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Ruhe statt BergungForscher raten von Transport des Wals dringend ab

27.04.2026, 18:09 Uhr
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Die Metallbarge ist für den Transport des Wals durch die Ostsee in die Nordsee vorgesehen. (Foto: picture alliance/dpa)

Das Drama um den vor der Ostseeinsel Poel schwer angeschlagenen Buckelwal geht in seine entscheidende Phase. Der für den Transport in die Nordsee gedachte Lastkahn hat die Wismarer Bucht erreicht. Die Aktion soll am Dienstag starten. Doch Experten schlagen Alarm.

Das Deutsche Meeresmuseum rät von einem Lastkahn-Transport des vor der Insel Poel liegenden Buckelwals dringend ab. Das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden, teilte die wissenschaftliche Einrichtung mit. "Von weiteren Manipulationen am Wal" sei abzusehen.

"Der Allgemeinzustand des Wals hat sich weiter verschlechtert", betonten die Wissenschaftler. Die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie "ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden", führten die Forscher aus und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

Ein mehrtägiger Transport gehe auch mit einer enormen Stressbelastung einher. "Insbesondere der Transport in einer Metallbarge wäre aufgrund der hohen Schallreflexion mit einer sehr großen Lärmbelastung innerhalb der Barge verbunden."

Stattdessen sollten das Schicksal des Buckelwals und die emotionale Anteilnahme in der Bevölkerung Anlass sein, um weitreichende Schutzmaßnahmen für Schweinswale und andere Meeressäugetiere in Nord- und Ostsee vorzunehmen. Sowohl die Schweinswale in der Ostsee als auch jene in der Beltsee seien von durch Menschen verursachte Bedrohungen betroffen - insbesondere Beifang und Lärm im Meer.

Transport soll Dienstag starten

Der aufwendige Abtransport des vor der Insel Poel liegenden Tieres soll am Dienstag starten. Man werde früh anfangen, sagte Oliver Bartelt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die die Aktion unterstützt, am Vortag. "Im Laufe des Vormittags ist es angedacht, dass der Rettungsversuch startet."

Mithilfe eines Gurtes soll das Tier in eine Art Lastkahn, eine sogenannte Barge, gezogen werden, die ihn bis zur Nordsee bringen soll. Dieser absenkbare Lastkahn ohne eigenen Antrieb war eigens aus der Elbe kommend durch den Nord-Ostsee-Kanal geholt worden und erreichte laut Schiffortungsdiensten am Montagnachmittag den Hafen von Wismar, wo weitere Vorbereitungen an ihm vorgenommen werden sollten.

In der Barge, die nach Angaben der Initiative normalerweise etwa für Schiffstransporte genutzt wird, soll der Wal samt Wasser bewegt werden. Ein Schiff soll den Lastkahn ziehen.

Meeresmuseum für Obduktion des Wals

Sollte der Buckelwal sterben, sollte das Tier nach Ansicht des Deutschen Meeresmuseums wissenschaftlich untersucht werden, um Erkrankungen und die Todesursache feststellen zu können. "Diese Untersuchung muss innerhalb weniger Tage nach dem Tod erfolgen, damit die Zersetzung der Organe durch Autolyse bis dahin nicht zu weit fortgeschritten ist."

Das Meeresmuseum könne dies jedoch nicht leisten. Die Genehmigung einer Obduktion sei zu einem Zeitpunkt erteilt worden, als das Meeresmuseum noch in die Maßnahmen für den Buckelwal involviert gewesen sei. "Durch Duldung der Privatinitiative zur Lebendbergung des Buckelwals (...) und der nachfolgenden Manipulationen am Buckelwal ist eine unabhängige, forensische Obduktion des Tieres erforderlich."

Quelle: ntv.de, gut/dpa

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