Millionenraub in SparkasseFahndungsfotos zeigen Verdächtige mit auffälligen Merkmalen

Von den Tresorknackern von Gelsenkirchen fehlt weiter jede Spur. Die nordrhein-westfälische Polizei veröffentlicht mehrere Fotos der Einbrecher. Sie zeigen drei Personen und zwei Fahrzeuge. Wo ist die Gruppe, die möglicherweise mehr als 100 Millionen an Werten erbeutet hat?
Die Einbrecher von Gelsenkirchen, die sich durch mehrere Wände spektakulär in einen Tresorraum einer Sparkasse gebohrt und eine Millionenbeute gemacht haben, sind weiter auf der Flucht. Indes fahndet die Polizei nun mit mehreren Fotos nach drei Tatverdächtigen.
In der als "Top-Fahndung" markierten Veröffentlichung heißt es: "Am 29.12.2025 gegen 04:00 Uhr wurde aufgrund einer Alarmauslösung festgestellt, dass sich bislang unbekannte Tatverdächtige mittels Bohrer Zutritt in den Tresorraum des dortigen Geldinstituts verschafft haben. Anschließend öffneten diese die Schließfächer, nahmen den Inhalt an sich und entfernten sich mit der Tatbeute."
Einem Bericht der "Bild" zufolge soll die in fast 3000 aufgebrochenen Schließfächern gemachte Beute gar 100 Millionen Euro übersteigen. Die Fotos, welche die Polizei Nordrhein-Westfalen auf ihrer zentralen Fahndungsseite veröffentlicht hat, stammen von den Überwachungsaufnahmen im Parkhaus, in dem die mutmaßlichen Täter noch ihre Parktickets bezahlten, bevor sie durch die Schranke entschwanden.
Zwei Fahrzeuge und drei Verdächtige
Und was zeigen die Fahndungsfotos? Es sind Aufnahmen von zwei Fahrzeugen aus mehreren Blickwinkeln und drei Tatverdächtigen. Besonders auffällig: Einer trägt rote, der andere grüne Handschuhe. Die Frage nach der Bedeutung dieser Handschuhe drängt sich auf, denn in der Regel wollen Verbrecher auf ihrer Flucht nicht auffallen. Handelt es sich um ein Erkennungsmerkmal? Wollen die Einbrecher nebenbei Marketing betreiben? Oder steckt nichts dahinter? Die Frage ist bisher nicht geklärt. Auch die Polizeifahndung gibt keinen Hinweis darauf.
Zu erkennen sind zudem die Kennzeichen auf den von den Tatverdächtigen genutzten Fahrzeugen. Eines vermeintlich aus Hannover, das andere aus Beckum. Die Polizei hatte am Dienstag bereits von einem schwarzen hochmotorisierten Auto mit maskierten Männern berichtet, das auf Videoaufnahmen im angrenzenden Parkhaus zu sehen sei. Das Kennzeichen mit Kennung Hannover soll nach bisherigen Angaben gefälscht worden sein.
Die Tatverdächtigen auf den Fahndungsfotos tragen allesamt Masken. Der Einbrecher mit den roten Handschuhen steckt in einer schwarzen Jacke, der mit den grünen Handschuhen in einem grauen Pullover. Während ersterer mager wirkt, zeichnet sich bei letzterem ein leichter Bauchansatz ab. Ein weiteres Foto zeigt laut Dateiname eine "Person an Kassenautomat". Auch sie ist dunkel gekleidet.
Neue Einheit "Bohrer"
Um die Spurensuche zu beschleunigen, hat die Polizei eine "Besondere Aufbauorganisation" (BAO) für Großlagen gegründet. "Wir haben bei den Ermittlungen einen Gang höher geschaltet", ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen sagte dem "Spiegel". Die BAO trage den Namen "Bohrer". Es gehe auch darum, der "Flut der Infos und Hinweise" gerecht zu werden und darum, Kräfte von anderen Polizeibehörden hinzuziehen zu können.
"Das reißt gar nicht mehr ab", sagte ein Polizeisprecher zu den Hinweisen. Dabei gebe es ein breites Spektrum. So meldeten sich auch Sachverständige und Ermittler aus anderen Bundesländern, um Hinweise in dem Fall zu geben. Anderen Hinweisgebern seien Kleinigkeiten auf kursierenden Aufnahmen aus der Tiefgarage aufgefallen. "Wir haben viele Hinweise aus vielen Richtungen", sagte der Polizeisprecher. Eine Festnahme stehe derzeit aber nicht an.
Die veröffentlichten Fahndungsfotos könnten diese Flut nun noch einmal vergrößern - aber auch dazu beitragen, dass die entscheidenden Zeugen anrufen. Womöglich, weil sie Männer mit auffälligen Handschuhen sahen. Oder ihnen ein weißer Lieferwagen mit Beckumer Kennzeichen aufgefallen ist. Auch dieser ist auf den Fahndungsfotos zu sehen.
Die Polizei erbittet Hinweise direkt über das Fahndungsportal sowie mittels der Rufnummern 0209/365-8112 (zu Bürodienstzeiten) oder 0209/365-8240 (außerhalb der Bürozeiten).