Panorama

Zugunglück von Bad Aibling Fahrdienstleiter muss ins Gefängnis

Zwölf Menschen verlieren ihr Leben bei dem Zugunglück von Bad Aibling. Schuld ist der Fahrdienstleiter. Das Landgericht Traunstein verurteilt ihn wegen fahrlässiger Tötung. Er muss ins Gefängnis.

Im Prozess um das tödliche Zugunglück von Bad Aibling ist der Fahrdienstleiter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sah es als erwiesen an, dass der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung schuldig ist. Bei dem Zusammenstoß zweier Meridian-Züge am 9. Februar in Oberbayern waren 12 Menschen gestorben und fast 90 verletzt worden, einige von ihnen schwer.

Michael P. sei alleine für den Frontalzusammenstoß verantwortlich, hieß es vom Gericht. Er habe sich durch Handyspielerei von seinen Pflichten ablenken lassen, sagte der Vorsitzende Richter Erich Fuchs.

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für eine Haftstrafe von vier Jahren plädiert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Alternativ hatte sie im Fall einer Verurteilung zu einer Haftstrafe maximal zweieinhalb Jahre gefordert.

Abweichend von der Anklage verurteilte das Gericht P. bei den Fällen der fahrlässigen Körperverletzung wegen 85 Taten und nicht wie angeklagt wegen 89 Taten. Das Gericht ordnete außerdem die Fortdauer der Haft für den seit dem Frühjahr in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten an.

Auf dem Handy gespielt

Der Vorsitzende Richter ging detailliert auf die Handynutzung des 40-Jährigen ein. Dieser habe in der Zeit rund um das Unfallgeschehen auf seinem Handy ein Phantasyspiel gespielt. Von der in der Beweisaufnahme ermittelten Online-Zeit habe er 70 Prozent aktiv das Spiel gespielt.

P. sei dadurch so in seiner Konzentration und Aufmerksamkeit abgelenkt und gestört gewesen, dass es zu den für den Unfall verantwortlichen mehreren Fehlleistungen kam, sagte der Richter. "Der Angeklagte hat seine ganze Konzentration auf das Spiel auf dem Smartphone verwendet." Das Gericht sei überzeugt, dass es nicht zu dem Unfall gekommen wäre, wenn P. nicht gespielt hätte. Er sei ein erfahrener und qualifizierter Fahrdienstleiter gewesen und habe nur durch das Spielen bedingt "unerklärliche, unverständliche Denkfehler" begangen.

Zu Prozessbeginn hatte der Bahnmitarbeiter gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar in dem oberbayerischen Kurort das Fantasy-Rollenspiel "Dungeon Hunter5" auf seinem Handy gespielt zu haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Die Vorschriften der Deutschen Bahn verbieten jedoch die private Nutzung von Smartphones im Dienst.

Der Richter ging in seiner Urteilsbegründung auch auf Kritik an der Deutschen Bahn ein, das veraltete Stellwerk von Bad Aibling sei nicht ausreichend nachgerüstet worden. Natürlich stelle sich gerade für die Angehörigen die Frage, ob es in der heutigen Zeit nicht möglich gewesen wäre, mit einem vertretbaren Aufwand zusätzliche Sicherungssysteme zu installieren.

Darüber habe aber das Gericht nicht zu entscheiden gehabt, für den Unfall bleibe auch der Fahrdienstleiter verantwortlich. "Der Zusammenstoß erfolgte hier ausschließlich und nur deshalb, weil der Angeklagte in diese funktionierende Technik eingegriffen hat." Der als Nebenklagevertreter der Familie eines getöteten Mannes auftretende Rechtsanwalt Peter Dürr sagte am Rande des Prozesses, das Gericht habe die Schuldfrage in dem Fall eindeutig erklärt. "Die Technik hat funktioniert, der Mensch hat versagt."

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP

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