Panorama

Grausiger Fund in Kanada Erneut Hunderte Gräber von Kindern entdeckt

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Eine Gedenkstätte in der Nähe der früheren "Kamloops Indian Residential School" erinnert an die 215 entdeckten Kinder.

(Foto: picture alliance/dpa/The Canadian Press via ZUMA)

Erst Ende Mai war die Entdeckung eines Massengrabs mit 215 Kindern bei einem Internat für Indigene bekanntgeworden. Das ganze Land war erschüttert. Nun gibt es anscheinend einen weiteren Fund.

Auf dem Gelände eines weiteren früheren Internats für indigene Kinder in der kanadischen Provinz Saskatchewan sind Medienberichten zufolge Hunderte Gräber entdeckt worden. "Die Anzahl der nicht gekennzeichneten Gräber wird die bisher bedeutendste in Kanada sein", zitieren örtliche Medien den Bund souveräner indigener Völker (FSIN) . Eine genaue Zahl wurde in der Mitteilung nicht genannt.

Ende Mai waren bereits auf dem Gelände des früheren katholischen Internats nahe der Kleinstadt Kamloops in der Provinz British Columbia die sterblichen Überreste von 215 indigenen Kindern entdeckt worden. Sie sorgten landesweit für Erschütterung, UN-Menschenrechtsexperten forderten eine umfassende Aufklärung der Hintergründe. Forderungen an den Vatikan, sich zu entschuldigen und alle Dokumente zu den Vorgängen herauszugeben, blieben zunächst unbeantwortet.

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3200 dieser Kinder, die meisten an Tuberkulose.

Alkoholismus, Gewalt, Selbstmord

Nach der Entdeckung der Kinderleichen in Kamloops wurden in ganz Kanada mit Unterstützung der Behörden Ausgrabungen in der Nähe ehemaliger Schulen für Kinder von Ureinwohnern vorgenommen, darunter auch in dem Dorf Marieval. Dort gab es von 1899 bis 1997 ein katholisches Internat für indigene Kinder. Es wurde zwei Jahre später abgerissen und durch eine normale Tagesschule ersetzt.

Viele indigene Gemeinschaften machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, heute für soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Selbstmordraten verantwortlich. Ottawa entschuldigte sich im Jahr 2008 offiziell bei den Überlebenden der Internate. Sie seien Opfer eines "kulturellen Genozids", stellte eine Untersuchungskommission im Jahr 2015 fest.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa/AFP

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