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Verschollenes Weltkriegswrack Forscher entdecken die "SS Iron Crown"

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Kriegswichtiger Rohstofftransport: die "SS Iron Crown" (l.) im Hafen (Archivbild).

(Foto: © National Library of Australia / Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation)

Ein ungewöhnlicher Fund vor der Küste Australiens weckt Erinnerungen an das grausige Schicksal ziviler Seeleute im Zweiten Weltkrieg: Der Torpedo eines japanischen U-Boots riss den Eisenerz-Frachter "Iron Crown" vor beinahe acht Jahrzehnten in die Tiefe.

Vor der Küste Australiens haben Unterwasserarchäologen das gut erhaltene Wrack des im Zweiten Weltkrieg versenkten Frachters "SS Iron Crown" geortet. Die Überreste des rund 100 Meter langen Handelsschiffes seien rund 100 Kilometer vor der Küste des australischen Bundesstaats Victoria entdeckt worden, teilten die Wissenschaftler mit. Trotz der langen Zeitspanne unter Wasser scheine die "Iron Crown" noch "relativ intakt" zu sein, hieß es. Das Wrack liegt rund 700 Meter unter der Wasseroberfläche auf dem Meeresgrund auf ebenem Kiel.

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Erste Bilder aus 700 Metern Tiefe: Der Bug und die Ankerketten der Iron Crown.

(Foto: © Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO))

Der Fund weckt über die Landesgrenzen Australiens hinaus düstere Erinnerungen an das grausige Schicksal vieler Seeleute während des Zweiten Weltkriegs: Am 4. Juni 1942 feuerte ein japanisches U-Boot ohne Vorwarnung einen Torpedo auf die "Iron Crown" ab.

Der Schüttgutfrachter wurde schwer getroffen. Die Explosion des Torpedo-Sprengkopfs riss die Außenhaut des rund 100 Meter langen Schiffes auf. Binnen Sekunden fluteten enorme Mengen an Meerwasser in den Rumpf und besiegelten das Schicksal des schwer beladenen Dampfers. Der Großteil der Besatzung wurde offenbar unter Deck von den Wassermassen überrascht.

Gesunken wie ein Stein

Mit seiner Ladung aus Eisenerz an Bord soll das Schiff innerhalb von nur einer einzigen Minute versunken sein, erzählten Überlebende. Der tödlich getroffene Erzfrachter riss 38 seiner 43 Besatzungsmitglieder mit in die Tiefe.

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Forschungsleiterin Emily Jateff vom Australian National Maritime Museum.

(Foto: © Max McGuire, CSIRO)

Dank ihrer Schwimmwesten und der vergleichsweise milden Wassertemperaturen gelang es fünf Überlebenden, sich an Wrackteilen geklammert bis zu ihrer Rettung über Wasser zu halten. Das letzte überlebende Besatzungsmitglied der "Iron Crown" starb im Jahr 2012. Zum Zeitpunkt des Unglücks war er 18 Jahre alt.

Mit der Ortung des Wracks nach fast 77 Jahren hätten nun auch die Angehörigen der Toten Gewissheit, sagte der Archäologe Peter Harvey von der Kulturerbe-Vereinigung Heritage Victoria. Die "Iron Crown" sei mithilfe von Sonargeräten und einer Unterwasserkamera geortet worden, sagte die Wissenschaftlerin Emily Jateff vom Australian Maritime Museum. Die Technik dazu stellte die Besatzung des australischen Hochseeforschungsschiffes "Investigator" zur Verfügung.

"Bedeutende Entdeckung"

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Hochseetaugliches Forschungsschiff: Die "Investigator" kartiert im Auftrag der australischen Regierung den Meeresgrund.

(Foto: © Owen Foley / CSIRO)

Als klar wurde, dass es sich bei dem entdeckten Wrack tatsächlich um die "Iron Crown" handelt, sei niemand an Bord der "Investigator" unberührt geblieben, berichtete Jateff. Allen Beteiligten war bewusst, dass die Bilder der Unterwasserkamera ein Massengrab zeigten.

Die erfolgreiche Suche nach den Überresten der "Iron Crown" beschrieb Forschungsleiterin Jateff als "bedeutende Entdeckung für Australien". Zwischen Juni 1942 und 1943 hatte das japanische Kaiserreich Historikern zufolge insgesamt 13 U-Boote vor die Ostküste Australiens entsandt. Als Teil des britischen Commonwealth befand sich das Land im Krieg mit Japan.

Die Versorgung auf dem Seeweg war dabei nicht nur für Australien lebenswichtig: Rohstoffe wie Eisenerz sollten auch die reibungslose Produktion kriegswichtiger Rüstungsgüter für die Allierten sicherstellen. Die japanischen Boote versenkten in der fraglichen Zeitspanne 22 Handelsschiffe. Insgesamt 194 Seeleute kamen dabei ums Leben.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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