Panorama

Steuerschaden in Millionenhöhe Fahnder heben illegale Zigarettenfabrik aus

135001971.jpg

In der illegalen Fabrik sollen rund zehn Millionen Zigaretten pro Woche hergestellt worden sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sie gehen äußerst professionell und diskret vor. Doch nach vier Jahren kommen ihnen deutsche Zollfahnder auf die Schliche. Ein Dutzend Männer wird in einer Halle in NRW bei der illegalen Produktion von Zigaretten erwischt. Ihre Ware fand vor allem auf dem britischen Schwarzmarkt reichlich Abnehmer.

Mit einer der größten illegalen Zigarettenfabriken in Deutschland soll eine Gruppe Krimineller den Staat um viele Millionen Euro Steuern betrogen haben. Ermittler hoben die Anlage im Ort Kranenburg im Kreis Kleve in der vergangenen Woche aus, wie Zoll und Staatsanwaltschaft nun in Köln berichteten.

Nach ersten Hochrechnungen seien in der hochprofessionell betriebenen Produktionsstätte ungefähr zehn Millionen Zigaretten pro Woche hergestellt worden - allein der wöchentliche geschätzte deutsche Tabaksteuerschaden belaufe sich daher auf rund 1,5 Millionen Euro. Womöglich lief die Produktion, die vor allem für den britischen Schwarzmarkt gedacht war, bereits seit Ende 2016.

135002040.jpg

Die Schachteln wurden für den lukrativen britischen Schwarzmarkt hergestellt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Hinweis auf die geheime Fabrik in einer Halle kam den Angaben zufolge über polnische Behörden an den Niederrhein. Zwölf Männer aus Polen und der Ukraine im Alter zwischen 28 und 59 Jahren wurden bei dem Einsatz, an dem auch eine Spezialeinheit des Zolls beteiligt war, festgenommen. Der Zugriff geschah im laufenden Betrieb. Die Verdächtigen sitzen nun wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und der Herstellung von unversteuerten Zigaretten in Untersuchungshaft.

Die Fahnder entdeckten nicht nur mehrere Millionen fertig produzierter Zigaretten, sondern auch die Maschine, mit denen sie hergestellt worden waren. Sie sei mindestens 25 Jahre alt gewesen, sagte Holger Gießelmann vom Zollfahndungsamt Essen. "Aber durchaus äußerst funktionsfähig." Die mutmaßlichen Täter hätten sich während ihrer Arbeit stets sehr diszipliniert verhalten, um nicht aufzufallen. Sie hätten das Gelände immer nur für kurze Zeit verlassen und Lastwagen sehr schnell be- und entladen.

Verbindung zu niederländischer Pilz-Farm vermutet

Weil Zigaretten in Großbritannien sehr teuer seien, sei der dortige Schwarzmarkt lukrativ. Der Herstellungspreis für eine Stange liege bei drei bis fünf Euro, sagte Gießelmann. "Der Verkaufspreis auf dem britischen Schwarzmarkt liegt markenabhängig so zwischen 55 und 65 Euro." Die weiteren Ermittlungen sollen klären, ob die Gruppe in der Vergangenheit auch den deutschen Markt beliefert haben könnte.

Bereits ausgehoben wurde eine ehemalige Pilz-Farm in den Niederlanden - dort sollen zum Beispiel Filter und Verpackungen gelagert worden sein, die mutmaßlich für die Produktion in Kleve gedacht waren. Die nordrhein-westfälische Fabrik war laut Zoll erst die vierte Produktionsstätte für unversteuerte Zigaretten, die in Deutschland jemals gefunden wurde. Vergleichbare Anlagen waren 2003 und 2005 entdeckt worden.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.