Panorama

Deckname "GeilerDaddy" FBI gab schon früh Hinweise auf Christian L.

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(Foto: dpa)

Christian L. soll sich auf Kinderpornoseiten im Darknet bewegt haben. Obwohl die Staatsanwaltschaft darüber vom FBI in Kenntnis gesetzt wird, passiert lange nichts. Nicht der einzige neue Hinweis, der auf eklatantes Behördenversagen schließen lässt.

Das Leid des Jungen aus dem Raum Freiburg, der von seiner eigenen Mutter und deren Lebensgefährten Christian L. missbraucht und an Freier verkauft worden sein soll, hätte viel früher beendet werden können. Darauf lassen neue Hinweise schließen, die grobe Fehler seitens der Behörden aufzeigen.

Zum einen ermittelte die Staatsanwaltschaft Freiburg offenbar schon seit 2016 gegen den einschlägig vorbestraften Christian L. wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material. Das ergaben Recherchen von "Spiegel TV". Die Ermittler hatten demnach Hinweise des FBI bekommen, das die pädo-kriminelle Darknet-Plattform "PlayPen" überwachte. L. soll sich dort unter dem Decknamen "GeilerDaddy" in 227 Fällen kinderpornografische Aufnahmen angesehen und heruntergeladen haben.

Die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Staufen erhob Anfang Mai 2017 Anklage in der Sache. Fast zeitgleich, im März 2017, eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen L. wegen Verstoßes gegen das Kontaktverbot. Er hatte nach einer früheren Verurteilung aus dem Jahr 2010 die Weisung bekommen, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten - doch er hatte sich nicht daran gehalten und war zu Berrin T. und ihrem Sohn gezogen. Ein Polizist hatte das Jugendamt informiert, dass L. mit der Mutter des heute Neunjährigen ein Verhältnis habe. Eine Verurteilung im Juni 2017 wurde nicht rechtskräftig, weil L. Berufung einlegte. Im Fall der Anklage nach dem FBI-Hinweis auf die Missbrauchsplattform "PlayPen" kam es nie zur Hauptverhandlung.

Zum anderen hätten die Familiengerichte das Kind im März 2017 bei der Entscheidung, es wieder in die Familie zurückzugeben, nicht angehört, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Auch sei für den Jungen kein Verfahrensbeistand bestellt worden.

Laut "FAZ" hatten Familienrichter am Landgericht Freiburg und am Oberlandesgericht Karlsruhe gegen eine Inobhutnahme des Kinds entschieden, weil sie keine Anhaltspunkte für einen sexuellen Missbrauch erkennen konnten. Die Richter seien nach Angaben einer Gerichtssprecherin nicht von einer Gefährdung des Kindeswohls ausgegangen, weil sich der Lebensgefährte zuvor nur an Mädchen vergangen hatte.

Die Mutter hätte das für ihren vorbestraften Lebensgefährten verhängte Kontaktverbot kontrollieren müssen. Stattdessen stellte sich nach Behördenangaben später heraus, dass sich die Frau aktiv am Missbrauch ihres Sohns beteiligt hatte.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP