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Macht Social Media unglücklich? Facebook übt sich in Selbstkritik

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Ob der Gebrauch von Facebook unglücklich macht, liegt beim Nutzers selbst, lässt das Unternehmen verlautbaren.

(Foto: imago/xim.gs)

Menschen vereinsamen depressiv vor ihren Facebookprofilen: So lautet ein beliebtes Vorurteil über moderne Kommunikationsformen. In Studien kommt Facebook tatsächlich schlecht weg. Damit setzt sich das Unternehmen jetzt kritisch auseinander - scheinbar zumindest.

In den letzten Jahren erschienen gleich mehrere psychologische Studien, die einen negativen Einfluss der Social-Media-Plattform Facebook auf das Wohlbefinden ihrer regelmäßigen Nutzer attestieren. Ein Artikel auf der Internetpräsenz des Unternehmens sorgt nun für Überraschung. Dort führt Facebook-Forschungsleiter David Ginsberg gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Moira Burke eine scheinbar selbstkritische Auseinandersetzung mit den kontroversen Ergebnissen.

Das ist keine spontane Reaktion: obwohl dieser Bereich der Social-Media-Forschung noch ganz am Anfang des Erkenntnisprozesses steht,  gehen Wissenschaftler schon seit Jahren der Frage nach, wie Online-Plattformen, insbesondere Facebook, sich auf den emotionalen Zustand ihrer Nutzer auswirken. Die Bilanz ist im Falle Facebook fast ausschließlich negativ. Zu nennen wären etwa die Ergebnisse einer Studie von 2013, die sich in einem Satz resümieren ließe: Je mehr Zeit man auf Facebook verbringt, desto unglücklicher wird man.

Facebook, ohnehin regelmäßig in der Kritik, etwa wenn es um den Datenschutz seiner Nutzer geht, oder um Algorithmen, die unglücklicherweise auch die Agenda politisch fragwürdiger Akteure auf der Seite promoten, sieht sich nun offensichtlich in der Situation, einmal Stellung zu dieser wissenschaftlichen Umtriebigkeit zu nehmen. Die öffentliche Auseinandersetzung mit den Studien geriert sich verantwortungsbewusst und reflektiert: Im Stil eines "Wir müssen reden"-Artikels lautet die Überschrift ergebnisoffen "Unangenehme Fragen: Ist es schlecht für uns, unsere Zeit in sozialen Medien zu verbringen?".

Negative Forschungsergebnisse werden relativiert

Ginsberg und Burke verweisen kurz auf die negativen Ergebnisse der Studien - z.B. die Korrelation zwischen einer hohen Anzahl an täglichen Klicks auf der Seite und einem abträglichen mentalen Zustand und die Zunahme von depressiven Verstimmungen bei Teenagern, die viel Zeit im Netz verbringen. Dann widmet sich der Rest des Berichts ihrer Relativierung. Das Resumee der Auseinandersetzung: Nicht das Nutzen der Seite selbst führe zu einer Abnahme des Wohlbefindens, sondern die Art der Nutzung. Passive Nutzer, die nur die Timeline herunterscrollten, verhielten sich wie beim Sitzen vor dem Fernseher und fühlten sich nach der verbrachten Zeit auf der Seite tatsächlich unglücklicher. Aktive Nutzer jedoch, die selber eine Menge Nachrichten, Posts und Fotos mit nahestehenden Menschen teilten, würden dadurch sogar eine Verbesserung ihres Lebensgefühls erreichen.

Zu einer so echten positiven Bewertung der aktiven Facebook-Nutzung kommt allerdings nur eine einzige Studie. Es ist die Studie, an deren Durchführung Moira Burke selbst beteiligt war. Eine weitere Studie kommt jedoch ebenfalls zu einer unterschiedlichen Bewertung von aktiver und passiver Facebook-Nutzung, in der eine Verschlechterung des psychischen Erlebens in erster Linie bei passiven Nutzern attestiert wird. Doch die Zusammenfassung der Studie lautet hier ebenfalls: "alles in allem steht die Nutzung von Facebook in negativem Zusammenhang mit dem Wohlbefinden."

In den herangezogenen Studien lassen sich also durchaus Argumente für Ginsburgs und Burkes Interpretation der Facebook-Wirkung finden.  Nur tritt hier zu einer ohnehin lückenhaften Forschung, die sich noch in den Kinderschuhen befindet, eine Schwerpunktsetzung, durch die die Ergebnisse etwas zu gut ins eigene Weltbild passen.

Und so ist mehr posten, mehr schreiben, einfach aktiver sein hier das Credo für mehr Glückseligkeit in den sozialen Medien. Und für den Erfolg des Unternehmens selbst vielleicht auch.    

Quelle: n-tv.de, sra

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