Panorama

Triumph und Tod Everest-Bezwinger erinnert sich

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Das Foto des Kanadiers Saikaly.

(Foto: AFP PHOTO / PROJECT POSSIBLE)

Am 23. Mai steht der Österreicher Reinhard Grubhofer auf dem Mount Everest. Es ist der Tag, von dem ein Foto weltbekannt wird: Bergsteiger stehen Schlange unter dem Gipfel. Nun erzählt Grubhofer, wie er diese Stunden erlebt hat.

Im Mai ging ein Foto des Kanadiers Elia Saikaly um die Welt, wie Bergsteiger Schlange stehen, um den Gipfel des Mount Everest zu erklimmen. Nun hat im Magazin "GQ" ein Kletterer über das Chaos gesprochen, das in nur neun Tagen elf Menschenleben forderte.

Der Österreicher Reinhard Grubhofer war einer derjenigen, die sich an diesem 22. Mai am Mount Everest befanden. Der 45-Jährige hatte schon 2015 eine Gipfelbesteigung versucht, musste den Aufstieg aber abbrechen, nachdem ein Erdbeben Nepal erschüttert hatte. Diesmal hatte er den Gipfel bezwungen, obwohl wegen einer überraschenden Schneeschmelze auf dem Weg immer wieder das blanke Gestein frei lag und die Kletterer mit ihren Steigeisen nur schwer Halt fanden.

Gemeinsam mit einem Dutzend anderer Bergsteiger war Grubhofer am 22. Mai nachts zum Gipfel gestartet und hatte ihn um 9.30 Uhr am 23. Mai erreicht. Mit ihm standen etwa ein Dutzend weitere Menschen auf dem Dach der Welt, darunter sein Landsmann Ernst Landgraf. Nachdem der Moment auf Fotos festgehalten worden war, begann die Gruppe mit dem Abstieg.

Nicht vor, nicht zurück

Wegen des heraufziehenden schlechten Wetters war Eile geboten. Doch das erwies sich als extrem schwierig. Eine der Leitern am sogenannten Step Two wurde von einer Bergsteigerin blockiert, die Kleidung eines chinesischen Ausrüsters trug, berichtete Grubhofer. Die Frau war vor Angst wie erstarrt und weigerte sich weiterzugehen. Das bedeutete allerdings auch, dass kein anderer Bergsteiger die Stelle passieren konnte. Erst nach 45 Minuten konnten Begleiter die Frau vom Abstieg überzeugen.

Die Wartezeit in der eisigen und dünnen Atmosphäre unterhalb des Gipfels wurde möglicherweise Grubhofers Landsmann Landgraf zum Verhängnis. Er rutschte auf einer der Leitern aus und obwohl er durch eine Sicherheitsleine gehalten wurde, starb er. Möglicherweise war ein Herzinfarkt die Todesursache, ausgelöst durch die körperliche Erschöpfung und den Sauerstoffmangel.

Auch Grubhofer überlebte seinen Ausflug an den Mount Everest nur knapp. Nachdem er mühsam das Basislager erreicht hatte, öffnete er versehentlich das Ventil seiner Sauerstoffflasche fast vollständig. Mitten in der Nacht wachte er auf und konnte kaum atmen. In letzter Minute rettete ihn ein Sherpa, der ihm eine neue Flasche brachte. Ohne diese Hilfe wäre Grubhofer gestorben.

Laut der Himalaya-Datenbank hat sich die Anzahl der Menschen, die den Mount Everest besteigen, in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Allein in den 24 Stunden nach Grubhofers Gipfelbesteigung starben vier Kletterer am Berg. Doch das Abenteuer hat offenbar nichts von seiner Faszination eingebüßt. "GQ" zitiert den Mann, der die todbringendste Saison dort erlebte, mit den Worten: "Der Mount Everest ist so ein faszinierender Berg, dieses riesige Monster. Es ist immer noch eines der größten Abenteuer auf dem Planeten. Es ist ein prestigeträchtiger Ort."

Quelle: ntv.de, sba