Panorama

Umfrage kommt auf 29.000 Tote Fast jedes zweite Corona-Opfer starb im Altenheim

Mehr als 71.000 Menschen in Deutschland sind in der Pandemie gestorben. Eine Umfrage ergibt nun, dass der Anteil der Pflegeheimbewohner unter den Opfern erschreckend hoch ist. Inzwischen sind fast alle Menschen in den Heimen geimpft, doch die Politik versäumt es, die harten Besuchsregeln wieder zu lockern.

Der Anteil von Heimbewohnern an der Gesamtzahl der Corona-Toten in Deutschland liegt einer bundesweiten Erhebung zufolge bei fast 40 Prozent. Nach einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter den Gesundheits- und Sozialministerien der Bundesländer sind bisher mindestens 29.000 an Corona erkrankte Heimbewohner gestorben. Laut Robert-Koch-Institut sind in Deutschland bislang rund 71.500 Menschen an oder mit der Viruserkrankung gestorben.

Nicht alle Bundesländer weisen demnach aus, wie hoch der Anteil der Heimbewohner an allen Corona-Verstorbenen ist. Doch wo die Zahlen vorliegen, seien sie hoch, heißt es in dem Bericht weiter. Sie reichen von 25 Prozent in Sachsen und 29 Prozent in Sachsen-Anhalt über 35 Prozent in Niedersachsen, 39 Prozent in Baden-Württemberg und 40 Prozent in Nordrhein-Westfalen bis hin zu 47 Prozent im Saarland, 54 Prozent in Bayern und 60 Prozent in Hamburg.

Besonders im Januar erreichten die Sterbefälle Rekordhöhen. In diesem Monat meldeten die Einrichtungen der FAZ zufolge den Tod von 10.000 Heimbewohnern, die am Coronavirus erkrankt waren. Teilweise fielen darunter auch Gemeinschaftsunterkünfte für Obdachlose, Asylbewerber und andere Heime, während der Großteil die Alten- und Pflegeheime betreffe.

Im Januar wurden in Hessen 1747 Verstorbene verzeichnet, allein die Heime melden 1165 Tote. In Bayern waren es 3605 Tote, davon 2167 in Heimen; in Nordrhein-Westfalen 3504 Tote, davon 1934 in Heimen; in Baden-Württemberg 1954 Tote, davon 1097 in Heimen.

Heimbewohner warten auf Ende der Besuchsbeschränkungen

Im Februar sank die Zahl der Corona-Toten insgesamt und auch die der verstorbenen Heimbewohner. Im Februar meldeten die Heime 548 Tote in Nordrhein-Westfalen, das insgesamt 2238 Corona-Verstorbene verzeichnet. Baden-Württemberg notiert 582 Verstorbene, davon 512 in den Heimen. In Hessen waren es 374 in den Heimen und 645 Tote insgesamt, in Niedersachsen 285 in den Heimen und 375 insgesamt sowie in Thüringen 217 in den Heimen und 670 insgesamt.

Mehr als 85 Prozent der Heimbewohner haben eine Erst- und knapp 60 Prozent eine Zweitimpfung erhalten, schreibt die Zeitung mit Verweis auf Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Infektionszahlen in den Einrichtungen sowie ganz grundsätzlich bei älteren Menschen sind stark gesunken, auch die Krankheits- und Sterbefälle haben abgenommen - wenngleich sie weiter hoch sind. Dem RKI zufolge hat sich die Zahl der Verstorbenen bei den Über-70-Jährigen in der ersten Februarwoche im Vergleich zum Jahresbeginn fast halbiert, ist zugleich aber immer noch so hoch wie Ende November.

Nachdem die große Mehrheit der Heimbewohner in Deutschland geimpft ist, fordert der BIVA-Pflegeschutzbund, die Interessenvertretung von Pflegeheimbewohnern, die aktuell scharfen Besuchsbeschränkungen umgehend zu lockern. Trotz erfolgter Impfungen in so gut wie allen Heimen warteten die alten Menschen weiterhin auf Erleichterungen der besonders strikten Kontaktbeschränkungen, heißt es in einer Erklärung. "Die Politik hat bisher offenbar nach erfolgter Impfkampagne in den Heimen die Bewohnerinnen und Bewohner wieder vergessen", sagt Manfred Stegger, Vorsitzender des BIVA-Pflegeschutzbundes. Dabei liege seit Wochen eine entsprechende Empfehlung des Ethikrates vor. Die Politik müsse zeigen, dass ihr das Schicksal dieser Personengruppe nicht gleichgültig sei.

Quelle: ntv.de, mau

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