Panorama

Prozess nach Hygiene-Skandal Ex-Klinik-Geschäftsführer vor Gericht

232894628.jpg

Der angeklagte Alfred D. (r) soll als Geschäftsführer des Klinikums Mannheim zwischen 2007 und 2014 nicht dafür gesorgt haben, dass ausreichend sterilisiertes OP-Besteck zur Verfügung stand.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Vorwürfe klingen unglaublich: Im Uniklinik Mannheim herrschen einem Zeugen zufolge unhaltbare Hygienezustände. Doch die Liste der Beschwerden ist noch länger. Dadurch wurden laut Staatsanwaltschaft Patienten gefährdet worden. Der ehemalige Geschäftsführer muss sich nun verantworten.

Weil er Hygiene-Mängel nicht oder nicht ausreichend abgestellt haben soll, steht der ehemalige Geschäftsführer der Uniklinik Mannheim vor Gericht. Der 72-Jährige muss sich wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz verantworten.

Oberstaatsanwalt Peter Lintz führte am Landgericht Mannheim aus, der Angeklagte habe durch seine Untätigkeit zwischen 2007 und dem Ausscheiden 2014 sehr viele Menschen gefährdet. Immerhin würden jährlich 18.000 Eingriffe an der Klinik vorgenommen. Deshalb handele es sich um einen besonders schweren Fall. Dafür sei ein Strafrahmen von ein bis fünf Jahren vorgesehen.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe als Aufsichtsbehörde hatte im Jahr 2007 bei einer Begehung des Klinikums Missstände festgestellt. 2014 gab es eine anonyme Anzeige wegen weiter bestehender Unzulänglichkeiten, woraufhin das Regierungspräsidium eine erneute Begehung anordnete und die Staatsanwaltschaft im Klinikum Durchsuchungen vornahm.

"OP-Besteck mit Fliege und Knochensplittern"

Zu wenig und unzureichend geschultes Personal, veraltete Geräte für das Vorbereiten und Durchführen der Sterilisation, Verzicht auf regelmäßige Abnahme der Geräte - die Liste der Vorwürfe ist lang. Eine anonyme Anzeige war damals der Auslöser für die Ermittlungen. Wie der Südwestrundfunk berichtet, sei das OP-Besteck sogar mit einer Fliege und Knochensplittern verunreinigt gewesen.

Der Angeklagte erklärte, von den ihm unterstellten Führungskräften nicht über Missstände informiert worden zu sein. Nach den Beanstandungen durch das Regierungspräsidium Karlsruhe 2007 sei er davon ausgegangen, dass die betroffenen Abteilungen Auflagen - darunter Mitarbeiterschulungen - erfüllt hätten. Er habe "seinem Apparat" vertraut.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Bunk legte seine Sicht der Dinge dar: Als Geschäftsführer habe der Beschuldigte auch beim Delegieren von Aufgaben die Pflicht, deren Umsetzung zu überwachen. Es seien ja keine "lästigen Details", sondern gravierende Versäumnisse gewesen. Der Prozess wird im März fortgesetzt.

Das Land Baden-Württemberg prüft derzeit die Verschmelzung der Unikliniken in Heidelberg und Mannheim zu einem neuen Großklinikum im Format der Charité. Im Jahr 2019 betrug der Verlust des Mannheimer Universitätsklinikums rund 40,2 Millionen Euro.

Quelle: ntv.de, can/dpa