus besteht aus 3 Schritten, die bei unterschiedlichen Temperaturen erfolgen und wiederholt sich bis zu 40-mal. Die Auswertung erfolgt über dann eine Software. Sobald das Genom des Sars-Cov-2 nachgewiesen wurde, ist das Ergebnis als positiv zu bewerten.

Was kostet ein Test eigentlich?

Dahri: Der Preis ist uns nicht bekannt.

Wann haben Sie die ersten Corona-Tests durchgeführt?

Anfang Februar bekamen wir die ersten Proben von Verdachtsfällen, weil sich Patienten beispielsweise außerhalb von Deutschland aufgehalten haben und besorgt waren, dass sie mit einem Infizierten in Kontakt gekommen waren. Damals haben wir die Proben noch in ein externes Speziallabor nach Berlin geschickt. Seit etwa Anfang März haben wir dann unsere eigenen drei PCR-Testsysteme aufgebaut und mit dem Nachweis begonnen.

Warum erst ab März?

Vorher waren die Systeme und Reagenzien einfach noch nicht auf dem Markt. Die Tests wurden von Firmen erst sehr schnell entwickelt und dann validiert.

Würde denn ein Schnelltest für Sie Entlastung bedeuten?

Allgemein haben Schnelltests eben den Vorteil, dass sie etwas schneller sind, aber meist auch etwas weniger sensitiv und spezifisch und üblicherweise auch deutlich teurer. Momentan würde dieser Einzeltest für den riesigen Bedarf an Tests nur sehr geringe Entlastung bringen.

Wie sehen Sie den zeitlichen Aspekt?

Das Problem ist, dass beispielweise der Bosch-Test für einen Patienten circa 2,5 Stunden benötigt. Das heißt, das Gerät wäre in dieser Zeit mit einem Patienten belegt. Wenn man sich das auf 24 Stunden hochrechnet, dann wären das maximal zehn Tests pro Tag. Wenn wir ungefähr unsere bisherige Test-Zahl halten wollten, dann müssten wir 100 Geräte aufstellen. Das ist auf der einen Seite ein Kostenfaktor und auf der anderen Seite auch utopisch. Damit sind wir mit unserer PCR besser aufgestellt, weil wir innerhalb von drei Stunden mindestens 32 Proben machen und so am Tag fast 700 Tests schaffen.

Haben Sie persönlich Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?

Ich persönlich glaube, dass ich hier ein niedrigeres Infektionsrisiko habe als draußen. Ich habe hier im Labor meine Schutzausrüstung, sprich meine Handschuhe, Kittel, und arbeite unter einer Sicherheitswerkbank. Bei besonders risikoreichen Tätigkeiten trage ich auch einen Mundschutz und eine Schutzbrille. Wir haben getrennte Bereiche. Wenn man ins Labor hineinkommt, gibt es einen Vorraum, in dem man die Schutzkleidung anlegt. Durch eine Sicherheitstür gelangt das Personal in den Laborbereich.

Wir selbst müssen hier untereinander auch auf Distanz gehen. Aber da wir einen Mundschutz tragen, kommen wir uns nicht in die Quere. Wir sind eine Mikrobiologie und arbeiten hier auch mit anderen Erregern, mit denen wir uns infizieren könnten. In unserem mikrobiologischen Labor bearbeiten die MTLA nicht nur Anforderungen auf Viren, sondern auch bakterielle, mykologische und parasitäre Erreger. Außerdem bestimmen sie die Empfindlichkeit von Erregern gegenüber bestimmten Antibiotika, das ist für die gezielte Therapie wichtig.

Reicht die Schutzkleidung denn auch aus?

Ja, derzeit ist alles im grünen Bereich.

Wie ist die Stimmung in dieser außergewöhnlichen Lage?

Wir sind generell ein sehr engagiertes Team. Wir machen das mit Herzblut und Leidenschaft. Für uns ist das auch eine spannende Zeit in der Corona-Pandemie, der Menschheit ein Stück weit zu helfen und Gewissheit zu verschaffen. Natürlich ist es richtig viel Arbeit und eine deutliche Mehrbelastung, aber ich glaube, wir können daran alle wachsen. Wir stärken uns alle gegenseitig den Rücken. Denn bei uns gilt das Motto: Einer für alle und alle für einen.

Dürdoth: Ohne uns MTLA gibt es keine Diagnostik, folglich keinen Nachweis und somit keine Therapie. Das zeigt, wie systemrelevant unsere Berufsgruppe ist, natürlich neben den Ärzten und den Pflegern.

Mit Zina Dahri, Anna Krumrei und Jasmin Dürdoth sprach Sonja Gurris

Quelle: ntv.de