Panorama

Beihilfe zum tausendfachen Mord Ex-KZ-Sekretärin aus Pinneberg angeklagt

Die Frau war Schreibkraft des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig.

Die Frau war Schreibkraft des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig.

(Foto: picture alliance / Andreas Keuchel)

Eine heute 95-Jährige soll als Sekretärin von 1943 bis 1945 einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des Konzentrationslagers Stutthof geleistet haben. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe erhebt Anklage. Die Frau, die damals noch ein Teenager war, streitet ab, von den Nazi-Gräueltaten gewusst zu haben.

Sie soll durch ihre Arbeit als KZ-Sekretärin Beihilfe zu tausendfachem Mord geleistet haben: Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat Anklage gegen eine ehemalige Schreibkraft des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig wegen Beihilfe zum Mord und zum versuchten Mord erhoben.

Die heute 95 Jahre alte Frau aus dem Kreis Pinneberg soll als Sekretärin des Lagerkommandanten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des KZ geleistet haben. Der Angeschuldigten werde Beihilfe zum Mord in mindestens 10.000 Fällen und in weiteren Fällen Beihilfe zum versuchten Mord im Zeitraum von 1943 bis 1945 vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zuerst berichtete das "Hamburger Abendblatt". Die Anklage erfolgte nach Angaben des Sprechers in der vergangenen Woche am Landgericht Itzehoe. Zuständig sei die Jugendkammer, weil die Frau zum Zeitpunkt der Taten heranwachsend war. Die Ermittlungen liefen seit 2016.

Es sei ein sehr komplexes und aufwendiges Verfahren, bei dem Zeugen in den USA und in Israel vernommen wurden. Auch ein Historiker wurde mit Nachforschungen beauftragt. Nach einem Bericht der ARD-Tagesschau aus dem vergangenen Jahr war die jetzt angeklagte Frau bereits mehrfach als Zeugin befragt worden. 1954 habe sie ausgesagt, dass der gesamte Schriftverkehr mit dem SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt über ihren Schreibtisch gelaufen sei.

Frau dementierte, von der Tötungsmaschinerie gewusst zu haben

Kommandant Paul Werner Hoppe habe ihr täglich Schreiben diktiert und Funksprüche verfügt. Über die Vergasung von Menschen sei ihr jedoch kein Schreiben bekannt gewesen. Von der Tötungsmaschinerie, der während ihrer Dienstzeit nur wenige Meter von ihr Zehntausende Menschen zum Opfer fielen, habe sie nichts gewusst. Im vergangenen Sommer hatte das Landgericht Hamburg einen ehemaligen SS-Wachmann des KZ Stutthof zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Strafkammer sprach den 93 Jahre alten Angeklagten der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zum versuchten Mord schuldig.

Der Angeklagte war nach Angaben der Richterin zwar ein Befehlsempfänger. "Es befreit Sie nicht von Schuld", betonte sie jedoch in der Urteilsbegründung. Der Mann hätte in Stutthof nicht mitmachen dürfen. "Sie hätten versuchen müssen, sich zu entziehen, und Sie hätten sich entziehen können."

Quelle: ntv.de, ysc/dpa

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