Panorama

Wem gehört diese Nummer? Fall Maddie erneut bei "Aktenzeichen XY"

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Christian Hoppe (l) vom Bundeskriminalamt im Gespräch mit Aktenzeichen-Moderator Rudi Cerne. Der Fall war bereits am 3. Juni - wie schon früher - Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst".

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Ermittler im Fall Maddie versuchen erneut, mittels breiter Öffentlichkeit an entscheidende Hinweise zur Überführung des Verdächtigen Christian B. zu kommen. Im Zentrum steht nun eine Telefonnummer, die der Tatverdächtige kurz vor dem Verschwinden der damals dreijährige Madeleine McCann am 3. Mai 2007 angerufen haben soll.

Erst Anfang Juni war der Fall Maddie Thema bei "Aktenzeichen XY". Damals erklärte Christian Hoppe, Chefermittler beim Bundeskriminalamt, dass es einen neuen Verdächtigen im Fall Madeleine McCann gibt. Seither gingen Hunderte Hinweise bei den Ermittlern in Deutschland, aber auch in England und Portugal ein.

Heute wird Hoppe erneut in der Sendung auftreten. Den Ermittlern geht es um eine wichtige Frage, die noch offen ist. "Wem gehörte eine Prepaid-Nummer, mit der der Tatverdächtige im Mai 2007 in Portugal Kontakt hatte?" Die Nummer wurde mutmaßlich von Christian B. auch rund eine Stunde, bevor Maddie verschwand, angewählt. Der Anruf kam zudem aus demselben Ort, in dem das kleine Mädchen das letzte Mal lebend gesehen wurde: Praia da Luz an der Algarve. Bereits vor vier Wochen hatte Hoppe nach der Nummer gefragt, mit der Christian B. am Abend vor Maddies Verschwinden telefoniert haben soll: + 351 916 510 683

Was sich die Ermittler von ihrem neuen Aufruf erhoffen

Polizei und Ermittler stehen unter enormem Druck. Zwar haben sie einen klaren Mordverdacht ausgesprochen, bislang aber keine ausreichenden Beweise vorgelegt, die diesen Verdacht erhärten oder beweisen. Die Polizei geht aber davon aus, dass viele Bekannte von Christian B. nichts von seinen Verurteilungen als Sexualstraftäter wussten beziehungsweise wissen. Nun hofft man auf ebenso viele - Anfang Juni waren es im Umfeld der Ausstrahlung von Aktenzeichen XY rund 1000 - und vor allem neue Hinweise aus der Bevölkerung.

Durch die Ermittlungen gibt es neben der Telefonnummer inzwischen Erkenntnisse über die Autos, die Christian B. in Portugal genutzt hatte. Gesucht wird unter anderem nach einem dunkelfarbenen Jaguar XJR 6, dessen letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag von der Stadt Augsburg stammte. Außerdem fuhr der Tatverdächtige einen weiß-gelben VW T3 Westfalia. Dieser hatte eine portugiesische Zulassung. Die Ermittler halten es für denkbar, dass eines dieser Fahrzeuge zur Begehung der Tat genutzt worden ist. Deshalb werden Zeugen, die die Autos im Tatzeitraum gesehen haben, gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Die Ermittler haben zudem zwei Häuser ausfindig gemacht, die der Verdächtige immer wieder in Portugal genutzt hatte. Auch dazu bitten die Ermittler um Zeugenaussagen.

Unklar ist bisher noch, ob der tatverdächtige Deutsche möglicherweise Mitwisser oder sogar Mittäter gehabt hat. Auch, ob es weitere Opfer gibt, ist noch ungeklärt, wird aber von der Polizei nicht ausgeschlossen.

Verteidiger von Christian B. kritisiert öffentliche Fahndung

Der Verteidiger des deutschen Verdächtigen hat die Staatsanwaltschaft für eine öffentliche Vorverurteilung seines Mandanten verantwortlich gemacht. Christian B. stehe "weltweit am Pranger", sagte Anwalt Friedrich Fülscher dem "Spiegel". In "internationalen Medien" sei er "einer Vorverurteilung ausgesetzt". Dies hätten die Ermittler durch ihre Veröffentlichungsstrategie verursacht, kritisierte er.

Zwar habe die Braunschweiger Staatsanwaltschaft den Namen seines Mandanten nicht genannt. Dieser sei aber "leicht anhand der sehr individualisierten Informationen identifizierbar", sagte Fülscher.

Der 43 Jahre alte Christian B. sitzt derzeit noch wegen eines Drogendelikts in Haft. Zudem wurde er im Herbst vergangenen Jahres in Braunschweig wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Bürgerin in Portugal im Jahr 2005 zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Diese Strafe wurde allerdings bislang noch nicht rechtskräftig.

Quelle: ntv.de, tar