Panorama

Mangelnder Aufklärungswille Fast 700 US-Geistliche sollen Kinder missbraucht haben

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Ein dunkles Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche.

(Foto: REUTERS)

Die katholische Kirche wollte von nicht einmal 200 Fällen wissen, doch einem Bericht zufolge sind fast 700 Geistliche im US-Staat Illinois in Missbrauchsfälle verwickelt. Die Staatsanwaltschaft kritisiert Unwillen zur Aufklärung der Taten.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche im US-Bundesstaat Illinois hat offenbar weitaus größere Ausmaße als bisher angenommen. Fast 700 Geistliche sollen sich an Kindern vergangen haben. Diese Zahl gab Staatsanwältin Lisa Madigan bekannt. Die katholische Kirche selbst hatte die Zahl der Priester und anderen Geistlichen in dem Bundesstaat, gegen die glaubhafte Missbrauchsvorwürfe vorliegen, mit 185 angegeben.

Madigan sagte nun aber, in seit August laufenden Ermittlungen seien Vorwürfe gegen mehr als 500 weitere Geistliche aufgedeckt worden, die bislang von der Kirche zurückgehalten wurden. Damit stieg die Zahl auf 690. Die katholische Kirche habe die Vorwürfe nicht "gründlich" untersucht, sagte die Staatsanwältin. Sie habe damit gegen ihre "moralische Verpflichtung" verstoßen, die gesamte Wahrheit über "sexuell unangebrachtes Verhalten" ihrer Priester in dem Bundesstaat ans Licht zu bringen.

Heilung und Aussöhnung

Viele der Anschuldigungen liegen lange zurück. Allerdings gehe es bei deren Aufarbeitung nicht nur um strafrechtliche Verfolgung, zitiert die Zeitung "Chicago Tribune" aus dem Bericht. Es gehe auch um "Heilung und Aussöhnung mit den Überlebenden".

"Ich möchte tiefes Bedauern der gesamten Kirche ausdrücken", erklärte Blase Cupich, Kardinal von Chicago, in einem Statement, das der "Chicago Tribune" vorliegt. Es sei die Courage der Überlebenden, die "reinigendes Licht auf dieses dunkle Kapitel in der Geschichte der Kirche" geworfen habe. Sein Kollege William Kunkel fand weniger versöhnliche Worte. Er nannte den Bericht nach Angaben der Zeitung "Washington Post" unfair und falsch.

Die katholische Kirche in den USA ist in den vergangenen Jahren von einer Reihe von Missbrauchsfällen erschüttert worden. Immer wieder wurden die Vergehen der Priester vertuscht. Ihr vorläufiger Untersuchungsbericht zeige, dass die katholische Kirche in Illinois sich nicht selbst beaufsichtigen könne, sagte Madigan. Die Diözesen hätten für gewöhnlich gesagt, zum Zeitpunkt der der Anschuldigungen seien die Priester entweder schon tot gewesen oder hätten ihr Amt nicht mehr ausgeübt. Deshalb sei es zu keinen Ermittlungen gekommen.

Quelle: n-tv.de, ame/AFP/dpa