Auch Touristen evakuiertFeuer in Südspanien wütet weiter - mindestens zwölf Tote

Die Flammen lodern unweit beliebter Strände: In Andalusien kämpfen rund 500 Einsatzkräfte gegen einen verheerenden Waldbrand. Mehrere Menschen sterben, als sie vor dem Feuer fliehen wollen und eine falsche Route wählen. Eine Entwicklung macht dennoch Hoffnung.
Der verheerende Waldbrand mit mindestens zwölf Todesopfern im Süden Spaniens hat sich weiter ausgebreitet. Die Flammen zerstörten in der andalusischen Provinz Almería bereits 6600 Hektar (66 Quadratkilometer) Wald- und Buschfläche, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Dabei bezog er sich auf einen Sprecher der rund 500 Einsatzkräfte im Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar, rund 70 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería. Die verbrannte Fläche entspricht der Größe von zwei Dritteln der Insel Sylt.
Die Lage entwickelte sich zuletzt jedoch günstig. Eine höhere Luftfeuchtigkeit und schwächere Winde erleichterten nach Angaben der Einsatzkräfte die Löscharbeiten. Der Präsidentschaftsminister der Zentralregierung, Félix Bolaños, sagte am Einsatzleitstand, Teile des Feuers seien bereits nahezu stabilisiert, die Lage bleibe aber in einigen Abschnitten schwierig. Die am Freitag teilweise gesperrte Autobahn A7 wurde wieder freigegeben.
Die Flammen loderten unweit beliebter Mittelmeerstrände wie Playa de Mojácar. Knapp 1500 Menschen mussten ihre Häuser und einen Campingplatz verlassen, darunter auch Touristen vor allem aus Großbritannien. Als Ursache des Brandes wird eine kaputte Stromleitung vermutet.
Viele der Todesopfer waren in der Nacht zum Freitag - wenige Stunden nach Ausbruch des Feuers - auf den Straßen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt haben. Acht Menschen wurden schwerer verletzt.
Augenzeugen berichteten von der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen am Freitag ausbreiteten. Dem Regionalpräsidenten zufolge legte das Feuer zeitweise 15 Kilometer in zwei Stunden zurück.
Aufgrund verschiedener Indizien gehen die Behörden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass unter den Toten mehrere Briten und Belgier sind. Man müsse aber die Identifizierung der Opfer abwarten. Diese gestalte sich schwierig, hieß es.
Unterdessen dauerte die Suche nach möglichen weiteren Opfern an. Die Polizeieinheit Guardia Civil konzentrierte sich dabei auf die Gemeinde Bédar, wo sich das Feuer nach Behördenangaben besonders überraschend und schnell ausbreitete. Die Einsatzkräfte durchsuchten dort die Häuser systematisch einzeln. Nach offiziellen Angaben wird weiterhin nach 23 Menschen gesucht. Allerdings wurden bislang nur sieben Vermisstenanzeigen gestellt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat derweil erschüttert auf die Todesfälle bei einem Waldbrand in Südspanien reagiert. "Die Nachrichten über die Feuerkatastrophe in Andalusien sind bestürzend", erklärte Merz auf X. Er habe dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez seine Anteilnahme ausgesprochen und hoffe, dass die vielen Verletzten und Angehörigen der Opfer "Trost finden".
Spanien sowie der iberische Nachbar Portugal und andere europäische Länder werden schon seit Wochen von einer ganzen Serie an Waldbränden heimgesucht. Seit Jahresbeginn haben großflächige Feuer allein in Spanien bereits mehr als 60.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.