Panorama

Bilanz der vergangenen Monate "Einer der nassesten Sommer seit zehn Jahren"

Für Sonnenfreunde verlief der Sommer dieses Jahr ziemlich enttäuschend: Viel Regen, vergleichsweise niedrige Temperaturen - so durchwachsen war es schon lange nicht mehr. Wer mit diesen Erkenntnissen aber Debatten über den Klimawandel abmoderieren will, täuscht sich, erklärt ntv-Meteorologe Björn Alexander.

ntv.de: Wie lässt sich der Sommer 2021 in wenigen Sätze zusammenfassen?

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Der Regenschirm war in diesem Sommer öfter mal ein nützlicher Begleiter.

(Foto: dpa)

Björn Alexander: Nicht nur im Gegensatz zu den teilweise extrem trockenen Sommern der letzten drei Jahre verlief der Sommer 2021 deutlich zu nass. Es ist zugleich auch einer der nassesten Sommer seit zehn Jahren. Und das, obgleich auch die Sommer zwischen den Jahren 2014 und 2017 beispielsweise etliche Unwetterlagen mit teilweise großen Regenmengen hatten. Doch keine dieser Unwettersituationen war natürlich vergleichbar mit den Ausmaßen der Katastrophe, die Tief "Bernd" uns und vor allem dem Westen Deutschlands im Juli gebracht hat.

Bezogen auf diese Extremwetterlage: Welche Regenmengen sind gefallen?

Flächendeckend sind von den zentralen Mittelgebirgen bis in die Eifel und dann weiter bis nach Frankreich und Belgien um die 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter gefallen. Stellenweise sogar noch wesentlich mehr. Die größte Regenmenge im Westen kam in Hagen in NRW zusammen. Binnen 24 Stunden kamen erst rund 150 Liter pro Quadratmeter runter. Anschließend legte der gewittrig durchsetzte Starkregen von "Bernd" noch einmal nach. Erneut fast 100 Liter. Macht also binnen zwei Tagen eine Regenmenge von fast 250 Liter auf jeden Quadratmeter.

Der Sommer 2021 war so regenreich wie lange nicht mehr. Welche Regenmengen waren es im Durchschnitt?

Da alle drei Sommermonate Juni, Juli und August zu nass waren und im Mittel jeweils um die 100 Liter pro Quadratmeter und mehr gebracht haben, hat es der Sommer insgesamt auf etwas über 300 Liter pro Quadratmeter gebracht. Das sind gemessen am langjährigen Mittel ungefähr 30 Prozent überm Soll.

Zu viel Regen gleich zu wenig Sonne?

Gerade der Hochsommermonat August hat uns sowohl bei der Wärme als auch bei den Sonnenanteilen arg hängen lassen. Am Ende werden es kaum 80 Prozent des ansonsten üblichen Sonnenscheins sein. Der Juli lief bei der Sonne nahezu ausgeglichen, während der Juni sogar einen Sonnenüberschuss produzierte. Nimmt man alle drei zusammen, dann sind es am Ende etwas über 600 Sonnenstunden in drei Monaten, was wiederum ziemlich genau dem langjährigen Mittelwert entspricht.

Was sagt die Statistik über den Sommer in Bezug auf die Temperaturen aus?

Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Mit einer größeren Hitzewelle und den meisten Sonnenanteilen konnte der Juni für alle Sommerfreunde punkten. Spitzenwerte von fast 37 Grad machten es hierbei insbesondere im Süden und Osten schweißtreibend. Kaum verwunderlich also, dass es im Osten und Süden ebenfalls die größte Anzahl an Hitzetagen in diesem Sommer gab. So erreichten die Temperaturen in Berlin und Umgebung immerhin an 10 bis 14 Tagen die Hitzemarke von 30 Grad. Somit verlief der Juni 2021 mit einer Mitteltemperatur von fast 19 Grad deutschlandweit wesentlich wärmer als der Durchschnitts-Juni. Der Juli war mit einer Mitteltemperatur von rund 18,3 Grad recht ausgeglichen, bevor der Sommer im August einen satten Absturz hinlegte. Mit etwa 16,5 Grad im Schnitt war es der kälteste August seit dem Jahr 2014.

War der Sommer damit am Ende denn auch zu kalt?

Nein. Gerade im Vergleich zum Referenzzeitraum von 1961 bis 1990 war selbst dieser Sommer über 1,6 Grad zu warm. Weniger groß ist die Abweichung bezüglich der letzten drei Jahrzehnte. Aber selbst in Anbetracht des Klimawandels, der sich natürlich in den letzten 30 Jahren in der Statistik wesentlich ausgeprägter darstellt, war der Sommer fast ein halbes Grad zu warm. Insbesondere im Vergleich zu den letzten drei Sommern ist der gefühlte Unterschied aber natürlich enorm.

Quelle: ntv.de

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