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Senioren um Millionen geprellt Ermittler nehmen Lottobetrüger-Bande hoch

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Die Betrüger machten eine Millionenbeute.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kriminelle Callcenter-Betreiber im Kosovo sollen Senioren über Jahre mit falschen Lotterie-Gewinnversprechen abgezockt haben. Nun hebt eine internationale Ermittlergruppe die Bande aus. Der Schaden geht in die Millionen, viele Betrugsopfer leiden aber auch an psychischen Folgen.

Ermittler im Kosovo und in Deutschland haben gemeinsam eine Bande ausgehoben, die mit falschen Lotteriegewinnversprechen vor allem bei älteren Menschen Beute in Millionenhöhe gemacht haben soll. Bei einer Razzia im Kosovo seien neun Tatverdächtige - darunter auch die Köpfe der Bande - festgenommen und umfangreiches Beweismaterial sowie hohe Vermögenswerte beschlagnahmt worden, teilte die auf deutscher Seite federführende Kriminaldirektion Trier mit.

Die Täter sollen seit mehreren Jahren aus einem Callcenter im Kosovo zumeist ältere, alleinstehende Senioren angerufen und ihnen Lotteriegewinne von mehreren Hunderttausend Euro suggeriert haben. Für die Gewinnausschüttung verlangten sie der Polizei zufolge aber Gebühren wie Transport-, Versicherungs- oder Notarkosten. Über Monate hätten die Betrüger in unzähligen Telefonaten eine regelrechte Vertrauensbasis zu den späteren Geschädigten aufgebaut. Für die Opfer führte der Betrug so neben dem materiellen Schaden laut Polizei auch häufig zu psychischen Folgen.

Nach Angaben der ebenfalls an der Aufklärung beteiligten Polizei in Mittelfranken gab es dort einen Senior, der um eine halbe Million Euro betrogen wurde. Es hätten sich "menschliche Tragödien" ereignet, Opfer seien so weit ausgenommen worden, dass sie Privatinsolvenz anmelden mussten. Dies hätten die Täter durch regelrechten Telefonterror erreicht.

Betrogene werden als Geldabholer eingesetzt

Dem Zugriff seien monatelange Ermittlungen unter Beteiligung von Ermittlern in Bad Kreuznach, Dresden und Bayern sowie der kosovarischen Behörden vorausgegangen. Die Federführung hatte die Kripo Trier, weil Anzeigen von Opfern aus Trier und dem nahe gelegenen Raum Idar-Oberstein die Ermittlungen in Gang gesetzt hatten. Ausgangspunkt der Ermittlungen waren demnach Anzeigen einer 71 Jahre alten Frau und eines 64 Jahre alten Manns. Die 71-Jährige zahlte insgesamt mehr als 53.000 Euro in bar, per Überweisung oder in Form von E-Cashcodes, der 64-Jährige verlor einen niedrigen vierstelligen Betrag. Wie diesen beiden Geschädigten sei es unzähligen weiteren Opfern in ganz Deutschland ergangen.

Die Polizei konnte zunächst zwei Geldabholer ermitteln, die bei der Frau Bargeld abholen wollten. Bei den beiden Verdächtigen handelte es sich selbst um Betrogene, die die Bande nun als Geldabholer einsetzte, wie die Polizei in Idar-Oberstein mitteilte. Im nächsten Schritt seien dann vor einem Jahr drei Verdächtige im Alter von 21 bis 24 Jahren bei einer Geldabholung festgenommen worden. Für den Tag der Festnahme hatten die Verdächtigen weitere Geld- und Goldabholungen in Bayern, Österreich und der Schweiz geplant.

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Mithilfe der Informationen aus dieser Festnahme sei es schließlich gelungen, die Hintermänner zu identifizieren, die Callcenter zu lokalisieren und zu zerschlagen. Auf deutscher Seite waren Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden in Dresden, Ansbach und Niederbayern beteiligt.

Wie die Ermittler in Ansbach erklärten, sprachen alle Betrüger sehr gut Deutsch, sie seien aber im Kosovo und Albanien aufgewachsen. Die Strafprozesse gegen die Beschuldigten würden aller Voraussicht nach im Kosovo geführt. Ziel sei es, Gelder zu beschlagnahmen, um die Opfer entschädigen zu können. Dies werde aber schwierig, erklärte die bayerische Polizei.

Quelle: ntv.de, ara/AFP